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Jüdisches Gemeindeblatt · 1931-06-15 · 12 (15.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1931)
Issue
12 (15.6.1931)
Date
1931-06-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ju btm auch dies« Art von Jugenderziehung organisch gehört. Anders ui der Großstadt Warschan. Hier kommt nun mts f«r »wderiieil HerjleUcrweil, aus der 'iikU der (>alnUiii, des .Minos, des Aadios. und man glaubt, in ein «Mespenslerhans 5« neun, tuinnltiiaiisch bcivegl über Prvblenien eines andren Gebens, .ich habe den gleichen li'iiiinnrf solcher Anomalie auch an anderen wildern gewonnen. Ich sah einen allen orthodoxen Inden, gehn»« in den ganz geschlossenen skasian, alles nach Vorschrift, nnö er trug an eurer -Stange »der die schütter seidene Tameiilombiil.itlvns; ssiirc Frau trägt iroch den Scheitel, ihm aber hingen buntjarbig die Hemdche» nnd Höschen über den schwarz und streng umschlössenen Rucken. Es war ein groteskes Bild. Ich sah im .Mma die Eröffnungsfeierlichkeiten der großen Ieschiwah zu Lublin. Ta wurde mit einem Sioslenanswand von zwei Millionen ZIpty ein prächtiges Gebäude errichtet, und alles, was Bolen an rabbinischen Größen birgt, ist zur Eröjsiiung herbeigcjlrvnit. Rcb Leivin aus Rzesczow sehen wir schon im Zug ans der Fahrt nach Lublin. Israel Friedmann aus Ezorlkow wird wie cur Fürst von den Gläubigen eingeholt. Bor dem Äerer Rebbe, der in einem kleinen Panwwägelchensitzt, öffnet sich ehrfürchtig die Mcnschcngasse- Und als Obmann neben dem polnischen Woiewode», der natürlich, nicht fehlen darf, wo sich etwas Orthodoxes begibt, füngiert Rcb schapira aus Pictrkow. Ich verspüre auch hier die Anomalie, und es ist hier eine doppelte. Einmal die zwischen dem Targcslelltcn und den Mitteln der Tarslcllung. Man stelle sich das im .Mino vor: cs geschah exakt zwischen Harry Liedlkc und den Wundern des Schneeschuhs. Tann aber auch die Anomalie zwischen diesem Prachtoau und diesem Gepränge über dem schwarz und streng u»ischlojsenen Rucken der Lehre. Ich kann mir nicht helfe», cs crlnnerte mich an den frömmelt Mann, der Tamcnhvschcn handelt. Ich sehe in diesem großen und koflspieligen Icscliiivahgebändc leinen Triumph der Lehre, sondern ihren schwanengejang, fondern den Versuch, eine ihrer Ratur nach abseitige Welt, über die sich, sie exdrückend, immer enger schon eine andere, eine heutige spannt, mit den heutigen Mitteln dieser anderen Welt zu erhalten. ES wird auf die Tauer nicht glucken. Und wenn ich ehrlich sagen soll, welches mein erstes Gefühl tvar, als ich in den stickigen Räumen vor der im Lernen schwingenden Jugend stand, so mutz ich gestehen, daß zunächst alle Instinkte des plattesten, seichtesten, großstädtische» Rationalismus in mir wachgerufe» wurden; daß es mir leid >var um diesen ungeheuerlichen Verbrauch von geistigen nnd körperlichen Energien, verwandt auf die Frage nach dem Ei, das die Henne anr sabbat gelegt hat. Es war nur das erste Gefühl. Und ich brauchte, um weiter zu kommen, nicht einmal aus irgendwelche .Mcniuiusse zu riickzugreifen. die mich über die cminentc historische Bedeutung dieser Art religiöser Erziehung schon hinreichend unterrichtet hätten; ich brauchte mich nur an den Besuch in den Warschauer Elends», quartieren zu erinnern und mich zu fragen, was ich da verspürt haue und was ich in einem gleichen Milieu etwa des Berliner Vördens verspürt hätte. Wenn ich mich unter diesen Warschauer Existenzen auch nicht eine Sekunde fremd und durch nichts abgestaßen suhlte, so lag es nicht daran, daß sic Blut von meinem Blut sind — was zwar zutrisft, aber in seiner Auswirkung so vag« ist wie die Behauptung —, sondcrn daran, daß diese. Mensche» noch im äußersten Elend in der geistigen Well ihrer Religion wirklich leben, sic stehen unter wirtfchastlichcn Bedingungen, die ganz weit unter denen etwa eines deutschen Arbeiters liegen, aber sie habcindas Gesetz, das