Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 187)
- Language
- German
- Belongs to
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über See gegangen, um sich im fernsten Westen, bis im Kalifornischen, am neuen Lebensgeiste zu erfrischen, sondern in Wien hat sich auch die stärkste jüdische Kerntruppe der neuen Bewegung gebildet. Das ist der Kreis um Oskar Strnad, dem heute — um nur die Namhaftesten zu nenneh — Frank, Gorge, Wlach, Grünberger, Lurje, Neubrunn, die Brüder Berger, Karl Hofmann, und Sobotka angehören. Jeder eine klar geschlossene Persönlichkeit, aber alle eingeschworen auf die gemeinsamen Grundlagen und Ziele. Derin hier gilt nicht die selbslherrlich ausschweifende Künstlerschaft, sondern nur die Selbstzucht im Dienste des Lebens. Seinen einfachen Sinn erkennen, ihn mit Maß und Zahl zu prüfen, seine Ordnung Im Räume zu finden, heißt hier bauen. Aller tische Ballast wird abgeworfen, der prunkende Stuck der Fassade, der Talmimarmor des Stiegenhauses, das schwerfällige oder überflüssige Möbel und allerhand andere Spießbürgerlichkeit müssen daran glauben. Der sentimentalen Schwärmerei, dem Halbschlächtigen und der Unvernunft wird kein Pardon gegeben, unsere Lebenslüge *ird radikal demaskiert. Was bleibt, ist kein Palast und auch sonst nichts, womit man Staat machen könnte. Sondern nur ein durchschnittliches, durchsichtiges Gehäuse •ttit Räumen, in denen es sich gut wirtschaften und lohnen läßt. Also Typen, die dem Betrachter nicht viel SQgen, wohl aber dem Benutzer. Denn der wird, wenn er nur erst eine Zeit gebrauch! hat, von ihnen auf Wahr- Mt, Anstand und Charakter, auf die Harmonie mit seiner ^umlichen Umwell gebracht. Er wird sehr bald mit seinem '|nuse „aufs Reine" kommen und nachdem er einmal den etlichen Rhythmus, den es spendet, richtig empfanden "at> endlich auch schön finden, was ihm ursprünglich nur 9Ut erschienen ist. Diese Kunst, die keine sein will, braudien wir heute ftlt> allermeisten. Nur durch sie kann das Aufbauwerk im 171