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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 102

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 102 (sequence 104)
Language
German
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102 Ägypten, zu verzeichnen. Ein Konflikt, der sich durcli beinahe 48 Jahre hinzog und in den letzten zehn Jahren eine scharfe Form angenommen hatte, geht seiner Lösung entgegen. Noch vor wenigen Jahren erschien die anglo-ägyptische Frage unlösbar. Der letzte britische Hochkommissär Lord Lloyd tat alles, was in seinen Kräften lag, um eine freie Entwicklung Ägyptens auf dem Wege zu seiner nationalen Unabhängigkeit zu unterbinden. Sein Verhalten erbitterte die Ägypter und schürte den Konflikt. Seit Mitte 1923 war das parlamentarische verfassungsmässige Leben Ägyptens durch eine Diktatur ausser Kraft gesetzt. In der kurzen Geschichte des parlamentarischen Ägyptens war dieser Versuch der Rückkehr zu den Zeiten vor dem Weltkriege nicht der erste. Er ist ebenso missglückt wie die vorhergehenden. Er wird voraussichtlich der letzte sein. Mohammed Mahmud Pascha, der Diktator, hatte im Spätsommer dieses Jahres in London einen Vertragsentwurf von der britischen Regierung erhalten. England wusste wohl, dass nur ein Parlament und die unzweifelhafte überwiegende parlamentarische Mehrheit, die der Wafd repräsentiert, einen Vertrag schliessen könne, der Aussicht auf Geltung und Dauer hat. Lord Lloyd wurde abberufen, Mohammed Mahmud trat zurück,, ein Übergangsministerium wurde gebildet, Wahlen für das Parlament ausgeschrieben, das am 11. Januar 1930 zusammengetreten ist. Es wird zweifellos den anglo-ägyptischen Vertrag nach Durchführung der Verhandlungen Mustafa Nahas abschliessen. Nichts ist für den Wandel des letzten Jahres im Vorderen. Orient so bezeichnend wie der vollständige Umschwung, der in den ägyptischen politischen Kreisen und im ägyptischen Volke Grossbritannien gegenüber eingetreten ist. An die Stelle von Bitterkeit und verhaltener Revolte trat eine freundschaftliche Atmosphäre, die berechtigte Hoffnung für eine anglo-ägyptische Kooperation eröffnet, die für das kommende, sich vorbereitende neue Verhältnis der orientalischen und occidentalen Völker von vorbildlicher Bedeutung sein kann. —«»—

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