Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 76)
- Language
- German
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— mit Ausnahme einiger Wohnviertel in den Städten — ist rein jüdisch; sogar die Gestalt der Straßen und Häuser ist jüdischer Lebensführung entsprungen, jeder Nichtjude ist hier ein Fremder. Die Wochen-, die Jahreseinteilung ist jüdisch, die Sprache jüdisch, die Schule jüdisch. Freilich, die Welt ihres Buches, Bildes, Musikwerkes ist manchmal oder meistens nichtjüdisch, aber auch sie sind hindurchgegangen durch die eigene Sprache und die eigene Form. Und dagegen ist jenes gewaltige Buch, das ihr Leben begleitet, aus dem sich ihr Moral- und Gottesbegriff bildet, jüdisch; jüdisch sind die Stätten, um die sich die Legende dieses Buches rankt. So, in eigener Umgebung wurzelnd, erwächst das palästinensische Kind in Freiheit, in Unabhängigkeit von der Umwelt. Das Ergebnis dieser Freiheit tritt mit unmittelbarer Kraft zu Tage: das palästinensische Kind ist unproblematischer, einfacher und fröhlicher als das Goluskind. Allerdings, wenn es schon ein wirkliches Zusammenleben und Verschmelzen der einzelnen jüdischen Kreise gäbe, so würde bald eine innere Judentums-Problematik in das Leben der Kinder hineinreichen: der Gegensatz zwischen Orthodoxie und Revolution. Aber noch verläuft das Leben des streng orthodoxen Kindes ganz abseits von dem des jungjüdischen: in anderer Sprache, anderer Schule, anderer Tracht, anderen Spielen. Nur die auf der Grenze Stehenden und in Grenzschulen Unterrichteten erleben diesen Konflikt. Die anderen kennen nur die jüdische Art ihrer Umgebung, und der Jude anderer Sprache, Tracht und Art, ist ihnen fast ebenso ein Fremder, wie der christliche Europäer oder der Araber. Allerdings hat diese Unabhängigkeit auch ihre negative Seite: noch sind unsere Kinder dem Erlebnis des Golus zu nahe, als daß sie sich in vollkommener Unbefangenheit zu einem umfassenden, durch die nationalen; Merkmale nur bereicherten und nicht beschränkten Men- 70