Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 71)
- Language
- German
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BEN!': ISRAEL 65 terspraehe der Kinder als Unterrichtssprache verwendet werden soll. (Eine wahre »Entdeckung« in einer Zeit, in der z. B. die Priester Latein als Unterrichtssprache gebrauchten und offenbar auch jüdische Lehrer vielfach einer den ihnen anvertrauten Kindern schwer verständlichen Sprache sich bedienten.) Hingegen kehrt der große italienische Kabbaiist Mosche Chajjim Luzatto zu den »spartanischen« Erziehungsmitteln der »Sprüche Salomos« im vollen Wortlaut zurück, da er in einem gewissen Gegensat? zu unserer öffentlichen Meinung — aber in eigentümlicher Ubereinstimmung mit den Ergebnissen der modernen Psychoanalyse Freuds — das Kind als durch und durch von bösen Trieben beherrscht ansieht, denen lediglich durch größte Strenge beizukommen sei:;'). Nicht etwa im fünfzehnten Lebensjahr -— wie es der Talmud selbst fordert (Aboth V, 24) — sondern vielfach bereits im fünften oder sechsten, ja noch früher, beginnt der eigentliche Talmudunterricht. Denn wundersam nachhaltig ist die Wirkung der »Girssa de-jankutha«, des in früher Jugend Erlernten, und »wer noch als Kind lernt, der gleicht demjenigen, der auf ein unbeschriebenes Papierblatt zeichnet (Aboth IV, 25)«. Jäh beginnt man also die Geheimkammern des Talmuds vor dem jüdischen Kinde zu öffnen. Unermeßliche Schätze sieht es da, »Brot für Knaben, öl für Greise, Honig für Kinder! .. . (nach Joma, 75 b)«, Schätje, die es vielleicht erst als erwachsener Mann wird einmal verwerten können. Aber schon lächelt ihm da mitunter auch manche schöne Perle entgegen, die ihm, nur ibm, dem jüdischen Kinde, gilt. So macht es hier bald (Sabbath 104 a) mit jenen kleinen Kindern Bekanntschaft, die in das Lehrhaus kommen und Geheimnisse offenbaren, wie dergleichen seit den Tagen Josuas nicht gehört worden sind! Und dann wird es wiederum des prophetischen Geistes teilhaft, der seit der Tempelzerstörung den Propheten entzogen und den braven Kindern beschert wurde (Baba B, 12 b). Aber seinen besten Kameraden findet es in seinem pfiffigen Altersgenossen, der einst den Rabbi Jehoschua ben Chalfta auf den »langen aber kurzen«. Weg in die Stadt — sagen wir gleich nach Jerusalem — schickt, und der dann für seine *) Siehe in meiner »Erotik der Kabbalah«, Prag 1923.