Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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31 ZUM GELEIT Dieser Almanach, den die »Selbstwehr« nun schon seit einigen Jahren herausgibt, soll nebst dem Kalendarium für das neue Jahr seinen Lesern vor allem einen raschen Überblick über die Ereignisse des vergangenen Jahres bieten; er soll am Ende eines schweren und vor Beginn eines unsicheren Jahres einen Moment der Besinnung bringen, Rückschau und Vorschau sein und hiebei vor allem unseren besonderen zionistischen Interessen und dem Palästina-Aufbau gewidmet sein. Neben diesen selbstverständlichen, man könnte sagen, obligatorischen Gegenständen, hat unser Almanach nun schon seit einigen Jahren ein jedesmal wechselndes jüdisches Spezialthema. Vor drei Jahren war es die jüdische Folklore, vor zwei Jahren bot der 50. Geburtstag Max Brods willkommenen Anlaß, sich mit diesem jüdischen »Dichter, Denker und Helfer« zu beschäftigen, der vorjährige Almanach war im besonderen dem jüdischen Witj und der jüdischen Anekdote gewidmet. Im heurigen Almanach ist dieses Spezialthema »Die jüdische Dichtkunst in deutscher Sprache«. Selbstverständlich kann dies nur ein kleiner Ausschnitt sein, in mehrfacher Hinsicht räumlich beschränkt, wie es eben einerseits den Erfordernissen eines Almanachs, der sich an ein breites Publikum wendet und möglichst bunt sein soll, andererseits aber den Interessen eines regional begrenzten Leserkreises entspricht, der eine mehr oder minder lokale Auswahl der Beiträge empfiehlt. Wir glaubten gerade in dieser Zeit zur Wahl dieses Spezialthemas berechtigt und verpflichtet zu sein, in einer Zeit, in der gerade dem jüdischen Dichter deutscher Zunge der Lebens- und Wirkungsraum in grausamer Weise immer mehr beschnitten wird. Daß es ein großes aufnahmsbereites Publikum für diese Autoren gibt, auf jüdischer wie auf nichtjüdischer Seite, steht außer Zweifel. Dennoch hat die politische Lage, der wachsende Völkerhaß, der sich dauernd steigernde Differenzaffekt und die auch im Geistigen immer mehr um sich greifende Autarkie Autor und Publikum von einander getrennt und mit der Zeit auch einander entfremdet. Der tiefe Sinn aller Gleichschaltung ist Ausschaltung. Das gilt für die Juden in ganz besonderem Maße.