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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 220

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 220 (sequence 222)
Language
German
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Heß lange Zeit mii rührender Demut verehrten Freunde. War es längst vor dem „Kommunistischen Manifest". Reiner als bei anderen ist es an Moses Heß ersichtlich, daß nicht der Haß des Besitzlosen — er war nicht mittel' los — nicht Neid gegenüber den Herrschenden — er war, ungleich Lassalle, keine Herrschernatur — dal.5 auch nicht schneidend-scharfer, die Zukunft durchdringender Intellekt wie bei Marx und Engels die Triebfeder seiner revolutionären Haltung waren. Bei ihm stammt alles aus dem primären, eingeborenen Grundgefühl jüdischer Zukunftsgläubigkeit. Er sucht den Sinn in der Weltgeschichte, die Einheit, die noch nicht ist — oder doch nur im Organischen („Schöpfungssnbbat") — doch die erst werden muß iW Sozialen (.Geschichtssabbat"). Das messianische Weltbild der Propheten ist es, aus dem sein gläubiger Sozialismus erwächst — ebenso, wie späterhin sein Zionismus, . dessen frühester philosophischer Verkünder er wird. „Den zukünftigen soziale11 Schöpfungen liegt das national-humanitäre Wesen der jüdischen Geschichtsreligion als Keim zu Grunde." Ihm sind Sozialismus und Judentum nicht Gegen' sätze, er findet sie vielmehr in der Wurzel indenlisch- Die messianische Hoffnung auf Vollendung in der Zukunft ist ihm die „Seele des Judentums" wie der Revo' lution. Wir finden von hier aus den Weg zum beseelte11 Sozialismus eines Landauer, Toller, Karl Kraus. Es is' eine Linie. Nur daß nicht alle sich ihrer „Elemente" s° bewußt geworden sind wie Moses Hell Freilich können wir nicht übersehen,. daß dem füf Heß so charakteristischen Glauben an ein der Mensch' heit immanentes Gesetz ewigen Fortschreitens un<> Werdens, das am stärksten in der Geschichte des Juden' tums offenbart sei, die „Heilslehre" jener Tage weit en*' gegenkam: die Hegel'sche Philosophie. 202

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