Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 224)
- Language
- German
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Heß sagt einmal: „Je jüdischer, d. h. je humanitärer die heidnische Welt wurde, desto mehr konnten sich die Juden an der Kultur dieser zum Besseren fortschreitenden Welt beteiligen". Tatsächlich drängt sich dieser Gesichtspunkt auf> wenn wir jene Zeit ins Auge fassen, da der europäische — vor allem der deutsche — Geist eine so hohe, humane Stufe für kurze Zeit innegehabt: die Zeit Lessings bis Hegels. Jene Zeit, die nicht umsonst so ungeheuer, so suggestiv assimilierend auf die geistige Judenheit ge' wirkt hat . . . So ist es auch kein Zufall, daß die Hegel'sche Bot' schaff von der slufenweisen Entwicklung des Weltgeistes gerade bei den Juden so begeisterten Anklang fand' Marx, Lassalle und Heß — sie alle fußen gleichermaße11 auf dieser wahlverwandten Lehre, der schon Heine Qe' huldigt hatte. Der Optimismus ihrer einlachen, antitheti' sehen Dialektik — an sich jüdischer Denkform im tief' sten gemäß — eröffnete grenzenlose Zukunftsperspektiven- Und so gingen sie über den Meister hinaus. Heß fühlt, daP es Halbheit, ja Feigheit wäre, gleich Hegel sich bei"1 bisher Gewordenem zu beruhigen. Mitwirken an der weiteren Entwickelung des Weltgeistes — nicht nur dessen Geschöpf, auch selbst Schöpfer sein — darauf käme e? an. So lehrt er seine „Religion der Tat". Nun — revolutionärer Tatwille als Konsequenz der* selben Lehre, die zur reaktionärsten Staatsfrömmelei 0e führt: das ist immerhin ein starkes Stück. Aber es vVÖ' echt Heß, war Fleisch von seinem Fleische. Ähnlicn belebt später der junge Lassalle das unverständlich Dunkel Heraklits aufs neue, erfüllt ihn mit Blut von seine111 heißen Blute — und erkennt das Gesetz ewigen Werden5' ewigen Glühens in ihm . . . Instinktiv, unbewußt geht den jungen Juden jene Tage der Sinn ihres eigenen Werdens im wesensvef 204