Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 15 (1.8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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X JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt NidtdruA nur mit Quilleningab« und mit Ganahmlgung des Verfassers gestattet Verlagsort Hattel BREMEN Verantwortlich (ür den lokalen Teilt M. Markreidt Nr. 15 Bremen, den 1. August 1931 3. Jahrgang Moritz Lazarus Hefuch in hafteüt unü Hremen 1843-1844. Nach feinem eigenen Diktat.*) Bord rei.e, etwa für den (im,tritt in die ^Ter.ia eines I9t)„, nasinms, galt es, einen C“rt zn finden, >1» welchem ich vielleicht durch Berwertnng meiner hebräischen Renntuisse in den Ttaud gesetzt wurde, ein (Rimnasium;» besuche». Mir schwebte Ham bnrg oder Hannover vor: aber völlig unbekannt mit de» dortige» Verhältnissen, wollte ich zunächst meinen in Bremen wohnenden Cufel besuchen, mit von ihm :>ia nnd Anleitung z» gavinnen. 3n machte ich mich aus die Reise, fit Braunschwetg lolltcn Wntjv: meines Paters an den dor.igcn Landesrabbiner Tr. Herzfeld ans gerichtet werden: die etwa ziveistündige Unterhaltung mit &icu'„i hat ans meinen Lcbensgang entscheidenden liinflnft gcnomnien . . . '.Mut der Reise »ach Bremen berührte ich Hannover. Tort'war mein tzsroszvater Ttistsrabbiner gewe'en, und es lebten noch meh rere seiner ehemaligen ralmndschnler, unter ihnen der jetzige Tberlandesrabbincr des bri ische» Reiches, Tr. Adler . . . .tut Teptember kam ich »ach Bremen. Mein Tnlel ivohnte aber in Haitcd., einem Borstadtdorfe: denn die fnden, l^I'.t ans der Ttodt v rwiejen, durften bis ISIS nur ans dem Lande wohnen. H er bin ich gegen siebe» Monate geblielten. Es wird »ns heute schwer, 'olch? Ta-sachen;n ln-greifen, wie: das; die fnden ihre (üescha'le in der Ttadt nur aus christlichem Rainen oder im geheimen maven durften lnnd dabei waren es nur fünf f-amUien, vor denen die \ grosse, freie Reichsstadt sich so fürchtete!) und das; es für mich, um ein halbes fahr auf bremischem En-biet Ttndien halber bleiben;n dürfen, einer ganz besonderen Erlaubnis des Bürgermeisters be dnrs c. Tie Beratung, wie dieselbe zu erlangen, war sehr ernsthaft: glücklicherweise wurde mein Tnkel mit den Tvvennbcn darüber einig, es mochte das Beste sein, wenn ich mein Oieinch dem dama ligen Bürgermeister selbst vortrüge. fch verdanke diesem Ra e eine sehr glückliche halb? Ttunde bei dein' berühmten Bürger »tcisicr fvhann Tmidt. lieber meine Absicht, mich im;>van;igste» »fahre für das 0>'»nnasinm vor;»berei'eu. erstaunt, trat er in eine »enane Besprechung meines bfsherigen Lebens nnd Ttiidienganaes ein: von seiner Bestehung;n Herbart hatte ich natürlich k ine Ahnung: als ich aber mit meiner Lektüre der Treftlersü-en Tchrin nnd der daraus folgenden Tehnsncht, Herbarlische Pünholoaie ein stens genau;n studieren, erwähnte, da verwandelte sich das o)' licht des alten Mannes, sein' Augen leuchteten: er gedachte seines f „gendgenosjen mit wenigen, abr nngemrin ergr-itenden BTorten und ermini'ertc mich nachdrücklich, meineni Borhaben getreu tu bleiben. Tie.Erlaubnis des Antenthakt s in Bremen stbr-.-b r sonnt eigenhändig nieder, ^as Tchrittstück wurde von dm, iü di'chen sramilie» wie eine Art Triumph betrachtet fch habe Tmidt nur rnsckt einmal g''ehen, als ich ihm vor dem Abgang nach Brann'chweig danken kam... ^as Leben im Hanse meine» Tnkels während der sechs B'in termonate war durchaus -behaglich und meiner m-schwöchten tüe i'nndheit nnaeme!» tnträal'ch. obwohl es ,1» B'sclnveideii nie!'' Htlr. Ten Unterricht, deil 'u ich bednrne. "insze ich durch nuffer ikliat'liche ig a nl-'isiiina eriverben. Tas gab wieder doppelte Ar l'»M: füv lateinische, griechische und mathematische Lek tonen brbe ich ebensoviele b br'iik'e gegeben. Ter eine n einer Tanschlebrer *) Tie vom Archiv der freien Hansestadt Bremen frenndlichst vorgenonimenen Rachforschnngcn haben m folgendem Bericht An las; gegeben (19 9. 