Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
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49 Missverhältnis dazu stehen. Vereinzelt wurden auch. Stimmen laut, die eine völlige Neuorientierung der zionistischen Politik, Abkehr von England und Anlehnung an andere Mächte befürworteten. So weit ist bisher die offizielle Führung der Jewish Agency nicht gegangen, doch haben sich die Beziehungen zwischen der Exekutive und der englischen Regierung sehr verschlechtert. Angesichts dieser Situation wurde beschlossen, einen Zionistenkongress noch in diesem Jahre abzuhalten. Der Gegenspieler des Zionismus, die palästinensischen Araber, haben seit den Augustunruhen ihre politische Aktion konsequent weitergeführt und es wäre unrichtig, sich zu verhehlen, dass die hier geschilderten zionistischen Rückschläge nur die Konsequenzen einer Entwicklung sind, die unter ständigem arabischen Druck vonstatten ging. Die Araber haben es verstanden, die öffentliche Meinung der Welt in hohem Masse für sich zu gewinnen, vor allem auch die in Palästina wohnenden Engländer und Europäer zu beeinflussen. Sie haben ferner, unter geschickter Ausnützung der Klagemauer-Konflikte, die Moslems der ganzen Welt für Palästina zu interessieren vermocht. Als wichtigste dieser Faktoren sind die indischen Mohammedaner anzusehen, die in einer Reihe von Kundgebungen gegen die Unterdrückung der palästinensischen Araber durch die pro-zionistische Haltung Englands Stellung nahmen und die Aufhebung der Balfour-Deklaration forderten. Mit Rücksicht auf die Krise in Indien hatten diese Proteste der indischen Moslems in England besonderes Gewicht. Im März ging eine arabische Delegation aus Palästina nach London, unter der Führung von Musa Kazim Pascha, die auch den Mufti von Jerusalem sowie den Jerusalemer Bürgermeister Naschaschibi umfasste. Die Delegation stellte in den Mittelpunkt der Verhandlungen mit der englischen Regierung die Forderung parlamentarischdemokratischer Institutionen, wie sie in Iraq und Transjordanien bereits bestehen. Da zur Zeit der Ankunft der Delegation der Bericht der Shaw-Kommission erschien, erhob die Delegation, gestützt auf die Feststellungen des Berichtes, als weitere Hauptfor-