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Jüdisches Gemeindeblatt · 1932-06-09 · 10 (9.6.1932) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1932)
Issue
10 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Hauptversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Berlin. Tic Vereinigung für das liberale Jndentuin hielt c»i< Sonn lag. dc» 22. iU.ii, in Bellin ihre Haupiversammlung ab. Trotz der '.'iüi der;U'ii und durch tzre am gleichen Tage in aiaiifiiirt a. i'i. it.uiftubejt&cTt Sitzungen der 2lrbeilsge»ici»sck»afl der Landesverbände und des Engere» Rates des Preuszijchen Van^ desverbandes einige Führer der Bereinigung fehlten, war die Berjainnilnug ans allen Teilen des Reiches gut besucht. Stark ivar auch die Teilnahnie van liberalen Rabbinern ans de» ver jchiedenjrr'n Teilen Tenlschlands, bcsvnders auch war die Engend zahle,»naßig gni venielen Bei der Eröffnung der Sitzung gedachie bei Boisibende der Bereinigung, Rechtsanwalt Heinrich Stern, der vielen verstorbenen Firhrer und Förderer der Bewegung, insbejvndere der feit der letzten «^eneralversainnilung veriwrbeiren drei Haup! vorsia » dsn»igl > eder Justizrat Wilhelm Blvnsker, Tirekivr Hugo r7siberg und Georg Mecklenburg. ,1» »einem >rie>ck>afisberichl tvie» der Vorfihcndc auf die jchivere» wirtichaftlichen Kampfe hi», von denen auch die Pereinignng nicht verschont geblieben i|t. Turch die Cpfcr, welche in niid ausländische ('WjimnmtVjfleiioiK’ii gebracht haben, ist die Bereinigung nunmehr so gestellt, daß eine ruhige sachliche Weiterarbeit gewahrleijler ist. Dich in der letzte» »ieit konnte eine Reihe von L lisgrnppen neu gegründet bzw. ausgcbaul werden, (in der Tiskniiion trat allseitig das Bestreben hervor, die unbedingt notwendige genieindeboliiische Arbeit;n vercinhcitlichcn, sic jedoch »ich! als den Kernpunkt der Arbeit des liberalen Judentums gellen zü lassen, sondern i» erster Reihe die geistigen Grundlagen der Beivegnng iien;n durchprüse» und sie dcnienigcn naheznbringen, welche sich bisher lediglich gcnicindepolitijch zum Ribera lisnins bekennen. Einer eingehenden Beratung wurden die These» der Ortsgruppe Breslau, die insbesondere die Verbindung der religiöse» mit den sozialen Ausgaben darlegten, unterzogen. Tiefe These» wurden einnurtig angenommen. Eine Reihe ge nieiiidepolilischer Anträge sind dem seht aktuell gewordenen Thema des Wesens der Einheilsgemeinde geividmet. Einsliinmig angenommen ivnrde der folgende Antrag des finheren Geiieralsekrelärs der Bereinignng und jetzigen Ehe» redalienrs der „Indisch liberalen Leitung" George Goch: „Tie Bereinigiiiig sn» das liberale Jndentuni wolle unverzüglich Maß nalnnen in die Wege leiten, die eine ständige und grundlegende Ansvriniernng aller liberalen Geineindephlitikcr und eine einheitliche Genieindepr'Iiiik im Reiche erstreben. Zu diesem Zwecke soll im Herbst eine Karrieren; jüdisch liberaler Gemeindeführer einberufe» werden." Endlich ivnrde die solgende Entschließung einstimmig gefaßt: ..Tie Bereinignng für das liberale Judentum ist der Anssasjnng, daß i» der religiöse» Einheilsgemeinde ersprießliche Bsrwaltnngsarbeii nur »»ta Erkennrnis und Anerkenntnis der wcltanschau iiugsmäßigen Berschiedenheilen, bei Ausschaltung alles Trennen den und bei Beschränkung aus das alle» Gcineindemitgliedern Ge nleinjame geleistet werde» kann. Tiese Grundsähe verbürgen ein gedeihliches Arbeiten und sicher» den — in dieser politischen und ivirischasililtien Knsenzeit doppelt noiivendigcn — Frieden in der l^emeiiide, ohne dein Wettbewerb der Weltanschannngen außer I alb dt r Gemeind.' Al lwnch zu Hem. JTie Beri inig ing begrüßt es, e.