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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 166

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 166 (sequence 168)
Language
German
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166 und Heiligkeit. Auch die Völker haben ihre religiösen Bekenner — Israels Gebete aber sind wirksamer und trotz aller schrecklicher Verfallserscheinungen stehen auch heute jeden Tag, Myriaden von Jehudim sich beugend und sich bückend in der Richtung, wo einst das Beth Hamikdasch stand. Wenn man mich nun fragt, was von der sogenannten jüdischen Kunst, Literatur und Musik zu halten sei, so bleibt mir nichts übrig, als zu antworten, dass dies alles vortrefflich ist, wenn diejenigen, welche diese Künste ausüben, ihr Brot verdienen damit. Wenn ich aber sehe, dass trotz alles jüdischen Kulturbetriebes der Sabbath unter heutigen Juden missachtet, jegliche jüdische Vorschrift und alle Gebote verlacht werden, die Kinder religionslos erzogen und das Leben in jeder Hinsicht nach Heidenart eingerichtet wird, dann frage ich mich, welchen Wert diese sogenannte jüdische Kunst hat und ob sie mehr ist als blosser Betrieb oder scheinheiliger Plunder. Und oö ich auch selber als Maler und Feuilletonist meine Tage vergeude, anstatt als Kaufmann oder Händler ehrlich meinen Lebensunterhalt zu verdienen, wie soviele Juden, so lege ich jenen Eitelkeiten immerhin keine allzu grosse Bedeutung bei. Denn als Händler oder Kaufmann kann man dem Judentum mit ungeteiltem Herzen sich widmen; als Künstler oder Dichter aber wird man leicht genug abgedrängt und dient dann nicht mit ganzem Herzen, weil einem jene Schnurrpfeifereien immer wieder das halbe Herz fortnehmen, die Sinne und das bischen Verstand. Lasst uns ein wenig auf Einzelheiten eingehen, indem wir dieses Kleinod liebend betrachten. Wir wollen den Sabbathtag rühmen, er ist ein ausgezeichneter Tag: Gott hat ihn eingesetzt, und wirklich, wer ihm Treue bewahrt, den ergreift bei seinem Nahen etwas seltsam Besänftigendes, ein sonderlicher Friede, der ihn nicht verlassen mag den ganzen Tag, der, wahrlich, keine Einbildung ist, sondern fühlbar uns umfängt mit all seiner Sabbathmacht. Die Tefillah wird mit ganz anderer Weihe, in ganz anderer Leichtheit und Heiterkeit gesagt als Wochentags. Die Kerzen leuchten wundersamer als jedes andere Licht.

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