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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 137

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 137 (sequence 149)
Language
German
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SIGMUND FREUD ENTDECKT DAS KIND 137 richtet selbst in der Selbstdarstellung von einem Irrtum, in den er geriet, bevor er die Allgemeingültigkeit des Ödipuskomplexes erkannte. In den Analysen reproduzierten die Patienten und vor allem die Patientinnen Szenen aus ihrer Kindheit, in denen sie verführt worden waren. Bei den Patientinnen war meist der Vater als Verführer erschienen, manchmal ein Oheim oder älterer Bruder. In einigen Fällen reichten diese Erlebnisse wirklich auch noch in Zeiten, die der bewußten Erinnerung voll zugänglich waren. Wenn nun auch die Erlebnisse, die von Kindern als Verführung verstanden werden, viel, viel häufiger sind als sich die erzieherische Umwelt der Erwachsenen eingesteht, so allgemein wie es den Erzählungen der Patientinnen nach schien, konnten die Verführungsszenen unmöglich sein. Die Aufklärung des Irrtums brachte erst die Entdeckung des Ödipuskomplexes. Darunter wird die Tatsache verstanden, daß ungefähr in der Zeit zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr das Kind den andersgeschlechtlichen Elternteil liebend begehrt und den gleichgeschlechtlichen als Störung dieser Liebe empfindet. Die Sehnsucht der Jungen nach der Mutter, der Mädchen nach dem Vater kann nun in jener Zeit, da Phantasie und Wirklichkeit noch nicht so scharf auseinander zu halten sind, so stark sein, daß das Gewünschte als wirklich erlebt reproduziert wird, bzw. wirklich Erlebtes der Wunschphantasie entsprechend gesteigert und übertrieben wird. Erst im Jabre 1905 teilte Freud in seinen drei Abhandlungen zur Sexualtheorie zusammenfassend seine so sehr angefeindete Entdeckung der kindlichen Sexualität mit. Drei Jahre später hatte er Gelegenheit, die Schlüsse, die er aus den Analysen Erwachsener zog, an einem Kinde zu bestätigen. Ein Vater wandte sich wegen der Angst seines Kindes vor der Straße an Freud. Mit Hilfe der Batschläge Freuds gelang es dem Vater, die frühe Angsthysterie seines kleinen .Sohnes zu beseitigen. In den Berichten des Vaters konnte Freud eine direkte Bestätigung seiner Funde erblicken. Nur ein einziges Mal sprach Freud selbst mit diesem Kinde. Erst Freuds Schüler und vor allem Schülerinnen konnten an nun unzähligen Kinderbeobachtungen die Aufstellungen Freuds bestätigen und ergänzen. Etwa vom Jahre 1908 an wurde die kindliche Sexualität an sehr vielen Kindern in direkter Beobachtung erforscht und bestätigt. Der Beginn der psychologischen Forschung fällt in das Jahr 1889, die Veröffentlichung über die kindliche Sexualität in das Jahr 1905. Nach löjähriger intensiver Forschung teilt Freud seine

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