Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
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Opfer an Zeit, Arbeit, Geld bringt, ohne in den meisten Fällen mit der Befriedigung schöner Erfolge, dem Bewußtsein, den einzig richtigen und naturgemäßen Weg eingeschlagen zu haben, belohnt zu werden. So sind die Ziele des Nationalismus, obschon wir es hier im Gegensatz zur Assimilation mit einer wirklichen, einheitlich gerichteten Bewegung zu tun haben, fast ebenso schwierig zu determinieren; viele Fragen des jüdischen Problemes bleiben, wohl nicht so sehr aus Absicht, wie aus Mangel an Zeit, Überblick, an Verständnis für die Umgebung, Besorgnis vor Zwischenfällen und Mißverständnissen der Anhänger gänzlich unerledigt oder werden oberflächlich mit wohlgemeinten Phrasen abgetan, ein Vorgehen, das erst recht tiefgehende Meinungsverschiedenheiten mit den schädlichsten Folgen hervorrufen muß. Die sogenannten politischen Ziele der Bewegung (Eroberung der Kultusgemeinden, jüdisches Schul- und Wohltätigkeitswesen usw.) sind, genau betrachtet, nur Mittel zur Renaissance, zum Jüdischmachen der Juden, es fehlt eine befriedigende Antwort auf die große Frage: was dann? Was hat mit dem dann wieder jüdisch gemachten Volk in der Diaspora zu geschehen? Dies ist keine Frage, die der Zukunft erst nach Erledigung des ersten Teiles des Programmes vorbehalten bleiben darf, denn die Umwelt des Nationalismus — und zu ihr gehören die gesamte nichtjüdische Umgebung, ebenso wie die jüdischen Anhänger der Assimilation interessiert von allem Anfang an nur die Stellungnahme zu diesem Punkte. Hält der Nationalismus die gegenwärtigen Zustände — selbst nach Erreichung seiner Renaissanceziele und selbst nach dem utopischen Fortfall jeglichen Antisemitismus — für die denkbar besten oder würde er Abänderungsmaßnahmen an der sozialen Struktur des Judentums, wie an seinem Verhältnis zur Umwelt anraten und durchsetzen wollen? ■17