Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 135)
- Language
- German
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AUS UNSERER KINDER MUNDE 125 Wasser. Aber es ist bereits Zeit nach Hause zu gelten. Alle sind sie meinein Rufe folgend, bereits am Ufer, nur die kleine Schulamit taucht immer wieder unter, 'prustet, pantscht und macht »Spritj«. Ich sage nochmals zu ihr: »Komm, du wirst dich verkühlen, du bist schon so lange darin und das Wasser ist kalt.« Sie aber sagt: »Nein, nur aus der Ferne scheint das Wasser kalt« und seelenruhig taucht sie wieder unter. Wieder Heuschreckenzeit. Des Abends sitjen wir mit unserem damals sechsjährigen Jungen am Sopha, und er erzählt uns von den Erlebnissen des Tages. Er ist mit einer Blechbüchse aufs Feld gegangen und hat, gemeinsam mit den Großen, die Heuschrecken durch Lärm verjagt. Er hat sie in die Blechbüchse dann gestopft und in der Erde vergraben. Und plötjlich, so mitten im Erzählen, so wie nebenbei, sagt er: »Aber mit Salz schmecken sie besser, als ohne Salz.« Er hat sie, gemeinsam mit noch zwei Altersgenossen, also auch gegessen. Ich erzähle das Märchen vom Rotkäppchen. Als ich zu der dynamischen Stelle komme: »Und der Wolf verschluckte die Großmutter«, geht ein Sturm der Empörung durch den kleinen Kreis. Sie schimpfen den Wolf. Rachel kann sich nicht zurückhalten und sie sagt: »Bis der Messias kommen wird und ich werde dem Wolf im Himmel begegnen, werde ich ihn umbringen. Erschlagen.« Da lächelt Nira ein philosophisches Lächeln und sagt langsam: »So ein Dummerl, wenn der Messias kommen wird, dann wird der Wolf schon keine Schlechtigkeiten machen.« Jonathan und Assaf sprechen von Leben und Tod. Assaf, der kleinere fragt bei Jonathan: »Und wenn wir groß werden und zu Menschen heranwachsen, müssen wir dann auch sterben? Jonathan, der Ältere, bekräftigt: »Ja, ja.« Da weiten sieh die großen, graugrünen Augen des kleinen, verträumten Assaf, er versinkt ein wenig in Gedanken und prägt dann folgenden, tief philosophischen Saß: »Dann wird man ja umsonst geboren!«