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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-08-15 · 15 (15.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
15 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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in Fühlung. Er Hütte dem Parteivorsitzendcn Koch-'Weser milgcteilt, daß sein Gesundheitszustand ihm eilte ernste spipcnkandidatur in seinem Wahlkreise Thüringen nicht gestatte, er hatte sich aber bereit erklärt, auf der Rcichsliste zu kandidiere». Dr. Ludwig Haas wurde am 16. April 1S75 in Freiburg geboren, hat also ein Alter von 55 Jahren erreicht. Er war einer der angesehensten Rechtsanwälte in Karlsruhe, seit 1912 gehörte er dem Reichstag an. Bei Kriegsausbruch ging er als Freiwilliger ins Feld und erwarb an der Front sehr bald das Eiierne .streu; zweiter und erster Klasse. In den lebte» .stricgsjcihrcn war er eine Zcitlaitg Leiter des jüdischen Dezernats bei der deutschen Zivil- Verwaltung in Pole». 1918 war er i» der badischen „vorläufigen Bolksrcgierung" Minister des Innern und stacitsrat. 1919 wurde er in die Verfassunggebende Deutsche Rationalverjannnlung, später wieder in den Reichstag gewählt. Er wurde einer der aktivsten Führer des Reichsbanners schwarz-Rvi-Gold. Er^ gehörte dem Hauptvorstand des Eentral-Bcrekns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an nnd stritt bei jeder sich bietenden Gelegenheit für jüdische Ehre und jüdische Bürgerrechte. Nachrufe ber führenden dentschcn Presse.- - Die führende deutsche Presse widmet Ludwig Haas ehrende Nachrufe. Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: Allen demokratischen Men schen Deutschlands, über die Pcirtcigrenzeu hinaus, allen überzeugten Gejiunuiigsdcmokrateu wird das scheiden von Ludwigs Haas in diesem Augenblick schmerzlicher sein und bangere sorge er wecke», als das zu anderer Zeit der Fall wäre. Bielen deutschen Menschen wird er in. seiner selbstlosen Hingabe, in seinem leiden schaftlichen Bekenner- und.stämpfer- und WirknngSwille» für den deutschen Bolksstaat, für sein nnd unser Baterland, -ein lebendiges Borbild bleiben. Ludwig Haas war Fnde, liberaler Jude, stark seines Jndentums sich bewußt. Für sein Bewußtsein war es keines gewaltsam hcrgehollc historische .stvnstrnkiio», wenn er immer wieder daran erinnerte, daß ein Großteil der deutschen Fudcn sei! tausend Fahren mit diesem Boden, vornehmlich dem Boden der deutschen Rheinlande im weitesten sinn, verbünde» und verwachsen ist, nnd daß selbst die i»> Mittelalter ans Dentschland vertriebenen Lttjiiden an ihrer damaligen dentschcn sprächelebe» a» der mit tclalterlichen Form des Jiddisch) treuer festgehalten haben als viele nichtjüdischc deutsche Auswanderer es fertig brachte». In ,,Berliner Tageblatt" schreibt Ernst Feder: Mit Ludwig Haas scheidet einer der besten aufrechten Männer? einer der reinsten und vornrhmstcn Persönlichkeiten der republikanischen Demokratie. Für diesen Man», dem die Demokratie nicht nur suche des Gedankcns, sondern des lebendige» Milsühlens nnd Mitcrlebcns war, stand die Idee des Rechts und der sozialen Gerectitigkeil im Mittel- Punkt jeder politischen Arbeit. Bon dieser Zentralidee ans kärupfie er für die Glcichbercchlignng Villa Staatsbürger, aller st lassen nnd schichten, trat er i» Deutschland und im Ausland für die Annäherung und Berständignng der Rationen ein. Auch im Reichs bn»d jüdischer Frontsoldaten stand dieser -Haiiptmann in der vor dersten Front. Für den demokratischen- Gedanken, für die Eni Wicklung der parlamentarischen Republik, f»r die deutsche Ration, ist sein Tod ein herber Berlnst. Wie ans Karlsruhe telegraphiert wird, ist in Baden die Trauer, um Ludwig Haas allgemein. Als Mensch wie als Poli liker genoß er in ganz Baden außerordentlich hohes AniehS.n. Auch seine politischen Gegner schähicn seine von Fdealismns gcitragene Selbstlosigkeit. Tic gesamte Presse Badens bis zu den Blättern, W\tf Offerten kostenlos! UleserheizungsuierK in.B.H. Bremen,Feldstr.13 17,Hansa1912u.5119 Heizungsanlagen jeder Art und Grölje oie an.-gesprochen recht-.