Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 160)
- Language
- German
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Leere? Nur Nichts? Dort mußte doch noch immer Gott sein, da Gott doch überall war. Aus den toten, gebrochenen Augen sah ihn ein unendlicher Abgrund an. Und auf einmal erschrak ef. denn es war ihm, als ob ihn aus dem unendlichen Ab' grund Gott ansähe. Aber Gott war anders, als er Ihn je gekannt hatte. Es war ein furchtbarer Gott, vor dem er flüchtete. Jetzt wußte David: Die letzten Jahrzehnte seines Lebens waren nur Flucht vor Gott gewesen. Die Sieges' züge waren Flucht, der Opferlärm mit Pauken und Zyrt1' beln war Flucht. Das Schminken zum Götterbild w8' Flucht. Jede Umarmung eines Weibes war Flucht. hatte sich eingeschnürt in rastlose Geschäftigkeit, fliehend vor der Gefahr, den unendlichen Gott zu schauen. hatte das Böse in sich gebändigt, weil im Bösen Go»' als Rächer sich offenbaren wollte. Er hatte das quellend Alliebende in sich gebändigt, weil Gott sich darin offen' baren wollte. Er war vor Gott geflohen, bis ihn Go" verstoßen hatte. Aber jetzt ahnte David: Nach vielen Jahren nochmals ein Augenblick gekommen, wo er, wenn e' nur immer weiterdränge, furchtlos weiterdränge, er sie" dem Gott wieder nähern könnte. Und ach, der würde wieder verlangen, das er Ihn anblicke, daß er Ihn er' trage. Da kam wieder die Angst vor der unendliche" Leere, kam wieder die Angst vor dem unendlichen Leben' die Angst vor dem Anblick des unendlichen Gottes. „Mann, was quält dich?" fragte Bathseba. „S8^' was ist geschehen, nachdem du den Riesen getötet hast „Nachdem ich den Riesen getötet hab?" besann sich mühsam. „Da haben mich alle umarmt und gekÜ"' Da hat das Volk so grell geschrien und getobt, daß 'c der Retter sei, daß ich das Land befreit habe." 146