Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-12-15 · 23 (15.12.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
23 (15.12.1930)
Date
1930-12-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4916913-5966049-5966105--388-4917260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von jeder frommen Frau nach Kräften geübt. Jede war, wenn cs sein mutzte, Krankenpflegerin, alle Gemeindeschwestern. Lehr beachtenswert ist eine weitere Leistung mancher Frauen, die unsere höchste Achtung, ja Bewunderung verdient. Als sich bei Beginn der neuere» Zeit die Juden verschiedenen Gcschästszwcigen zuwendcn konnten, da übernahm zuweilen die Frau;n allen ihren häuslichen Pflichten und der Erziehung der Kinder noch die Leitung des Geschäftes, machte sogar Reisen $»m Einkäufe der Waren und besorgte den Verkauf, aber nicht'; damit der Mann, wie einst die alten Wcn|witcit, auf der Bärenhaut liegen konnte, oder weil s i c dazu gezwungen war, um sich und ihre Kinder zu ernähren, da der Man» seine» Verdienst im Wirtshaust vertrank und sich um den Unterhalt seiner Familie nicht kümmerte, wie cs heute — freilich nicht in südischen Kreisen — vorkommt, sondern damit der Mann völlig ungestört sich dem Studium der Gottcslchrc hingeben konnte. Manchen werden noch aus ihrer Kindheit derartige Fälle bekannt sein, oder sie werden vielleicht durch Erzählungen oder aus der Lektüre von Schriften, welche alljüdisches Leben behandeln, von dieser Betätigung der Frau erfahren haben, wie sie heutzutage freilich hier nicht mehr vorkommt — in den östlichen Ländern wird sic wohl auch jetzt noch nicht zu den Seltenheiten gehören. Mithin waren soziale Arbeit und berufliche, geschäftliche Tätigkeit der jüdischen Frau eigentlich durchaus nicht fremd, und es widerspricht weder dem Geiste des Juden-, tums, weder den Pflichten, welche nach jüdischer Anschauung der Frau obliegen, noch den Geboten der Religion, wenn unsere Frauen und Mädchen, dem- Umschwünge der Zeitverhältnisse folgend, sich neue Aufgaben und Ziele teils in selbstlosem Humanitären Wirken zum Wohle anderer stellen, teils im eigenen Interesse, um sich unabhängig zu machen und selbständig ihr Brotzu verdienen, sich einem der viele» durch das moderne Leben geschaffenen Berufe zuwendcn. Nicht das Arbeiten in irgend einem für sie geeigneten Erwerbszweige ist unjüdisch; aber unjüdisch wäre es, zu vergessen, daß es die erste und nächste Pflicht, der eigentliche und schönste Beruf der Frau ist, als Gattin und Mutter beglückend und selbst dadurch beglückt zu wirken. In der Häuslichkeit, in der Familie bietet sich ihr ein reiches Feld der Tätigkeit und ein gesegnetes, auf dem die schönsten Früchte erblühen, ihr, dem Gatten, den Kindern und da auf dem Wohle der Familie das der Gesamtheit beruht, der Gemeinschaft, und der ganzen Menschheit. Wer ohne Vernachlässigung dieser heiligsten von Natur und durch die Religion dem Weibe gewiesenen Pflichten sein Wirken erweitern kann, erwirbt sich doppeltes Verdienst: aber es gehört dazu Mutze und Talent, Wille und Befähigung, Uneigcunützigkcit und Opferfähigkeit. Möge es der jüdischen Frcku nie daran fehlen! die U.(d.H.H.-Logen unü üer Zrie-ensgcüanke. , Von dem wachen JnterLsse für das Friedensproblem und den ständigen Fortschritten zeugen die jüngsten Friedensabende der Bnei Brith-Logen in Berlin. De» Anstatt bildete ei» Vortrag in der Julius Fenchel Loge über die jüdische Friedensidce von Rabbiner Tr. Salvinouski, dem eine Ansprache von Tr. Alfred Rassig folgte. Am 25. November luden dann die Julius Fenchel und Montefiorc-Loge zu einer große» Ariedensveranstaltuug. Ter Festsaal desLvgeuhaujes in der Kleiststraste war überfülli. Tie Leitung der Loge» war von dem Gedanken ausgegangen, dag cs für die Verbreitung der Friedeusidee sehr förderlich sein wird, wenn auch prominente Vertreter e anderer Kvnsejsione» vor einem jüdischeii Publitum ihre Anschauungen über diesen Gegenstand entwickeln. Im Mittelpuukl der Veraustaliuug stand daher ein grvstaugelegter Vortrag des gefeierten Führers der katholischen Friedensbewegung. lPaler Franziskus Stratman». In seiner einleitenden Ansprache machte der Präsident d^r JuliuS -Fenchel-Loge, Tr. Arthur Wilde, die Amveieude» mit dem Wirte» deS Verfassers des erjolgreicheu Pert.es „Weltreligivu und Welt friede" näher bekannt. P. Stratinauu sprach über die Fricdensverträge im Lichte der Religion und Ethik. Mit meisterhafter Bcherrichung des Gegen ftandeS wies er zunächst nach, welchen' Fortschritt in der Ent lvicklulig des internationale» Rechtes und des internationalen Willi. Woliiiiunii ‘Uhrmacher und Juirvlivr ißremen Ostertorssteinweg 12 Huf DomsheUlc 27360 Uhren. Gold- und Siiderwaren. Trauringe, Bestecke Kiitene