Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 122 (sequence 124)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4919024-4919026--0127-4919151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FRANZ WERKEL. Einsamkeit. Ich warf von mir die Arzeneien, Die hoid betäubenden der Städte, Die kühlen Salben, die Verbände Riß ich herab im öden Haus. Nun wühlt, nun frißt das nackte Feuer. Ich weine oft. Ich kann nicht schlafen. Und halt die unbekannte Wunde Dem Arzt entgegen, der sie kennt. Ich tötete die tausend Stimmen, Die hold betäubenden der Städte, Auch nicht die Stimme der Geliebten Ließ ich zu mir ins öde Haus. Wohl flüstern rings die starken Geister, Sie werden nicht mein Ohr verführen. Es lauscht der feinsten Stimme Gottes, Dal.! sie mir sage, wer ich bin. [ch löschte aus die tausend Lichter, Die hold betäubenden der Städte, Sclbsl vor des Mondes Wolken-Ahnung Verhängte ich das tote Haus. Nun tilg ich hinter meinen Lidern Die letzten Zuckungen der Farbe, Und nachtverfallen will ich finden Den Schimmer Wahrheit in mir selbst. 112

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.