Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 178)
- Language
- German
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saunen nicht zur Seite, stützen das Kinn auf das goldene Mundstück der silbernen Tuben, die sie vor sich auf' stellen, und lauschen geduldig ins Städtl hinab. Bald isf das Sabbathmahl beendet, bald klingen die letzten Semiroth-Lieder von müden, niedlichen Lippe"' bald sind auch die Treuesien beim frommen SingsanJJ eingenickt, und kaum ist es still geworden in den vef drückten Gassen, erheben sich frohgemut die Scharen der Cherubim von den unendlichen Stufen, greifen helle Ak' korde auf den Sailenspielen, stoßen mit vollen Backe" in die Posaunen, wenden sie thronwärts und ein starkes Lied umfängt Gottes Herrlichkeit. Heute aber kauern die Engel trübselig auf den u"' endlichen Stufen, hüllen sich in die weiten, weißen F"' tiche und lassen trauernd die Köpfe hängen. In dieser Nacht ist nicht zu erwarten, daß die Che* rubim gleichsam nur eine Orcheslerpause werden feief" können, wie allwöchentlich beim Einzug der Prinzess"1 Sabbat. Heute heißt's Harfen und Posaunen zur Sei^ legen und die heilige Freude des himmlischen Musl zierens bitter entbehren, bis das Morgenrot keimt. Denn Simchas-Thora wird dort unten begangen ü^ die ganze Nacht gehört den Enkeln Abrahams, die P Herr noch mehr liebt als die himmlischen Heerscharen Ich weiß, daß die feiernden Cherubim dumpfbrüte" von dort oben In die Dietelsgasse hinabblicken, hierin' wo Ich stehe. Ihre überirdischen Augen durchdringen ] die Nebelschwaden, die von der Weichsel her In Gasse gezogen sind und schwer in den herbstlic" Bäumen hängen. 162