90): f,„ .'fahre 1919 war Wilh. Irr. Rnperti Lehrer der (beschichte an der Hanplschnle. Rach seiner Biographie ist er aber Bredigtamtskandidat nicht gewesen. Als der freund des iti Lazarus Memoiren erwähnten Antiquars dürste vielleicht der Bostsekretar f. (5. BL Brosch, Beamter bei der Thur» und Taris scheu Post, in frage kommen, da kein Raute eines anderen Post' beamten im Adreßbuch 1919 mit P. beginnt. war ein Primaner., der;weiie, ein slandidat**) des Prediger v slandr's,;»r it Lehrer der (beschichte am iRnnnaiinm in Brenien: der interessanteste nnd sehr bald mir gemütlich »abegetretene dritte ivar ein Heidenmissionar, ivelcher leider wenige .fahre nachher ich glaube in Südamerika verstorben ist. ,fl»n verdankte ick» die nähere Belanntschait mit den religiös erregen aireiten Bre mens »nd zwei Empfehliingen nach Brannichiveig, welche mich wiederum mit den Herrnhutern in Berbindung brachten. Meine bis dahin sehr dürstige Renntnis d.s Ehriitentiims und des (tunt lichen Lebens wurde dadurch sehr bereichert, nnd ich hatte zugleich das >91,ick, beide in den scharf ausgeprägten normen und von der edelsten Teile kennen;u lernen. Tehrivald, der Missionar, ivar zugleich Landsmann nnd fngendjreund des Tr. Herzseld To sriedlickie nnd erleuchtende, obwohl energisch gesnlirie Religions streitigkeite» ivie die nnfrigen ha es ivoltl ielten^aegeben. Treimal wöchentlich ging ich zur Ttadt, um je meine Ttnn den;u geben und zu nehmen. Ter freitag ivar deshalb derjchwerste Tag, weil ich, ans einer mir »och jetzt nnerklarliche» Marotte, die ans meiiier .(iindbeit erinnert? <9en>ol>nheit der Tal mndjünger ausnahm, die Tonnerstaguachte durch;,tarbeit.« und sie mit Talmndstndien und der Borbereitnng ss,r den aktiven nnd passiven Unterricht anszntüllen. 9«: Ttnnden anüe, dem 'Bett. Hinweg und Heimkehr zu fuß, , aber auch welch erquickender Tchlas dann in den freitagnachte»! Tonnabend und Tonntag waren der philosophischen Lektüre gewidmet . . .;>» den eigentlichen Arbeiten gesellte iidi im Ber Kaltnis rn einer .(kürze der ''eit nnd der geringen R'iie ein nn gewöhnlicher Reich'nnt persönlicher 'Beziehung. Ta ivar vor asleni der Antiquar Herr v T ... Bei ihm lernte ich auch seinen einzigen näheren Bekannten kennen, dem ich i hr bald „ti> B'-niedi gn»g und Berehrnng nahergetreten bin. Beamter bei der Thur» nnd Taris'che» Bon. wenige Ttnnden am lirt) luidioitint lebte de, alte P,**> einer der 'chönsien. ,hochae>vachie»sien. iveiszhäupiiaen t9reii'e. meist seinen religiösen, kontemplativen Ttndien Tnrch B mar ich e.n>' rn ei','"' alten rrbiinde'en Bla,,»' gekommen dem ich die letzte .feit in Bremen wöchentlich;>vei oder drei;nal eine Ttnnde vorlas, meist rus rrligionsphiloioplntchen Büchern, über welche er ans den, Tchatze seiner »enninisse nnd eiaenen Rach denkens gern und fliehend sprach Tchlienlick, mns; ick, einer Tvt'xjh gedenken, die als ein pkpchologische? Bliänoinen mir nicht blop, damals erschien, sondern -auch heute noch erscheint. Tie kinderlose BTinve eines Ololdschmieds. den, üe an» den, Ellas; nach Bremen gefolgt war, führte sie schon 'eit ein', Reibe von .fahren selbständig das offene und riemlich niiit'angreiche ölei'chgft, nur von (Gesellen unterstützt. Religiös erregt nnd nnaemein ivohltätig. »rar sie ein sehr beliebtes und g'elirtes Mitglied der frommen Kreise. Tnrch Tehrivald ivar ich ihr deshalb bekannt geworden, weil sie. die aan; spezifische Ehristin. .-ine staik-ansaesvrochene. bei ieder Olelegenlieit beivälirte 'Vorliebe für das alte Teflanteiil und die Bekenner desselben b-a:e Auch »iil>: ein Tchatten von Be kehrnngssitcht trat bei ihr so'»»l>! im Berkelir mit den jüdischen svamilien. den sie von jeher pflegte, als auch mir gegenüber hervor, obgleich ich nicht >"en-ge 'Ttnnden mit überivieaend biblischem <9e sprach bei th^ziibiingen »nd allerlei Art von Beinnuernna erkah reu mnszte. T niebeN' aber ivar sie Mit nnanthörlich v,'n Bii'ionen und H.ilnzinationen hoinmehtdit od-> vielniehr beglück: . . . Rnr »och-einer Tatsache »nn; w> gedenken, für welche mit alle, dings ka»in d,s Berstaiidnis finde» lüfzt. wenn. man nick» die dantaliaen efustäi'de der .fnden in, Lande Hannover kennt. Es ivar nämlich in vier bis >,>">' -roneien geteilt welchen für die anden ein Landesaltester vornand. ,fn der Trostei Titde herrschte dicker damals ni,i' -chier »»„'»nlirankte,^ 0>ei».ilt -ILährend der Anwesenheit desselben in Haited: zun, Cit.r'.it Int:?' ich aneder einige gottesdienstliche Redn, ael"l:en und allerlei theologische »nd talnindi'che iüei'vräche mit ihm geführt,, der tick, rühmen durste, ein Enkel des Berfaners des „lüranateiiparidiefes" zu sein, des **) M. Lazarus, Ans mcincr .fügend (l99>).