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Jüdisches Gemeindeblatt · 1931-10-01 · 19 (1.10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1931)
Issue
19 (1.10.1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das iUdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt *U«f di nur mit Ouallunangab« und mit Gunuhmlgung du» Varfauur» guilattut BREMEN Veraafftorl Kussel Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich Nr. 19 Bremen, den 1. Oktober 1931 3. Jahrgang die Hemeinöe. Verantwortung. Tic Auswirkungen, Weiche der verlorene»ricg zeitigt, lassen sich am besten mit den Worten „Ansbruch und Umbruch in wirtschasliicher und politischer Beziehung" bezeichnen. Lediglich von den wirtschaftlichen folgen soll hier gesprochen ivcrdcn. Sie kcnnzcichncn sich bei den »irchcngcmcindcn der verschiedenen!,.Ilonsessioncn in einer Häufung der Austrittserklärungen, in einer Bleigerung, dir ansgrschrirbrnrn steuern zu zahlen, aber auch gleichzeitig in einer Häufung der Ansprüche notleidender Personen oder Anstalten. Wie aus dieser Minderung der Einnahmen und der Steigerung der Ausgaben ein Ausweg zu finden ist, das ist die bange sorge aller um das bZcmcinwohl Berantwortlichcn. Wir Juden gelten bei unserer Umwelt als eine Elcineinschaft, dir in ganz hervorragender Weise zusammenhält, siir einander ein- 1 ritt, so dasz die Nöte des Einzelnen oder einzelner Teile unserer blemcinschast immer wieder gemildert Iverden durch dir Hilfe besser gestellter, wohlgesinnter Elcnosscn oder eines gröstcrc», zur Hilfsbcrcitschast entschlossenen »reifes. schon allein diese Tatsache, aus der sich ohne weiteres eine öffentliche Wertschätzung hcransdcuten lästt, verpflichtet uns in besonderem Maste, unserem guten Nns Ehre zi* erweisen. Wenn wir in dieser Notzeit uns in unserer oder in anderen NZcmcindcn umschcn, so werden wir immer wieder Wohlfahrtsanstalten und Stiftungen finden, die Jahrhunderte bestehen und somit zweifellos auch Zeitabschnitte schlimmster Not überdauert haben. Jahrhunderte alte schulen, ebenso alte Waisenhäuser, Wohlsahrtscinrichtungen, denen Hilfe durch geldliche Leistungen, durch »rankcnpslegr nsw. von den Stiftern aufcrlcgt war, hatten schlimme »ricgsjahrc, »nechtschaft unter feindlicher Besatzung iiberstandcn, tvcil die damals lebende (»cnrration den Willen gehabt hat, das Bestehende zu erhalten. Tic jetzt lebende bleneration, die in einer für ihre Begriffe unerhört schweren Lage ist, wird späterhin einmal danach beurteilt werden, w a s sie in di r s c r N o t z c i t in k u l t u rcllcr Bezirhu ng g e l e i st e t h a t. Als Leistung gilt jedoch in solcher ^Zcit nicht die Schaffung von Neuem, sondern die Erhaltung des Bestehenden. Nrbcr das, was in einer blemcindc erhaltungswürdig ist, werden die Ansichten ausrinandergehrn. Aber drei Tinge sind es, dir erhalten werde» müssen. Ter »nltns, der Unterricht und das Wohlsahrtswcscn. i Eine Gemeinde, die nicht in der Lage Ivärc, ihren Gottesdienst auch in einfacherer srorm. als man es in guten Seiten gewohnt war, ansrecht zu erhalten, würde rin Beweis dafür fein, dast ihre Mitglieder in kultureller Hinsicht versagt haben. Eine Gemeinde, dir ihren Schulunterricht, der die Ausgabe hat, die kommende Generation in religiöser und damit auch in sittlicher Beziehnng ans de» Lebenskamps vorznbereiten, nicht ausrecht erhalten könnte, wurde späterhin einmal mit schwerer Zchuld beladen dastehen. Tas Wohlsahrtswcscn, dem leider in immer steigendem Maszc Menschen, auch solche, die bislang als Wohltatspendendc bekannt waren, sich als Wohlsahrlheischcndr