sonst als Folge solcher Bedingungen auch den äußersten menschlichen Tiefstand aufzwingt, durch ihre religiöse Erziehung aufgehoben. Roch der letzte von ihnen ist ein ,,Reb Iid", und das heißt ein Mensch, der von geistigen Lebensgcsctzen selbst dann, weit» er sic rzoch so äußerlich akzeptiert hat, wenigstens weiß. Und das gibt ihm eine menschliche .»altnng, durch die das Milieu, in dem er sich bewegt, eigentlich immer nur als zufällig, als vorübergehend, als morgen schon veränderbar erscheint. Vor diesem Gesichtspunkt tvird die rationalistische Betrachtungsweise absolut hinfällig. Und man sieht das für uns so veraltete und befremdende Schulsystem dann doch mit anderen Gefühlen: mit einer bewpnderndcn Ehrfurcht und einer leichten Resignation. Einer Resignation, weil unabhängig von der Bewertung doch die Erkenntnis bestehen bleibt, daß die Orthodoxie auchTm Osten, und sei es noch so langsam, ihrem Ende cnlgcgcngcht. Was ein paar äußere Bilder als den unüberbrückbaren .Monlrast zweier Welten enthüllte, die ans die Taner nebeneinander nicht sein könne», werden wir ganz begreifen, wenn wir uns klar machen, welcher tiefe Umwandlungsprozcß im östlichen Judentum schon vor sich geht und in immer steigendem Maße vor sich gehe» wird. Wir hatten diese kleine Landstadt, in der die Inden sich als reine Händlerbcvölkcrnng dargestcllt halte», als sozusagen historischen Ausgangspunkt genommen. Tatsächlich hat auch bei ihnen erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts eine soziale Umschichtung eingesetzt, durch die sie sich der Wirtschaft ihrer Umgebung etwas mehr annäherte». Und eS scheint, als ob dieser «jetzt ztvangSläufig zu einer schnelleren Entwicklung kommt, er das Wirtschaftliche hinaus zu einer Veränderung des gesamten jüdischen Lebens führen wird. Die Uebcrsnllnng des Handelsberufs, fik*Sic wir in »nserem Landstädtchen bereits ein.kleines, aber charakteristisches Beispiel gesehen hatten, ist mit ein wesentlicher Grund auch für die elende Lage der jüdischen Stadtbevolkeruna. Jakob Leslsehiiisky hat den Versuch gemacht, den Umfang dieser Uebcrsctzung des jüdischen Handels zu berechnen. - Es ist klar, daß jede derartige Berechnung mit äußerster Vorsicht vorzunehmen und aufzuilehmcn ist. Denn - e:ne Feststellung,/ilße^glr'i:- der V.':'-B,i,m ip:>: K W:.: '.bau «-g.-i-tIg, «ein bar, >>., ' - V. --1 r: : .KuUiiia'it, .■ .1. -a . . / '. e " . Jeder B. >g.e:»h ab.- muß d:e 1:. 1 \i O. - n;• :eu in bezug aut 0.,.- oa.bandene Ae:!;r. nev. . .0 .'A.-g. -. ,z d.iücie». d:e.Mo!:A>nna»:g!er: der Beüo.l.rnne.ei'. und n;e'.e and»:. M»,mente be'.iickii.n.nei:. >>»:»' . Bl:ß>:abe cn.eaai. d-e- >>>b ea:e. völlig ex.,I:em Bere»i>:::ing e»:;:A»zn. Ekomm: btuzn. daß P>-;<:- selbst wobt ein iia.i:A>b . :nhe:i.,aber ii':it'»b.i': ab lm. ii v.: 'chieden.nriges B:ld b:e:e:. Leiialnnsüi ha: alle o:e:e Ja!:.-:.:: 'mit großer Torgial: gepr»':. Tcondem ioll. wenn je,:: I,:.. -e::i Ergebnis zitier: »".cd. mehr e:n B:'.d vermi::e.: als. eine .r.ik:e Iaht gewonnen werden. Ec lia: ,ils normal die 'große des Bec leiliingsappacates zugrunde gelegt, der in den oIku;den «gebieten vorhanden >>i. Tan.nb dnu'ie es in .Moiigießpolen. «g>- lizien und den Randgebieie» zusammen L:'7Hand>.snn:e>neu »Hinge» heben gegenüber .l-!:»i, ,nb:. Und das beißt, daß es nahezu Ir'»«n>«> zuviel gibt. >ui diei.n I i'u i"■>• sind etwa!«'>«>>»>«> Menschen beschasiigi. Run gibt es in ganz. Polen -'>>«« <»»f im Handel tätiger - Menschen, von denen Anden sind. Tie Halste von ihnen ii>^ demnach nr tln:e>'ie'i ninngen laiig, die N'irti.hasllich nbeistniiig sind. Tabei und in.i nur Uiiieriiehninngen beruckintnigt, bie über ein Baten, veciug. oder, li’ie mir sagen nmcden. haiidelsgeriitnli.li eing.li-ige» nnd glicht becinküchligl ist also eine breite Tcbi.Iit l-on nieleg.»bei. Händler» nnd Lnslinenjchen. deren n'inich.iiili.ne tlet>e:i!ni»g:>:: nicktt statistisch enviesen zu weide» branckn. Tie genannten, zsalilen, gleichgültig, ob nun gen^» zn nelnnen oder im1U. lyl.a'ti doch das Bild, da-.