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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 47

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 47 (sequence 49)
Language
German
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wie ich meine, in der nächsten Zeit wieder aktuell werden wird. Es ist ganz merkwürdig und für mich durchaus unverständlich, daß auch Männer, die an der Erneuerung des Judentums mitarbeiten, kein Verständnis dafür aufbringen, daß das jüdische Volk seit Jahrtausenden und eigentlich auch heute noch das Bedürfnis hat, der Aufgabe, die es für seine geschichtliche Aufgabe hält, gerecht zu werden. Über diese Frage werden wir nicht hinwegkommen. Wenn sich in Palästina, wie wir ja hoffen und wünschen, ein grobes jüdisches Zentrum bildet, nicht nur eine jüdische Ansiedlung, sondern, was für uns viel wichtiger ist, die Möglichkeit für den jüdischen Geist, sich nach den Oesetzen seines Genius zu entwickeln, die Möglichkeit, für das Judentum die Versprechungen zu erfüllen, die es zur babylonischen Zeit gegeben hat und die damals zur Erfüllung nicht reif waren, wenn sich also dieses geistige Zentrum in Palästina bildet, wie werden wir uns dann zur Frage der religiösen Propaganda stellen? Es ist ganz sicher, daß wir zu dieser Frage werden Stellung nehmen müssen. Ich glaube, unsere Stellung wird die sein müssen, die das alte Judentum von der prophetischen Zeit an immer eingenommen hat, nämlich nicht der Wunsch, irgendwie Proselyten zu machen, nicht der Wunsch, Heiden oder Christen oder Mohammedaner zum Judentum zu bekehren und sie zu veranlassen, im Judentum aufzugehen, immerhin aber das Bedürfnis und der Wunsch, dem jüdischen Gedanken den Weg in der Welt zu bahnen, das zu tun, was der Prophet im sechsten vorchristlichen Jahrhundert in dem bereits angeführten neunzehnten Kapitel des Jesaias gewünscht hat, daß nämlich das Judentum die Mittlerrolle habe, die Brücke baue zwischen den verschiedenen Kulturen und durch seine Feistigkeit ein Segen werde für die ganze Menschheit. v,

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