Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 157)
- Language
- German
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Der König hielt inne. Jetzt erst wurde ihm bewußt, ^aß ihm die verlorene Erinnerung an die Jugend wiedergekehrt sei. Das Glück verdankte er der Frau, die neben jhm stand und ihm still und freudig zuhörte. Es war schön, 'nr alles zu erzählen und es dabei nochmals zu erleben. Er malte ihr aus, wie er oftmals in den Nächten "'cht hatte schlafen können, weil er sich in dem finstern Stall geängstigt hatte. Da dachte er an Gott, da dachte ftr daran, daß Gott ihm nahe sei und ihn behüte, und daß er die Fittiche von Gottes Engeln berühren könnte, *enn er nur die Hand ausstrecken würde. Aber er griff "ts Leere, denn die Engel waren unsichtbar, und Gott *ar unsichtbar, bloß vor langer Zeit sollte es Menschen 9egeben haben, die es vermocht hatten, Gott zu schauen. wurde der innigste Wunsch seiner Kindheit, Gott Schauen zu dürfen. Einmal hatte ihm ein alter Mann gesagt: „Kind, ^er Gott ist in dir in deiner Brust. Merk dir: Gott hat dem Adam seinen lebendigen Atem eingehaucht und Seitdem ist Gott in jedem Menschen, Kind, auch in dir". Von da an horchte er als Knabe auf seinem Atem, Jahrelang, um Gott zu finden. Und bald spürte er Atem überall. O, von goldenen Atem war die Welt durchwehl! Wenn er sich ins üppige Wiesengras warf, sieh an die kfde preßte, schwoll ihm der starke Atem der Erde Brust ^n Brust entgegen. Er zerschlug den harten Stein, bis er Lunken sprühte, denn auch in dem Stein mußte doch ^fem wehen. Und das Tagwerden war ein Ausatmen des ^'chts und das Abendwerden ein Einatmen des Lichts!*nd in der Nacht hielt die Erde den Atem an, und das Weisen der Sonne und der Gestirne war wohl auch ein 9l-oßes Atmen. Er schwieg und Bathseba dachte an ihre eigene Kindheit. Sie blickte in ihre Mädchenzeit zurück wie durch ^aselnußhecken über abfallende Felder und Wiesen. 143