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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 129

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 129 (sequence 141)
Language
German
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DAS JÜDISCHE KIND IM DRITTEN REICH 129 Geschichte und Politik hervor, hängt Stiirmerbilder au», kämpft gegen das Märchen vom sogenannten »anständigen Juden« an, pflanzt allenthalben Haß und Verachtung für den fremdrassigen Schmarotzer in die Kinderseelen: Wenn er das nicht mit großer Uberzeugungskraft und erziehlichem Geschick anfängt, kann sich die beabsichtigte Wirkung nur allzu leicht in ihr Gegenteil verkehren. Wird doch von allen diesen Anklagen gegen das Weltjudentum ein ganz bestimmter, kleiner, auf der hintersten Bank sitzender Judenbengel persönlich getroffen, und kann sich, während er die Fäuste heimlich ballt und verächtlich die Tränen verbeißt, nicht einmal zur Wehr setzen; dem stets hochherzigen deutschen Wesen widerstrebt dies abstoßende Schauspiel, und nicht die Schlechtesten seiner Mitschüler werden gerade dadurch bewogen, innerlich für den Verfolgten Partei zu nehmen.« Mit bitterer Ironie berichtet er, daß manche »christliche Eltern« ihre arischen Kinder aus diesen Schulen abmelden, weil sie sie aus »menschlichen und religiösen Gründen« einer solchen Verhetzung nicht auszusetzen wünschen. Aber stärker als alle diese bewundernswerte Reaktionen anständigen Menschentums ist der nationalsozialistische Staat, der mit brutaler Gewalt seine »Weltanschauung« bis in die letzten Poren des öffentlichen und privaten Lebens preßt. Die alten Lehrer werden durch neue, die bereits durch die Schule der nationalsozialistischen Parteierziehung gegangen sind, ersetzt. Ihnen löst sich die Jutlcnfrage in den Schulen »sozusagen von selbst«. »Der jüdische Schüler wird so in die Rolle des vollkommen überflüssigen Gastes gedrängt. Ausgeschlossen von allen Höhepunkten des Schullebens, Landheim, Wanderfahrt, Theater, Film, Gemeinschaftsempfang, Schulfeiern, sieht er sich auch im täglichen Leben durch eine unüherschreitbare Schranke von allen arischen Kameraden geschieden, er merkt, daß er überhaupt nicht mehr im Unterricht pählt und vorhanden ist. Der Lehrer kann jetzt ohne Scheu und ungeschminkt alles Notwendige offen erörtern, ja selbst wo er nur andeutet, trifft sein Blick nicht mehr entschuldigend das Judenkind, sondern er liest in den Augen seiner deutschen Schüler Zustimmung und Begeisterung, auch ohne, daß es vieler Worte bedarf. Es ist großartig, wie gerade der kleine Pimf (Mitglied der Hitlerjugend; Anm. d. Verf.) hier viel sicherer und taktvoller das einzig richtige Verhältnis herausfühlt, als viele verwildete Erwachsene.« Staat und Schule wirken nun an der Formung dieser neuen Generation systematisch weiter. Antisemitismus auf der Straße, Antisemitismus im Rundfunk, Antisemitismus in den Zeitungen, Antisemitismus vom Katheder, Antisemitismus im Schulbuch. In dem Rechenbuch »Zahlen für den Rechenunterricht.

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