Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 148)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Seine erste bedeutsame Münzstätte fand er in jener „christlich-deutschen Tischgesellschaft", die von preussischen Junkern zum 18. Januar 1811 in Berlin gestiftet ward. Unweigerlich schlössen ihre Statuten Philister und Juden aus. Aber nicht nur hatte diese Vereinigung den privaten Zweck, sich judenrein zu erhalten, sie beseelte auch der politische Ehrgeiz, in Öffentlichkeit der fortschreitenden Judenemanzipation entgegenzuwirken. Anlass dazu ergab sich bald: am 11. März 1812 erliess der preussische Staatskanzler Hardenberg das „Edikt, betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden", Haupt und Sprecher der judenfeindlichen Tischgesellschaft war der Dichter Ludwig Achim von Arnim. Er hatte, wie alle märkischen Grundbesitzer, durch die unaufhörlichen Kriege und Kriegslasten schwer gelitten, war dergestalt in die Hände jüdischer Geldleiher geraten und verbiss sich aus so unsachlichen Gründen in einen blindwütigen Semitenhass, dem weder Logik noch Ethik die Grenze wiesen. Bezeichnend dafür ist ein Vorfall, der den sonst so sympathischen und schätzenswerten Poeten zum dämlichen Ahnherrn einer gerade heute wieder üblichen nationalistischen Roheit macht. Ein junger Jude, Moritz Itzig, mit oder ohne Grund sich beleidigt glaubend, übersendet dem Baron eine Forderung; Arnim lehnte ab mit der Begründung, dass es für ihn zu schimpflich wäre, sich mit einem Juden zu schlagen, und begleitet diese Antwort noch mit andern, in jedem Fall unnötigen Schmähungen. Als darauf Itzig mit Brachialgewalt seine Genugtuung nahm, übergab ihn der unedle Gegner den Gerichten ... Es soll nicht verschwiegen sein, dass Arnims eigene Standesgenossen solches Verfahren höchlich missbilligten. Und wie sonderbar nimmt sich die Geschichte erst aus, wenn wir neben den gekränkten Juden, der im Jahr. 1813, seine höchste Bürgerpflicht erfüllend, bei Lützen gefallen ist, den hochmütigen Beleidiger stellen, den der überlaut bekannte deutschchristliche Patriotismus nicht gehindert hat, dem grossen Volkskriege fern zu bleiben (Vgl. meine Studie „Achim von Arnim und der Krieg" im „Berliner