zuwenden müssen, mnsz. wenn auch mit Einschränknngcu, erhalten bleiben. Tie Erfüllung dieser drei Ausgaben wird aber nur dann wog lich sein, wenn die (Gemeinde, die im wesentlichen unmittelbar oder mittelbar, der Träger und Förderer aller dieser Einrichtungen ist, bestehen bleibt. Wenn'man die Aussichten hierfür übcrprüst, so must man zu dem Ergebnis kommen, dast das Bestehen unserer Gemeinde. >uic anderer Gemeinden, gewährleistet ist, weil die einzelne» Person lichkciten, die unsere Gemeinschaft bilden, in den letzten 17 fahren immer neue, schlver lastende Eröignissc aus sich genommen, den »ampf in ihrer Mehrzahl in Ehren bestanden habe», auch jetzt ent schlossen sind, Ivcitcr um die eigene Existenz zu kämpscn. Wer aber die »rast ansbring«, für sich und die seinen mit Ent schlosscnhrit zu wirken, dck verbürgt sich auch unbcwustt oder bc wnszt dafür, dast ein Teil seiner »rast auch seiner Gemeinschaft zu gute kommt und sie mit erhält. Mögen Einschränkungen und Einsparungen aus all den Ar bcitvgcbicten, dir i» grasten Umrissen hier genannt worden sind, cintrrten. die Gemeinde und die in ihr borhandencn Einrichtun gen aller Art aber werden und müssen erhalten bleiben. Tie Pflicht, hierzu bcizutragcn, ist jedem einzelnen Menschen aufcrlcgt. Ans der schwere des seit 11*14 Erlebten und lieber wnndenrn schöpsrn wir die 'Zuversicht 'aus Irastvollcs Wirken auch in der schtvcren 'Zeit, dir uns noch bcvorfteht. N u d o 1 f H r r; b c r g , Hannover. Trenne -ich nicht von üer Gemeinüe. Bon C lu'iniM'iii.'i 3" v. E a i I e l> a ili ' Tie 'Not der jüdischen Gemeiuden ist giost. Breie von eenen, die ihre b,.-ber waren, sind verarm!, und Empsauger gemo'd.u .ehre 'kr,'0hl!ahr!spjlichleu sind ine Uuermestlirlie gestiegen 3 re sorge siir Waisen und Witwe», im '.'Ule und »raute. 'ui ei. körperliche und geistige Euitvirlluug nuuellosex ,',ugendli>lier »el> men den Hanpiieil ihrer Etats in Aiisplinb. Tas Wirischisisleben Kal zugleich unerhört 'rtuvere?vo> rr-n angenommen. Ter e u i >l, bedarf m e li r denn >e in> s i rl> » n d sei » e M i\ d e > g e i sl i g e 3 : n n e. A u i e g kl n g. s e e l i o r g rz, B e l r e n n n g. Tie politische Leidenschaft ist zudem inner d.m Trrnl der z',eu mehr nrrd mehr gestiegen. Tie jüdische blue bedarf de> :>>e,l>:- schntzes. Tie (Gemeinden als die einzige B.uhtsver.reurng der jrrdr scheu .rnleressen liaben-eine rveii höhere Bedeuiung srrr. >eden ein zelrren als je sonst vordem. Brr dieser 'Not wollien T» ans der Gemeinde an-.-'>»^".en>>' Wolltest die .»ampsende ihrem £ibirfi.il überbauen, rl,re' g.rinae Wirksamkeit ohne seörderung. ihre» New!.-lampt ohne Ten'e Unlerslnvnitg lnsse», Teiue arrneu Bruderihrem Lo-.- de - Oum preisgeben? ’ Und welche Grunde bewegen T >>h za.rn Aus:,'!!?- Augel-Iul, Teure Stellung z»»r ,,»ul:iis", zur reltgimen 'Brzattgni'g der Gemeinde. Aber bedenkst Tir nirlii, eas; Trr diese »ssrntlulr Nechtsinitilniiou rls l>'»ruzes betrachten nrusti r» ihrer v:el'e:tiäe» philatilropitcheu, heiftig knlinrelletr. sozialen und reltgto'en Böirl samkeil? Tas; sie a l.le n .lndeu gererln iverdeu ivill, rrrit denen Tn durch Baude der Geschichte und des Blu:es und der - oi:> ii;' lat. der geiueinsameu historischen Beiariuvorilirltlei: verkuupit Inst? Willst Ttl rrichi einiehen, das; ihr Niedergang rmd 'Beriall sed.» .kuden. aurh Ttil) selbst und Teiue .earuilie, eiup'indltrb 'chwacht'e Welche Achtung kann tiorlr der einzelne .rüde in a>u Augen der Nichtjnde», vor Behörde» und »orper'chatten geitteszen, nuint stuu

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