Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
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38 Gerda Luft wurde. Daß die Investition stärker war als die Einwanderung, die ihr als Arbeitsmaterial zur Verfügung stand, erhellt daraus, daß noch immer ein gewisser Arbeitermangel in den Gegenden und Gewerben besteht, die nicht durch leichtere Arbeitsbedingungen oder hohe Löhne attraktiv sind, also vor allem in der Landwirtschaft; daß außerdem nicht nur die Anzahl der bei Juden beschäftigten arabischen palästinensischen Arbeiter gestiegen ist, sondern daß auch solche aus den umliegenden Ländern, insbesondere aus dem Chauran, herangezogen wurden. Soweit die wirtschaftlichen Tatsachen. Die politischen Umstände, die sie ergänzen, sind ebenfalls in wenigen Worten zu umreißen. Wie immer in Zeiten wirtschaftlicher Hochspannung, treten politische Themen im öffentlichen Leben Palästinas zur Zeit stark zurück. Viel mag zu diesem politischen Desinteressement weiter Kreise beitragen, daß eben die Zahl der »neuen« im Verhältnis zu den Alten so sehr gestiegen ist und daß daher ein sehr großer Prozentsatz noch gar nicht so weit ist, sich in öffentlichen Angelegenheiten orientieren und Stellung nehmen zu können. Zudem macht das Milieu der größeren Massen, in dem sich heute die jüdische Politik Palästinas abspielt, es nach und nach unmöglich, daß die Mehrzahl — wie das früher der Fall war — sich in politischen Details auskennt und so politisch aktiv wird. Ereignisse entscheidender politischer Bedeutung waren während des letzten Jahres kaum zu verzeichnen. Die Frage des Legislative Council, also der Schaffung einer gewählten Vertretung der palästinensischen Bevölkerung, wurde im letzten Oktober für längere Zeit verschoben. Der arabische Angriff gegen die zionistische Politik zeigte trog aller Propagandareden und Memoranden der einzelnen Gruppen eine gewisse Schwächung und Verwirrung, die in ihrem Kern darauf zurückgeführt werden muß, daß beträchtliche Kreise der palästinensischen Araber an der herrschenden Konjunktur profitieren, teils durch Bodenverkauf, teils durch Arbeit oder Absatj landwirtschaftlicher Produkte. Dagegen ist in letzter Zeit der Ansaß einer noch primitiven aber sieh entwickelnden arabischen Arbeiterbewegung zu spüren, der auf eine neue Differenzierung im arabischen Lager hindeutet. Ein politisches Ereignis, das im öffentlichen Leben der palästinensischen Judenheit besonderes Gewicht hatte, war der Kampf um das Abkommen zwischen Ben-Gurion, dem Führer der Arbeiterschaft, und Jabotinski, dem Haupt der