Reparaturwerkstatt. Xeuanfertittuiut Trrhauiitirlli' drr SnilM« '(Ihren I AUFRUF! Wenn durch die katastrophale Wirtschaftsnot I Dein Bruder neben Dir zusammenbricht, wenn § £§ Deine Mitmenschen vor» Hunger und Kältege- D 1 plagt den Lebensmut verlieren, dann hilf, f §. ehe es zu spat ist I 1 1 Jüdisches Wohlfahrtsamt Bremen I — Gartenstrafye 6 Ruf: Domsheide 28588 =. | PwiacneuH.. notnourg 5&69S - Bank, uarmsidu ei u. naiio»aioai.K .fiimillllll.itlllli.... Gewissens der Loearuv und Kelloggpatt bedeuten. Während früher der Eiuzelstaat m souveräner Weise über Krieg iind Frieden zu ent,aie>oen Hane, ist nun ein groster Voliertreis ziim Wächter des Fricoens geivoroeu. Poin Etauopault der Re'li gion und der SiUlichleit aoer sind die>e Vertrage, ebenso wie der Vvlterbuudspalt und alle bisheiigeu Abruitiingsabloinmen noch völlig iiiigenilgend. Jeoer die,er Ve.träge lasti noch Hinter lüren jur den Kneg ollen, und alle iveroen sie durch die Tatsache, da>; die Staaten gleichzeitig zum nächsten, Krieg rüsten, illuivrisch. Nicht nur die Knege, auch die :i»nstü»gen müssen x geächtet werden. Ter Staat »um endlich allen ernstes die Sache des Friedens in die Hano nehmeii, die letzt nur diuä) moraliiche Mächte vertreten wird. Solange dies aber nicht geschieht, uiulie» die Religionen alle ihre Kralle ausbieteu. um die Veslieoung der Welt vorzube»eilen. Jede Religion hat e,n Zentrum und eiile Peripherie. Tas Zentruui aller ist der Filevensgrdaule. Teshalb ist die Lv>u»g berechtigt: „2er Friede der Well durch die Religionen der Welt." Zum Schlüsse ging der Vortragende auf die ihm wohlbelauuteu Leistnngeii der indischen Friedens beweguug ciil und hob be>onders die Bedeutung der Freiwilligen Jüdischen Friedenssteuer hervor, die er als eine auch i»i die anderen Belenutuiiie vorbildliche Etuiichluug bezeichuete. Im Auschlust an diesen Vortrag, der Beijallsstürnie ent fesselte. lennze>chneie Tr. Georg Heilig in einer aus tiejeiii jüdischen Wilsen jundkerten und von echier Vegeisternug durch zitlerieu Rede, das Verhältnis des Judeutums zum Friedens gedauteil im Laute der Jahrianieiide Tie F>iedens>vec ist uraltes lüdijches Kultnrgnt. > Hieraus ergnsf der erste Vorsitzende des Jüdische» Frie deuSbuudes, Tirettor Osear Wasserinaun, das Wort. Er betonte, das) auch voiii Staudpuulte des Staatsmannes, der prall,iche Friedenspolitik treibeu lvill, die Fricdenswijsenjchajt. welche P. Stratmann vertritt, von groster Bedeutung ist. Mau tau» den Staaten nicht ziimulcu, dast sie aus "all. das verzichten, was sie früher nur durch Kriege erreichen zu tonnen glaubte». Tie Friedenswisicnschast weist die Wege, aus denen die Staaten ihr Recht erlangen tönnen, vhiie zur Gewalt zu greisen. Ebenso wichtig sei der Hiniveis P. Siraimanns aui die jinanziellen Grundlagen, deren die jüdische Ftiedeusbewegung nicht ennaien köiitze, wenn sie ihr Ziel fördern soll. In ähnlichem Sinne sprach zuni Srhlust der Mentor, des Verbandes der Berliner Logen, Tr. Josef Hirsch. Tid Mil glieder der USBB. Loge» führte er aus sind die^be rusensten Träger des Friedciisgedanlens. Au ihnen ist es daher, auch für den plastischen Hebel zu ihrer Förderung/ die frei willige Friedenssteuer. sich einzuietzen. Jeder Bruder miistle diese miniinalc Steuer entrichten »»o sjir sie werben^ Ter ungeincin lehrnetche und wirkungsvolle Abend endete mit einem feierlichen Schlußwort des Logeiipiaiidenieii Tr Wilde die jüdischen Wahlen in öerlin. Starkes Anwachsen der liberalen und volkoparteilichen Stimmen. Schwächung der Mittelparteien. j Tie Berliner jüdischen Wahlen vom HO. November brachten von ungefähr 130 000 Wahlberechiiglen setwa öOUO Wahlberechtigte, die ihre Wahllegitimatione» wegen Wohnungstvechjels und aus anderen Gruudeii nicht bekommen hatten./bleiben autzcr Betracht) 77 Girl an die Urne, das bedcniele eine Wahlbeteiligung von zirka »0 Prozent. Ein deiarlig starkes Jnleieiie a» itidi>>hen Wahle» ist;»»> ersten Male seil dem Bestehen ver Berliner Jus dischcn Gemeinde sestznslrllcn. Von der Gesamtzahl der abgegeben neu gültigen Stimmen ltOl Sliininen wurdeu »ugnllig erklärt) erhielten die Liberale» 11701, die Volkspartet L.7 5L0, Mittel- Partei 177*», die .Konservativen l:!!it>, die Poale Zion l'.ill, die u rutsche Liste l:!1l, die Klal Jisrocl ll:i, die llcberparlci die Positiv Liberalen 7Ll, der Tcnivkratijche Block ll!> Stim men. Tcmgemätz erhalten die Liberale» Ll Mandate, die Volks Partei I t Mandate, die Miltelpartei k Mandat, die Poale Zivn l Mandat »uv die llcberpartei I Mandat. Zum Vergleiche seien die Wahlergebnisse vom 10. Mai l'.EO angeführt. Tamals er hielten die Liberalen Rl LäL, die Volkspartei 10 370,- die Mittel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.