Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Ernst Simon marehais »Figaros Hochzeit« und an ihr Echo in Schnitjlcrs »Grünem Kakadu«. Im Theaterwesen Palästinas, das in einer stark aufstrebenden Entwicklung ist, finden sich gewisse Ansätje dazu; wenn auch nicht so sehr bei den ernsten Bühnen »Habimah« und »Obel«, wie bei dem politischen Kabarett des »Matate«. Auch einige neue dramatische Studios, die sich gebildet haben oder im Entstehen sind, zeigen eine zeitnähere Richtung. Gemeinsam ist dem gesamten jüdischen Tbeaterleben Palästinas, das übrigens demnächst im Tel-Avivcr Hause der Habimah seinen natürlichen Konzentrationspunkt bekommen wird, die eine Not, daß ihm der jüdische Stoff, das jüdische Drama, fehlt. Dies aber mag, ähnlich wie das Fehlen einer jüdischen Plastik, so tiefe Ursachen haben, daß eine Wandlung nicht leicht eintreten wird. All diese verschiedenen Erscheinungsformen geistigen Lebens finden sich natürlich nicht in einem politisch oder sozial leeren Raum, sondern stehen unter sehr zwingenden Bedingungen, wie sie ein im schnellsten Tempo besiedeltes Kolonialland eben darbietet. Der ungeheuer beschleunigte Prozeß der kapitalistischen Durchdringung, in dem wir stehen, läßt an und für sich die Kulturfrage als ein Bedürfnis zweiten oder dritten Grades erscheinen. Andrerseits verlangen die aufeinanderstoßenden Gegensätje zwischen alten Traditionswerten und modernen Lebensbedürfnissen, zwischen europäischen Produktions- und Lebensformen und einem zum Teil subtropischen Klima, zwischen zwei Völkern sehr verschiedenen Lebensniveaus — um nur einige zu nennen — dringend eine geistige Besinnung. Diese könnte und müßte klärend und zusammenfassend von der höchsten geistigen Institution des Landes, von der Hebräischen Universität in Jerusalem ausgehen. Betrachten wir nunmehr, im Rahmen der hier dargestellten geistigen und kulturellen Problematik, den Arbeitsplan, den Dr. Magnes aufgestellt hat, so werden wir erkennen, daß er den wichtigsten der drängenden Fragen gerecht zu werden versucht. Wir werden in ihm berücksichtigt finden sowohl die Bedürfnisse des Schulwesens wie die des gesellschaftlichen Lebens einschließlich seines landwirtschaftlichen Unterbaus und seiner technischen Werkzeuge, sowohl die Erwachsenenbildung wie die politische Schulung, sowohl die Schaffung des wissenschaftlichen