Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 177)
- Language
- German
- Belongs to
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175 dringen und im Ursprung das Jüdische offenbaren. Das Mutterbildnis eines ganz Jungen, noch unbekümmerten, fast spielerischen Talentes au3 Westdeutschland, Felix Nussbaums, schliesse diese Reihe, die zwar Auswahl, aber symptomatisch ist: selbst in diesem heiteren unproblematischen Bild, das kaum eine ausgesprochene jüdische Physiognomie zeigt, geht ein Blick von den Augen, klingt ein Ernst auf, den man sonst kaum in den Bildern dieses Künstlers sieht, die Sprache des Blutes. Die Sprache des Blutes wird lebendig, seelische Gemeinsamkeit treten ins Bild. Bekenntnisse tun sich kund, Wesenverbundenheiten leuchten auf, wenn jüdische Künstler ihre Eltern malen. In jedem Atelier hatte ich, wenn ich diese Bilder sah, das gleiche Erlebnis, fühlte ich diese Beziehung zwischen Schaffen und Judentum. — Eine Beziehung, die, wie gesagt, nicht etwa auf „Jüdische Kunst" schliessen lässt, die aber diesen Elternbildern jüdischer Künstler eine jüdische Prägung, eine besondere Wirkung gibt: die Wirkung eines lebendigen Judentums, das mit wun- , derbarer Kraft fortlebt von Geschlecht zu Geschlecht. Felix Nussbaum: Bildnis meiner Mutter. K. Harald Isenstein: Bronzeschmuck am Grabstein der Eltern des Künstlers.