- ji.ch schon denc sinnlichen Eindcu.I ans T.lnni und Trin ristlilieszi. Man kann sich über diese eijchnilernde Tatsache auch >»>>.» mit der Hofsnnug yimveglrvjieii, daß mit de> iveiie'.en Eniw»! lnng der polnischen WiUsch.isl, insbesondece ilner .»ndnslne, an.I> eine Vergrößerung ihres Handelsappar.ites e>sc»derli»I> ivelden und dainil eine Besjeuing der jndijcheil Willitlmflssiiiialion ein treten lonnie. Tie Tinge verschlimmetn sich ans verichiedenen Grüllden iui Gegenteil zusehends. T>>-.- lieg! einmal dacan, »-.iß die Polen selbst in dem Maße, in denc ihre Witii.baji sich in dnslrialisiecl, auch die Elemente nuier sich hecanbilden, di»^ >»> sl.inde sind, eine eigene H.indelsll.isse darzujlellen. T.liou beim Vergleich verschiedener pvlniiähei Bezicle uiileiii.nidec eigibl >>ch, daß die Juden in d»n> iiid»slci.ili>ieii»n Bezillen an Boden vec lieren. To slellen sie, um mir ein Beispiel .iiiznfnlueii, in dem »rgrarijchen Pinjk noch '.»> Prozent allei Handle», in 'koils.ban i>nr mehr Öi Prozent. Als zweites Momein tvinnu dec poinij.tie Elatisnins in Betracht, d. l>. das U.beigceisen des Tiaaie.- in die Tpliare der privaten Wicl>»l>asl. Ter pvlncs.be Ti.i-n hat Tabak, Brannlivein, Jucker und Talz z» Tlaalsmonopolen g. m.ichl: er ist iveiler dabei, viele .siidnjirien inner Beieilignua der Regiernng zn laclellisiecen. Rn» ivijien nur bereu> Tenijehl.iiid, baß jede Einengung de» Tph.ice inoividnelle» Wni schasi, vl> sie nun vvn Tl.i.ils ivegen, geiivssenscliaiNnli oder dnc.li .Mapiiallonzeinraiion vor sich gehl, pcallijch eine I.nimldcaiignn.i des indischen Wirixchajlseleniems bedeniei. An Polen ges.lii.li! das sogar ganz bewußt. Wie die jüdische Arbeit, einige ianiend seelen', ans der Tabatindujirie verdrängt wncde, so >sl der Tl.cal natürlich auch veslcebl, den von ili»> lonicolliecieii vandel-appa rai jiideiireii, zu mache» oder zn erhallen. Hiecbec gelioix in - besondere die Berdraiigiiiig ans dem man tonnie jagen jüdische» .Monopol der Tcha»I>o»;esiio»e». T.hlieszlich »ins; m.i noch aus die Eiiljiehiiiig der bä»e>Iiche» Ein lind M-».!.,,;! genosjeiijchaslen verwiesen iverden. Tie habe» >h>en .vanpieii,',.! da, ivo das, iviclsebasuiche Momei» sich mit den, iiainnialeii ve: bindet, also vorwiegend in dec Utcaiue: sie dcen.nc hier gt.ia- '^ilig als organisaiocisches Mittel der nationalen Pcopaa.ruda, die nicht gegen Anden gelichtet iji, si.li »bei gegen ne >n>-nn>li und mit der forischreiieiideu r rgaiiisietmig i»ime>!vei:e, a» wirken ivird. Als letzte»-, besonder-.- eiiiieliiieidende.- g'.ß'meni lomini die 'Bejchräiiliiiig der An-.-ivandelniig-.-beivegniia in Ae lracht. Bor dem .Mciege Iial die Emigiaiioii „i.bi »ar den g> sanilen natürlichen zsnwachs im Handel aiisgeiioniiiien, imide»n noch darüber hinaus Plätze frei gemacht, .'ein, d. Ir. >e>i de« ainerilanischen Onviengejebgebung, lvicd nnc noch einm die Halire des il.iliirlicheii Hgiivaelnes in, Handel von dec An-.-w-ind»inn>: alisorbierl. Es ergibt si.li ans allen diesen Momenien, >' >g die Lage des jndiiehe» Handels, also desjenigen Eliverb-.-zlvez.iei-. in -dem dnrchschnitllicki in einzelne» «gebieien n.iinilnli viel mvln - - :;.'i Prvzenl allee Eiiverbsialigeii bej.Iiasligi sind, »i.ln m>> jetzt schon in hochsle», Blasze prel.n isi, jvnde>n in inniiel nei gendem Maße sei» wird. tFortscvung folgt > jüdische Nachrichten. E>roße tUlnögcbung öcs CcrttcaUL'crcints in t'cr Dciitfciifn lIcitieiusstcllung. - flnfprrickc Ludwig 6vtlcint>ers. Berlin ' ,v i bl T er : and, -cß Am 0- . ti.i de> Eemralveceio - deniicl»: 'i»>ci sci.ge. in-'iai.i- -t.i id.n v> eannalieie am Toun.r' tag. o> n .B. ."la>, u . l-mnta nn Haiiie ..:l>in>i oe> Frauen ' au> o-,e Tems.lc.n .nana.etluo : eine .Mnndgebiing. die' nngeme>» eindcu»l-volt vertc.i .

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