- siche», geoenl: i>> .rusitilirlichen Rachrusen des Wirkens des Berstorbenen und eliune.ru daran, daß Haas es ivar, der in den Revolution-Stagen N'I> in::, Einsap des eigenen Lebens inr Leib nnd Leben der damal:gen gtoßherzoglichen Familie eintlat. Bei Ausbruch der Revolution wurde Haas vorläufiger Bolkskommisjar, Minister des Funern nnd damit zugleich Polizei minister Als am II. November l'.Heine Manolengtuppe Lchnne aus die sciiloßsaisade abgab.. e)l.:e Haas persönlich in die Eingaugshalte des Schlosses nnd webrie mit einer Abteilung sol baten den Angriis ab. Zugleich sorgte er für die unbehelligte Ab reise des Großherzogpaars. die deutsche Staatspartei unü üer Antisemitismus. Die in diesen Tagen ueligegrundete Tenltche staaispariei, in der sich bekanntlich die Demokratische Partei il»d die mit dem Fungdenlschen erden verbundene Bolksiialionrle Bereinigung mit einigen anderen Gruppen znsammengeschlojjen haben, ries wegen der Berbindnng mit der Bolksnalidnalen Bereinigung in einem Teil der Demokratischen Partei eine nnkl.rre und mr: Zwei sein beladene Borsiellnng in bezug auf die jnugdenische Btniho lvgie in Rasieitageu hervor. Fn der Abüimmniigsans'prache des demokratischen Parieiausschnsses iorderle der stellvertretende Bor jivende des Eentral Bereins Tt. Bruno Weil ein klares Bekennt nis, daß der Anli-emiiismns in de> neuen Partei keine» Raund habe. Anläßlich der Borgarige im demokratischen Parleia»s>ch»ß über die ne>E' staatspartei und ihre Stellung zum Annsemiiisnins befragt, teilt Dr. Bruno Weil der F7'A. »in: Tie neue Partei ist ans der Bereinigung der alten Demo kraiischen Partei mit der vor etwas mehr aisxFalnessrisi gegründeten Bolksnationalen Bereiuigung, einer Anzahl chlisilicher t>le iverkschastler und junger Bolksparieiler hervorgegangen 'Bei der Üatigehabte» Beratung des deniokraiischeii Parieiausichtisjes ist die Frage nach der Stellung der-neuen Partei zur Fndensrage mehr lach auigeworsen ivordeu. Tie Bolksnationale Bereinigung nininit an, sich Mitglieder ohne Unterschied des religiösen Bekennt nisses ans, sieh: aber ini personale» Zusammenhang mit dem FnngdentsclrenZ7rden, in dessen Besliulinung de» Arierparagraph enthalten in. Fn seinem Referat wies de, srnhere Minister'Erich .stoch Weser darr»' hin, daß der Bornveude -er Bolksnationalen Bereinigung es als Betlenmdung erklär! habe, iveiin man ihn des Antijemitismns beschuldige. Er selbst, Koch, werde unter keinen Uiuiiänden in einer Trgani'aiion ruinvirke», die irgendwie jnden feindlich sei. F» der Diskussion habe ich dann nochmals ans die Bedenken hingdwieie». aber gleichzeitig erklail, daß. wen» in der <'>esinn»ng der Boltsnaiionaien Bereinignijg eine Wandlung ein getreten sei, dies vom allgemeine» nnd jüdischen Ttandpnnkte a»s begrußt werden soll. Tie indische» Temokiaten schlossen sich de, neuen Partei in der -Hoisnuiig au, das; aitch die ans anderen Lg gern koniinendrn Personen sich von jedem Borurieil gegen Fnden frei fühlen und in der sicheren Erwartung völliger Gleichberechligung. Fm weiteren Berlgns der Tislniiio» »ahm eine ganze Reihe nichljndischer Redner, darnnier die Reiclist.igsabgevrdnete Frau Banmer und der Landiagsabgeordneie Glzirnef, in gleichem sinne Stellung. Die deutschen Fnden iverdeii es begriiße», ivenn in der Tal ein nul): nntvichiiger Teil des deutschen Bolle-:- sich vom 'Anti semitisintls abwendet. sie. arbe/ieii an der neuen Partei ver nanensvoll mit, in der Erwaltung, daß die gute aiadstiou der Teniokratisclien Parte: hier sortgesep: ivitd. P-- ist im übrigen noch;» bemetlen, das; der Fnngdentiche 'Tiden schon seit geranmei Zg'il i» hetugein Kamps gegen -Hitler und seine scharen nein „nd das; die nene Partei die Führung des Kampies gegen die national/ sozialistische -Bewegung übernehmen null. Ei» schreiben Ser staatspartei an den Eentral-Bercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. /Tie Tonische staatspartei riäneie a» den Eentral Beiein deütlcii.'r siaatsbnrg.'i indischen istlaubens das folgende schreibe»: ...Tie Deui'che s:aa:spir:ei hi: von votiiheieiii in. ilnem Anirrij und in den 7 arlegiingen ihrer Fuinet erllari. das; iie Vinte polilnclie nnd konsessionellenaherzigtei: nnd ohne Klaiienge bundenhei: ihre Tore me:: geossne: halt. 7-is ln zieh: sich »ich! nur ans d:e Mnglied'chas:, sondern ar»lr ans die führende» stcll nngen in de? Parier nr'd :n der k»ni:igen Fraktion. Einig rsl man sich nur darüber, das; den jnnaen .straften aller sclrichten eine iveitgtrliende 'Mütvirkung an der Fnhrnng e:ngeräu»i: nnd das; die T eritiche s: ra:.spar:ei ihre» W:llen entichlotien t'ur dre Berwirkliclntng der noiioendigen großen Rejormen ein-ehe» loird gez. .stoch We'et. ge; 7? Wiuschuh" Wirfärben und reinigen allce < iardi'rulu'ü in alle i l>e">tc i Ansfuhi uiu; KÜHLKE& BEHRENS I iilirik: lmliistriL-»tidltr 30!<>>!.,,„l 21 3j .3.3 l ldM>tge-e>Ir,rkl. > lc-rilc-nlcrr i> rrccc >-^ 33 l> 2e>rcvl I cere- AI>tioliinu mul /.nelr-Ilriirn

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