Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 15 (1.8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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V - Ueberlegenhcit ihre» Geistes Prädestiniert sie zu einem Hauptfaklor zukünftigen Adels . . . „Durch unsagbare Versvlguugc» versuch: seit einem Jahrtausend das christliche Europa das jüdische Volk auszurotlcn. Ter Erfolg war. daß alle Juden, die willcusschwach, skrupellos oportnnislisch oder skeptisch waren, sich lausen ließe», um dadurch de» Qualen ^endloser Bersvlguug zu entgehen. Andererseits gingen unter diesen vielfach erschwerte» Lebensbcdingungeu alle Jude» zugrunde, die nicht geschickt, klug und crsinderisch genug waren, den Daseinskampf i» dieser schwierigste» Form zu beuchen. - Zo ging schließlich aus all diesen Persolguiigeu eine kleine Gemeinschaft hervor, gestählt durch ein heldenmütig ertragenes Martyrium für die Idee und geläutert von allen Willensschwächen und . geislesarmcn Elementen. Stau das Judentum zu vernichten, hat es Europa wider Wille» durch jenen künstlichen Auslcscprozeß vcredelt und zur Führcrualion der Zukunft erzogen, dtciu Wunder also, daß dieses Volk, dem Ghetto.»crker ciuspruugeu. sich zu einem geistigen Adel Europas entwickelt. So hat eine gütige Vorsehung Europa i» dem Augenblick, als der Fcudaladel zerfiel, durch die Judcncmanzipatiou eine neue Adclsra>sc von Geisics Gnade» geschenkt .... Nickt: das Judentum ist der neue Adel; sondern: das Iudcn- > tum ist der Schoß, aus dem ein neuer, geistiger Adel Europas hervorgcht. Eine geistig-urbane Herrcurassc ist in Bildung: Jdcalisten, geistvoll und feinnervig, gerecht und überzcuguugslrcu, lavier wie der Feudaladcl in sclncn besten Tagen, die Tod und Verfolgung, Haß und Verachtung freudig auf sich nehmcu, um die Menschheit sittlicher, geistiger, glücklicher zu machen . . . Ter moderne Antisemitismus ist eine der vielen Neaktionserscheinungcn des Mittelmäßigen gegen das Hervorragende; ist eine neuzeitliche Form des Qltrakismus, angewandt gegen ein ganzes Volk. Als Volk erlebt das Judentum den ewigen Kkamps der Quantität gegen die Qualität, minderwertiger Gruppen gegen höherwertige Individuen, minderwertiger 'Majoritäten gegen höherwertige Minoritäten. Dir Hauptwurzeln des Antisemitismus sind Beschränktheit und Neid: Beichränktheit im Religiösen oder im Wissenschaftlich«.'!!: Neid im Geistigen oder im Wirttchastlichcir. Dadurch, daß sie aus einer iurcrnationalcu Religionsgemeinschaft, nicht aus einer lokalen Phase hervorgcgangcn sind, sind die Juden das Volk der stärksten Blutmischuug: dadurch, daß sie sich seit einem Jahrtausend gegen die übrigen Völker abschließen, sind sie das Volk stärkster Inzucht. 2o vereinigen, wie beim Hochadcl, die Auserwählten unter ihnen Willensstärke mit Geistes stärke, während ein anderer Teil der Juden die Mängel der Inzucht mit denen der Blutmischung verbindet: Eharakterlosigkeit mit Beschränktheit. Hier findet sich Eiligste Selbstaufopferung neben beschränktester Selbstzucht, reinster Idealismus neben krassestem Materialismus. Auch hier bestätigt sich die Negel: je gemischter ein Volk, desto unähnlicher sind seine Repräseurauien untereinander, desto unmöglicher ist cs. einen Eiuheilstypus zu konstruieren. ' Tausendjährige Sklaverei hat den Juden, mit seltene» Ausnahmen, die öcftc des Herrenmenschen genommen. Dauernde Unterdrückung hemmt Persvnlichkeitscntsaltung