Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 202)
- Language
- German
- Belongs to
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200 spiel. — Während das Turnen darauf ausging, von möglichst Vielen aktiv betrieben, d. h. Massensport im wahrsten Sinne des Wortes, zu werden, beschäftigte sich der jüdische Fussballsport vom Anbeginn seiner Tätigkeit an damit, den Beweis zu erbringen, dass es auch Juden möglich ist, trotz ihrer oftmals angezweifelten Körperkraft und Geschicklichkeit, eine Mannschaft von erstklassiger Spielstärke hervorzubringen. Beide Vorsätze können als vollkommen geglückt bezeichnet werden. Die Turnbewegung, heute im Rahmen des Makkabiweltverbandes zusammengefasst, hat sich wirklich von Mann zu Mann, von Gruppe zu Gruppe, besonders in der Nachkriegszeit verbreitet und so haben wir heute in allen grösseren Städten der alten und neuen Welt Turnvereine, in denen, um mit einem Worte Dr. Theodor H e r z 1 s zu sprechen, „Judenjungen zu jungen Juden" erzogen werden, wo ihnen Kraft und Körperschönheit, aber auch Nationalstolz und Volksbewusstsein eingepflanzt werden. Der jüdische Fussballsport verdankt seinen Aufstieg vor allem der in der Hochburg des Antisemitismus gross und berühmt gewordenen Wiener „Hakoah". Im Jahre 1909 gründeten einige junge Wiener Studenten diesen Verein, der es in seiner nunmehr zwanzigjährigen Tätigkeit zu grösstem sportlichen Ruhme gebracht hat. Es ist wohl richtig, dass der Ruf und die Ehre einer Nation nicht von dem Ergebnis eines Fussballspieles abhängen, es ist aber auch weiterhin richtig, dass die Wiener Hakoah, der es vor einigen Jahren gelungen war.die österreichische Meisterschaft zu erringen, auf ihrem Siegeszug durch Polen von der dortigen jüdischen Bevölkerung als das Symbol jüdischer Kraft und Stärke enthusiastisch gefeiert wurde. Als es derselben Hakoahmannschaft etwas später sogar gelang, einen der besten englischen Professional - Fussballklubs „Westham United" in London selbst 3 : Ö zu besiegen, griff der Begeisterungsjubel auch ins nichtjüdische Lager über, alle Vorurteile über jüdische körperliche Ungeschicklichkeit und Schwäche waren beseitigt, man sprach bereits in ganz Europa und teilweise auch in Amerika