Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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33 ZUM GELEIT Der Almanach des heurigen Jahres ist — nebst dem üblichen Kalendarium und der ebenfalls üblichen Rückschau über ein Jahr voll schwieriger Ereignisse — einem speziellen Thema gewidmet: Dem jüdischen Kind. Warum haben wir gerade diese Themen-Wahl getroffen? Warum sprechen wir nach diesem Jahr voll von Leiden und Gefahren vom jüdischen Kind? Warum wählen wir in dieser sorgenvollen düsteren Zeit ein so harmloses lichtes Thema? Die Frage gibt selbst die Antwort. Gerade in dieser Zeit, deren Erleben bitter und böse ist, wollen wir uns einem freundlichen Winkel des Lebens zuwenden: Der Kindheit. Gerade in dieser Zeit, die wir mit gutem Grund eine historische nennen, lenken wir unseren Blick auf diese intime Sphäre des Menseben, auf das Erleben der Kindheit Warum? Weil dies der natürlichste und wahrhafteste Trost ist, den das Leben uns bietet. Ein Blick auf das Kind belehrt uns, wie ungebrochen die Kraft des Werdens in uns, in unserem Volke, in der Menschheit ist — trotz all des Chaotischen, das uns heute umbrandet. So wie im Frühling die Blumen sprießen und die Bäume sich belauben, unbekümmert um Gift und Haß, die die Menschen-Welt durchziehen, so werden Kinder geboren, wachsen lebensfroh und lebensmunter, in naiver Sicherheit, ungesehwächt durch all unsere Leiden, unbeirrt durch alles Böse, ungestört durch das Grauen unserer Tage. Sie wachsen und reifen vor unseren Augen, wie ein Gruß aus einer besseren Welt, als ewige Erneuerung der Geschlechter, als immer neuer unermüdlicher Versuch der Natur, es besser zu machen, als immer neue Gelegenheit, die der Schöpfer unermüdlich dem Menschengeschlecht gibt,... es besser zu machen. Darum scheint es, hat es einen guten Grund, sich in unserer Zeit durch einen Blick auf die Kindergesichter, welche uns aus diesem Almanach anschauen, zu trösten. Das jüdische Kind ist uns aber nicht nur ein Trost, es ist auch ein Problem. Alle Fragen unseres Erwachsenen- Lebens spiegeln sich nämlich in zarterer, aber nicht weniger ernster Form im Leben des jüdischen Kindes wieder. Unser jüdisch-soziologisches Urproblem: Religion-Nation finden wir deutlich in den Erziehungsfragen wieder; in den verscliie-