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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 153

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 153 (sequence 169)
Language
German
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AUS FRANZ KAFKAS KINDERTAGEN 153 gener Abschied von Dir, nur daß er zwar von Dir erzwungen war, aber in der von mir bestimmten Richtung verlief.« Unter demselben Aspekt des Fluchtversuches sieht Kafka in dem »Brief« andere Kreise seines Lebens: Familie, Freundschaft, Judentum, Beruf, schließlich die beiden Ansätze zu einer Eheschließung. »Meine Selbstbewertung war von Dir viel abhängiger als von irgendetwas sonst, etwa von einem äußeren Erfolg . .. Dort, wo ich lebte, war ich verworfen, abgeurteilt, niedergekämpft, und anderswobin mich zu flüchten strengte ich mich zwar äußerst an, aber das war keine Arbeit, denn es handelte sich um Unmögliches, das für meine Kräfte bis auf kleine Ausnahmen unerreichbar war.« Über den Allgemeinzustand seiner Knabenjahre gelangt Kafka hiebei zu folgender niederdrückenden (vielleicht aus der Rückschau und unter dem Eindruck der im Brief hartnäckig festgehaltenen Vater-Konstruktion doch allzu pessimistisch verzeichneten) Charakteristik seiner selbst. Er behauptet, im Gymnasium wenig oder nichts gelernt zu haben (was ich aus intimen Wissen z. B. um seine Griechischkenntnisse, wir lasen an der Hochschule gemeinsam Piaton, bestreiten muß) und fährt dann fort: »Ich hatte, seitdem ich denken kann, solche tiefste Sorgen der geistigen Existenzbehauptung, daß mir alles andere gleichgültig war. Jüdische Gymnasiasten bei uns sind leicht merkwürdig, man findet da das Unwahrscheinlichste, aber meine kalte, kaum verhüllte, unzerstörbare, kindlich hilflose, bis ins Lächerliche gehende, tierisch selbstzufriedene Gleichgültigkeit eines für sich genug, aber kalt phantastischen Kindes habe ich sonst nirgends wieder gefunden, allerdings war sie hier auch der einzige Schutz gegen die Nervenzerstörung durch Angst und Schuldbewußtsein.« Die »Rettungsversuche« werden an ihrer Stelle behandelt werden, allerdings nicht durchaus im Sinne dieses Briefes an den Vater. Nur die Ausführungen über das Judentum als Flucht vor väterlicher Gewalt mögen hier noch Raum finden, da sie Entscheidendes aus den Jugendjahren widergeben und darüber hinaus allgemeine Bedeutung haben, sowohl für die Erkenntnis des Judentums jener Übergangszeit wie für Kafkas spätere religiöse Entwicklung: »Ebenso wenig Rettung vor Dir fand ich im Judentum. Hier wäre ja an sich Rettung denkbar gewesen, aber noch mehr, es wäre denkbar gewesen, daß wir uns beide im Judentum gefunden hätten oder daß wir gar von dort einig ausgegangen wären. Aber was war das für Judentum, das ich von

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