Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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34 FELIX WELTSCH densteii Formen, insbesondere in der alten Frage: religiöse oder nationale Erziehung? Ja, dieses Problem dringt bis in die Methodik des Unterrichtes ein: Hier der Cheder mit seiner alten und so erfolgreichen Unterrichtstradition, dort die moderne Schule mit allen Errungenschaften der neuen Pädagogik. Im Cheder Einseitigkeit, Mechanik, Intensität und ein ungeheueres Vertrauen in die Selbstentwicklung des Kindes, welches, wenn Verstand und Auffassungsgabe in ihm reifen, sich bereits im Besitze eines ungeheueren Gedächtnisschatzes befindet, dort in der modernen Schule Vielseitigkeit, Ausbildung von Körper, Gefühl und Geist, höchst ökonomisch den gewaltigen Stoff der jeweiligen Reife des Kindes anpassend, — das sind die zwei Wege jüdischer Pädagogik. Wie kann man die Vorteile der beiden vereinen, ihre Nachteile gegeneinander aufheben? Eine ungelöste Frage. Und so wie das Problem Religion und Nation sich im Kindesleben in seiner Weise formt, so ist es mit allen übrigen großen Fragen unserer Zeit: Kollektivismus und Individualismus; (wer denkt nicht an das Leben der Kinder in der Kwuzah?), die Fragen: Stadt und Land, Geist und. Natur, Heimat und Fremde, der Einzelne und die Gesellschaft, Schule und Selbststudium. Überall Fragen und Probleme; und überall Gegensätze; Juden und Araber: das aschkenasische und das sephardische Kind, (in unseren Bildern insbesondere deutlich zu erkennen) und der große erschütternde und beglückende Unterschied zwischen dem jüdischen Kind in Deutschland und dem jüdischen Kind in Palästina. Wir haben hier nur ganz zufällig einige dieser Probleme gestreift, welche in den folgenden Aufsätzen — nicht etwa behandelt, sondern bloß berührt, gestreift werden, daß sie im Leser erklingen und ihn zum Nachdenken reizen. Denn ein Almanach ist keine Sammelschrift gelehrter Abhandlungen. Er soll unterhalten, erfreuen und anregen — aber im Hintergrunde mag man die großen Fragen spüren. Wir haben auch eine Reihe charakteristischer Kindheitserinnerungen bedeutender Persönlichkeiten eingestreut, welche den Darstellungen und Problemen die feine Farbe der Erinnerung verleihen. Und wir haben diesmal, von der Lieblichkeit des Themas verführt, den Almanach in reicher Weise mit Bildern ausgestattet, die unsere Leser erfreuen mögen. Wir wünschen ihnen allen ein gutes neues Jahr. Felix Weltsch.