Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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ELSE HOFMANN. Jüdische Künstler. (Zu unseren Kunstblättern.) Bildende Kunst ist Neuland jüdischen Seins. Kunstgewerbe, kleiner Schmuck an Buch, Gerfit, Gewand begleitete jüdisches Leben auch durch Abenteuer und Wanderung der Galuth. Aber Ruhe und Hinkehr zu großer Schöptung der Form war möglich nur als Frucht der Stetigkeit, des Eingehens, selbst des zeitweiligen Untergehens in europäischer Tradition. Der Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts, hohe Blüte technischen Malenkönnens, sieht nach kaum hundert Jahren jüdisch-europäischer Entwicklung jüdische Maler schon als Vertreter höchster Leistung ihrer Zeit und ihres Landes. Unser erstes Blatt (Josef Israels, Blinder Mann, Radierung) gibt uns den mühsamen Alten, verwahrlost, schlotternd, an der Wand hintastend, zwischen Mauer und spiegelnder Straßenfläche, einsam in Blindheit. Wenig Striche sind gesetzt; der Radierung ist das Fesselnd-Unmittelbare der Federzeichnung gewahrt. Ein Meister, reif und knapp In seinem Können, familienhaft weich in seinem Empfinden, gibt uns hier ein Bild des Menschlichen. Als der große Impressionist, der Hollands Natur und Volk, Fischerkinder am Strand und jüdische Trödler in engen Gassen Amsterdams, liebreich und souverän gemalt hat, ist er in Europas Kunstgeschichte eingegangen: Josef Israels, der Realist der Form, der Maler des jüdischen Gemütes. Aus der Tradition des westlichen Europa stammt auch die Kunst von Max Liebermann (Abb. 2: Die Tochter des Künstlers, Radierung). Die Kleine stützt die Arme auf den Tisch, senkt das dunkle Pagenköpfchen mit dem weichen, fast slawischen Umriß betrachtend nieder 88