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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 115

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 115 (sequence 125)
Language
German
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DAN IN DER FREMDE 115 Jahr um Jahr eine brennende Sehnsucht nach — Wald. Nicht nach den Genüssen der Großstadt sehne ich mich, nicht nach Kunst und Musik, aber nach dem satten Grün der böhmischen Wälder und nach dem dunklen Rauschen der Baumwipfel, nach der tiefen Ruhe der Wälder und dem hellen, leuchtenden Grün des Rasens, weichen Moos und saftigen Halden. Ich denke, an dieser Sehnsucht wird wohl mein Wesen trot} Heimatliebe und Heimatbegeisterung immer und immer wieder kranken, den Geruch jener Natur, in welcher das Kind aufgewachsen ist, wird der alternde Mensch immer und immer wieder zwischen den lieblichen, trockenen Bergen Galiläas vermissen .. . So ist es nun einmal — wir können nichts gegen uns selber tun. Und deshalb ist dies wohl kein Wunder, wenn ich sehr viel von Wald und Bäumen, von Moos und grünen Wiesen dem kleinen Dan erzählte und vielleicht ist auch dies zu verstehen, daß ich in ihm Liebe und Begeisterung zu Wald und Wiese erwecken wollte. Wie unrichtig es aber war, wie unnatürlich, das hat er mir selber bewiesen, das hat er mich mit seinen naiven Worten gelehrt. .. Nun kam der für mich ersehnte Augenblick. Wir schritten den Bergabhang empor zu dem Nadelwald, dem mein Herz entgegenflog. Zitternd fast hielt ich Dans Hand in meiner und erzählte ihm nochmals vom Wald. Er pflückte unterwegs einige Blumen und verglich sie mit jenen von daheim. Als wir in den Schatten der ersten Fichten und Tannen kamen, sah der Junge nur die Stämme, er hob nicht den Kopf, ging geradeaus und fragte mich ein wenig düster: »Was sind das für Stecken hier, einer neben dem anderen?« Ich hob seinen Kopf in die Höhe und wies ihm die grünen Wipfel und sagte: »Das ist der Wald, aus lauter Bäumen und das sind die Stämme der vielen Bäume.« Dann fanden wir uns ein weiches, grünes Plätjchen und ich streckte mich — ich schäme mich nicht es zu sagen — ich streckte mich tief erregt in dem Moos aus und machte einige lange Atemzüge, um den Nadelgeruch in mich einzusaugen. Dann schloß ich die Augen und lauschte dem Rauschen. Dan tat dasselbe, auch er streckte sich im Moos aus, kreuzte seine Arme unter dem Kopf und blickte nach oben .. . Einige Augenblicke verharrte er in dieser Lage und ließ mich in der irrtümlichen Meinung, daß auch er sieb mit seiner kindlichen Seele dem Zauber des Waldes hingebe. Plötjlich aber sprang er auf. Hin war seine Ruhe, seine Stirne war in Falten gelegt und mit hochgezogenen,

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