ß lie lile alen Tjaiitiim.in des PrTrEijchen Larbesvrrbanbe; und de, Jülujclnii E niiciiilc -» Bcrlii. diesen Grunstsähen griiäz gehandllr t; lrn. je billigt cinmütiz d u Vcrhaltnn bujtc Fralliomii i!nb sorln rl ti; Fr. kr vnen zu krriscqnentrr Forlsührung ihrer bisherigen Politik auf." Ter bisherige Borstand »vnrdc »viedergcwählt und durch eine Reihe von Renivahlen ergänzt, insbesondere auch ans den Preise» des jngendlictien Rachivnchses der Bereinignng. Ter bisherige Borsihende der Bereinignng Rechtsanivalt Heinrich Stern (Berlin» und dessen Ttellverrreler Rechtsanwalt Tr. Rudolf Geiger lFranksnrt a. Mi wurden wiedergewählt. ,1n der konstiiniercnden Borstandssihung, die im Anschluß an die Hauptversammlung siattsand, tvnrde zunächst der Arbeitsausschuß geivählt, dem folgende Herren angehören: Rechtsantvalt Heinrich Tier» als Borsihender, Landgerichtsral Tr. Arthur >!i lienthal als Schriftführer, Banmeislcr Georg Jacvbvwitz als Schatzmeister, Rabbiner Tr. Julius Gailiner, Landgerichtsral Tr. Martin besser, Tirekior Alfred Jaulns sowie für die „Jüdisch liberale Zeitung" deren Redakteur George Goch. Rabbiner Tr. Julius Galtincr wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Berdienste ui» die Beivegnng zu», Ehrenmitglied der Bereinigung snr das liberale Judentum getvählt. dr. phil. h. c. James Simon gestorben. Am 23. Mai, 12 Uhr mittags, ist Dr. Phil. h. e. James Timon, der »veil über Tenlschland hinaus bekannte und verehrte Wirtschastssührer, Kunstfreund und Philantrop, Mitbegründer und jahrzehntelang Präsident des Hilfsvereins der Teutschen Juden, i» seiner Berliner Wohnung an den Folgen eines Schlaganfalls, den er vor einige» Wochen erlitt, verstorben. Die Familie hatte beschlossen, dem Wunsche des Verewigten gemäß seinen Tod erst nach erfolgter Bestattung bekanntzugeben. Wir konnten deshalb die Todesnachricht erst heute bringen, nachdem die Nachricht durch eine Indiskretion in die Tagespresse gedrungen war. Mit dem Namen James' Simon ist ein wichtiger Teil der Geschichte des deutschen Judentums der letzten Jahrzehnte verknüpst, aber auch in die Geschicke großer Teile der Judenheit anderer Länder hat er im Rahmen seiner Hilfsvereinsarbeit wohltätig eingegrissen. Jaines Simon als Wirtschaftsmann und all Kunstfreund. Jallües Simon ivnrde am 17. September 1851 in Berlin geboren. Als Ehef der weltbekannten Bauinwollfirma Gebrüder Simon in Berlin spielte er eine führende Rolle irn deutschen Wirtschaftsleben, ivar jahrelang Vizepräsident der Handelskammer Berlin und Mitglied des Reichsbankdirektoriums. Er galt als einer der fetnsinnigslen Kunstkenner und Künstsammler und hat als Mäzen großen Einfluß auf die Gestaltung des Museums- »vesens ausgeübl. Tie Berliner Museen haben ihm eine große Bereicherung ihres Besitzes zu verdanken. Rvch bevor James Simon 1901 mit Eugen Landau und Pani Nathan de» Hilfsverei» der Deutschen Juden begründete, betätigte er sich in hervorragender Weise auf dein Gebiete der jüdischen Wohlfahrtspflege, begründete und unterstützte eine Reihe sozialer Institutionen. Er war einer der Gründer des Technikums in Haifa. Bis Ende 1929 gehörte er dchn Rat der Jewish Colonizaiion Association (JEA) i» .Paris an. * James Simon und der Hilfsverei». I» dem sich weit erstreckenden sozialen Wirkungskreis von Tr. James Simon hat der Hilfsverein der Teutschen Juden seit seiner Begründung eine» besonders hervorragenden Platz eingenoininen. Unter der Leitung von Dr. James Simon und seinen nächsten Freunden und Mitarbeitern — es