Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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42 die Altstadt wälzte, war der Stein ins Rollen gekommen und das Unglück nicht mehr aufzuhalten. Die Bewertungen der Ereignisse gingen von Anfang an sehr auseinander. Manche glauben, dass es sich nur um den Uberfall von Banden handelt, deren Mordlust und Raublust durch Anstachelung des religiösen Fanatismus geweckt worden war; andere wieder sind der Meinung, dass die Ereignisse politisch gewertet werden müssen als eine teilweise nationale Erhebung der Araber, die alle Merkmale grausamer Kolonialaufstände an sich trägt. Sicher ist, dass nicht alle Araber an den Überfällen beteiligt waren. Die hebräischen Zeitungen vermochten eine grosse Zahl von Beispielen anzuführen, wo arabische Nachbarn Juden geschützt und sogar verteidigt haben. Die Gebiete der neuen jüdischen Siedlung, insbesondere in Galiläa, blieben relativ verschont. Während also die Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass der Angriff vorbereitet war, so war er doch nicht genügend organisiert, um wirklich alle Araber zu umfassen. Auch die Araber der Nachbarländer haben nicht ernstlich eingegriffen. Der Oberkommissär, Sir John Chancellor, kehrte wegen der Unruhen von seinem Urlaub mit Beschleunigung zurück und erliess am 1. September eine Proklamation, worin er seinem Abscheu über die grauenvollen Taten und die „an schutzlosen Angehörigen der jüdischen Bevölkerung begangenen Morde" ausspricht. Der Oberkommissär erklärt auch, dass nach diesen Vorgängen die Verhandlungen über konstitutionelle Veränderungen in Palästina, die er in London geführt hatte, abgebrochen werden müssen. Zwei Tage später hat der High Commissioner diese Erklärung etwas abgeschwächt, indem er sagte, er wolle nicht einen Teil der Bevölkerung einseitig beschuldigen, sondern die palästinensischen Gerichte, besetzt mit britischen Richtern, würden über die begangenen Greueltaten, die von beiden Seiten vorgekommen sind, zu urteilen haben. Die arabische Exekutive veröffentlichte eine scharfe Gegenerklärung gegen die Proklamation vom 1. September. Als Antwort auf diese Proklamation werden die Araber zu einer nationalen Einheitsfront aufgerufen. Als kurz