und nimmt damit ein Hauptelcmcnt des ästhetischen Adclsideals. Au diesem Mangel leidet, physisch wie psychisch, ein Großteil des Judentums: dieser Mangel ist die Hauptursachc, daß der europäische Instinkt sich dagegen sträubt, das Judentum als Adclrasj'c anzuerkcnnen. Tas geistige Hcrreuvolk der Juden hat unter Zügen des Skla vcnmciischcn zu leiden, die ihm seine historische Entwicklung ausgeprägt hat; »och heute tragen viele jüdische Führerpersvulichkeneu Haltung und Geste des unfreien, unterdrückten Menschen. In ihren (Üestcn sind herabgekommcric Aristokraten oft adeliger als hervorragende Juden. Diese Mängel des Judentums, durch die Entwicklung entstan den, werden durch die Entwicklung wieder verschwinden. Die Rustikalisicrung des Jndentums (ein H^iptziel des Zionismus), verbunden mit sportlicher Erziehung, lvird das Judentum vom Ghetto-Nest, deß es heute noch in sich trägt, befreien. Daß dies möglich ist, beweist die Entwicklung des amerikanischen Inden tums. Ter faktischen Freiheit und Macht, die da» Judentum errungen hat, wird das Bewußtsein derselben, dem Bewußtsein ah mählich Haltung und Geste des freien, mächtigen Menschen folget,. Nickt nur das Judentum wird sich in der Nichtnng des Well lichen Adclsideals Ivandeln — auch das westliche Adelsideal wirb eine Wandlung erfahren, die dem Judentum auf halbem Wege cntgcgenkommt. In einem friedlichere» Europa der Zukunft wird der Adel seinen kriegerischen Eharaklcr abitreisen und mit einem geistig-pricslcrlicheu vertauschen. Ein pa;isizicr:es und sozialisieri tcs Abendland wird keine Gebieter und Herrscher mehr brauchen s—'nur Führer, Erzieher. Vorbilder. In einem vrientali'chen ^Europa wird der Zukunstsaristokrät mehr einem Brahmanen und Mandarin gleichen als einem Nitter. pariser Srief. Tas „Plätzcl". Das IV. Arrondissement von Paris ist cttvas ganz anderes wie nur ein Stadtteil von Paris: ES ist eine andere, eine fremde Stadt. Um dies fcststcllcn zu können, tut man gut,'seinen Führer zu verabschieden und allein auf Entdeckungen in dieses Viertel zu gehen. HüUtlkhej Für die Gesundheit Da in y B. die :>ine du Fignier mit rkaden. die an« den erneu Blick ansielien wie alle anderen. D:e Schainensler sind ein imung beschmiert: ans der einen 2ci:c lieg: Fleuch. zn^Pnramiden an» gebäus:: täeslngel in :>ie:h und Glied: aus der anderen Sei:e be findet sich eine Schenke, unter derenniedriger Decke es hhwcr rii. de» t">äiien ein ivenig.'Begneinlick'keil zu bieten. An der Ein gangstiir nein der Name des Beugers zu leien: Ziegelmerier Plan merkt gleich, tas iii nickit mehr Paris, sonst wurde der Name' an der Türe vielleich: Eliamaland lau:en. Dieses Viertel um das Nathans ba: einen fremden Namen: Es in „das Plage!". Ein Plag, von dem die Inden unmerklich die Parrier verdrängt haben. Wann ba: sich der erste Jude h:er neben dem Dem ge! nieder gelassen? Man weiß es nickt. Es gibt in Frankreich Inden seit dem Eindringen der Römer in Gallien nur Paris seit undenklichen Jeuea Aber iie bilden hier erst seit e:,va sünizuz Jahren eine kornpak:e Marie Im übrigen ist „das Plägel" hu iie nur ein Sprnzrgbre::: sie blerb rr hier nur einige Wochen oder Monate, dann spiel: ihnender fall irgend ein Gescliast i» irgend einem S:ad:vier:e> von Paris rn die Hände: dort bleiben iie dann. Dieser fortwährende Nachickrib von Menüben derselben Nasse und derselbe» Religion driicki den Hanhu», den üaden und allem in. diesem