seien nur Tr. Paul Nathan, Eugen Landau, Carl Leopold Netter, Rabbiner Tr. M. Horowitz, Tr. H. Hildesheimer, Geh. Justizrat Timendorfer angeführt — hat sich der Hilfsverei» der Teutschen Jude» drei Jahrzehnte hindurch in Zeiten größter politischer Erschütterungen und ökonomischer Umwälzungen in weitem Ausmaße betätigt und ivnrde ein maßgebender. Faktor im gesamtjüdischen Hilsswerk. ,1» langjähriger Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Paul Nathan hat James Simon den. Hilfsverein zu einer Organisation ansgebant, die in engster Verbindung mit großen Körperschaften ivie Jewish Eolonization Association, Ameriran Jewish Committee, Joint Foreign Committee, Alliance Jsraelite Universelle stehend, stets aktionsbereit war und in Osteuropa und im Orient eine vielseitige Tätigkeit entfaltet hat. Tas Schnlwerk in Palästina und in de» Ländern des naben Cjten», die Trganijierung der Answandererfürjorge in Deutsch land, die Tnrchführnng großzügiger Hilfsaktionen anläßlich der Pogrome in Rußland und Rumänien, bei Naturkatastrophen, während der Balkankriege 1912/18 und insbesondere im Weltkriege, ein weitverzweigtes Hilfswerk für die jüdische Jugend, vom Sänglingsalter a»gefa»gH> bis zu erfolgter beruflicher Ausbildung all das sind wichtige Teile der Arbeit des Hilfsvereins, mit der Tr. James Simon aufs engste verwachsen war und ist. Tr. James Simon stellte sich stets zur Verfügung, wo cs galt. s»r die verfolgten Juden in osteuropäischen Ländern einzutreten — sei es durch Znterventioi.e r bei hohen Behörde», Auswü.tigein Amt, Ministerien »sw.. sei es durch Fühlung, ohnn mit einflußreichtn Pkisviilichkeitkii »u>> Orga»tis.inonen auch c.i:ß:rhalb Tenlschlands. In der Jahresversammlung des Hilfst:rcins im Jahre IN I. in der der James Simon-Fonds gestiftet wurde, hat Herr Max Warburg Hamburg der Verehrung für Dr. James Simon durch die Worte Ausdruck gegeben: „Eines Ihrer Herzenskinder zu unserem und vieler Menschen Glück war und ist der Hilssverein der Teutschen Inden." Tie Jahresversammlung von 1932 hat Tr. James Simon noch selbst geleitet. James Simon und Wilhelm II. — Der „königliche Kaufmann". Um die Jahrhundertweirde nannte man James Simon den „Freund des Kaisers". Ter frühere Kaiser Wilhelm II. wollte ihn 1901 ins Herrenhaus berufen. Als aber reaktionäre Politiker darüber ein großes Geschrei erhoben, hat James Simon den zuständigen Stellen sosort sagen lassen, daß er auf die ihm zugedachte Ehrung verzichte, lieber eine beabsichtigte Nobilitiernng, die Simon abgelehnt hatte, berichtete Dr. Ernst Feder anläßlich des 80. Geburtstages Simons in der „C.-B.-Zeitung": „...Er (James Simon) war einer der wenigen königlichen Kansleute!n einer Monarchie, die so viele königliche Kommerzienräte kannte, und in einer Republik, in der viele noch nicht begriffen haben, welche besonderen Pflichten der Bolksstaat den Führern auferlegt, ist er ein Vorbild staatsbewußten Bürgertums. Der Kaiser, mit dem er durch seinen Freund Admiral Hollmann bekannt geworden war, suchte seinen Umgang; er wußte,'daß James Simon nichtvon ihm wollte, auch in diesem Verkehr der Gebende war. Allen äußeren Ehrungen verstand er sich zu entziehen. Wie lachte er, als einmal in Berlin das Gerücht ging, daß er Wirklicher Geheimer Rat mit dem Titel Exzellenz geworden sei. Orden und Titel wies er zurück, auch die Nobilitierung, die ihm freigestanden hätte; erfreut bat ihn der Ehrendoktor, den dem Kunstkenner und Kunstfürderer die Berliner Universität als seltene Auszeichnung verlieh..."

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