Viertel seinen Stempel aui. In den tüäßchen zwischen der :>iue Vielte d» Temple. der :>iue de Nivoli und der :>iue de!»renne iielr: man ro:e Anhb.ags zeltet mit den Photographien der .»rrnsUer, ans denen man le'err kann: „Tlgaire panern" oder „Tlg'-atre J-rra". alles andere :n lg'bräiiche» Buchstaben. Das judail'che Theater spiel: einige Male in der Woche und erfreu: sich bei den J»de» aroßeu;',n>pr»chs: sie sind froh, sich in ihrer eigenen Atmosphäre bewegen zu können, und ihre'eigene Sprache zu lprecken. - x IKlIillSIIlllkl'IMliAllllllillllllllWlSk.fkSIIillllSkelllS In der Nue des Noiier bie:el ein tärammophon luJchai: Uli! großen iketlern ans rote,» Papier hebräische '»ramriropliorr Pl.r::e» an und vor der Tnr stauen sich kleine Bnrickube:: ,»:: g.Iortten Haaren und lauschen andächtig de» .»laaeliederr: des Graui:»,' phons. Es gibt kein Nesianran:, das uickr ans seinen Fenui.r scheiben diese „kabbalistischen";',e:>he» nage» wurde, kerne Buclr Handlung ohne jüdische Bu>»ea und Zeilirngen. Alle.d:e'e win. zigen, versattenen, schlecht beleinl>:e:e::. aber lreunelrgeir VidNien haben irgend e:>vas zu verkaufen, rvas liebräinhe Buchstaben trägt, und seien es nur .»arten, die einen Nabburer daritellen. eine Srniagoge-r'der eine Familien'',ene. Warum haben die neu erngewander'.eir. Juden gerade das IV. Arrondissement zu ihrer ülendenz erhoben? Man n::rß narnr lich zuerst wissen, rvie iie eines Tages in die' Nue de. Noneis kanrert. Er ha: in Polen 'Bruder, Ve::e>» oder Freunde urrd^er schreibt ihnen: „Ich b:n in Paris Daraufhin ko»:me:: sie auch »ach Paris, die Naclirickr: gebt vor, P.::er zrr 'Ve::er. von r nkel zu Neiseu und sie kornrne» eures Tages ans den >»he:'.o:- 'T heu-, ova rrri: der Adresse in der Truhe des abgesckiabierr allen lieber zreliers .am Plägeban.' S:e komme:: um >'o .sicherer, als es :l>u>u in Pole,', in der Tüluckwilowakc: und in Nrrrrrärrierr rricln an: gel>:. Handel und Wohltirtigleit. Man »berireib: die hiebe de: Inder: zur» >»eld nr:d die arr deren reden es nach. Man ni»ß sich verae^'nroa':-gen. i» N'el.lier» E.end 'die'e Bewohner des „Plager" geleb: Iraben, bevor sie .rar» Frankreich kam.,', hier'solaren d:e vielen Schrvieriakeuen des An längs. die Entbehrung,,:. b:s rrra:: e:w.r vm.durnri kann. Plan zeig: einem hier jeden Auae'.'bli.l judinkre »an>'Ien:c, die uh: :::cb:s angesanae» haben .>>: da..- ii:.»: beunrndeinna'. ronrdig? ■ Der Jude in ein gehhick.e, .».zu'rnauu »ud weiß, darr es dar.-ni ankömm:. ieine .»»irden zu'ried.n zrr ii.llerr Er zieh: es vor. nur fu::f Franks u> eir'.ern .».e-de Ju verdreneir. te - ■ r.iili: zu verkarrscn Darum lair: er rrri: iick, h-rrdeln nrrd h.rl: rirlr nick'! au der, ejnmrl genannten Prei'- > Die Solidarität der Inden nn:ele:r' rnder :>: 'vr'icbu>ör:I:ch, r'ie wird vor aller» unter de» Armen grrrbtä D:. :>cvich<u: vergessen gern, daß r'ie eirrrnäl arrrr ivaren. Alle die, die ohne 'M:::e. gracli Frank.eich lrnnnreri, linder' »raiiclirrial r'osor: ihren llrrtcrli.il! E'- g'b: aher rnch andere, die 'chon lange irr Prris rind, olnre daß r'ie dis 'Na:iai're zrirn p'ber> .rnshringeii können. 'Man rieh: es dcni . Qna: ::er an, daß' ß ine Bewoliyer nicht ans Noren gebe::e: Urrd.-tiogd.nn korrrmr es reiten vor, daß ein Jude zr:rn Woklirhrts':»:'des!V. Arrondiiieng'n: geht. Er zieht cs vor, einen «»lanbensgenoiserr :» Anspruch zrr nehme». Wenn der Jude gern .»arismairi! ist. auch Ivcirn er irur