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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-07-02 · 12 (2.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
12 (2.7.1930)
Date
1930-07-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich , Das Jüdisch« Gemeindeblatt wird d«n Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt Nachdruck nur mll Quellenangabe und mH Genehmigung des Verfetten geitattet Vertaefori Maeasel Nr. 12 Bremen, den 2. Juli 1930 2. Jahrgang Erneuerung des jüdischen Religionsunterrichts. Die neue Prüfungsordnung. Po» Tr. Joseph Prager (Breslau). . Durch einen Erlas; des Ministers siir Wissenschaft, Muitft und Bolksbildung ist in Preußen (wie bereits kur; von uns gemeldet. T. Red.) der jüdische Religionsunterricht an den höheren schulen zu einem gleichberechtigten Unterrichtsfach geworden, das sich die standidate» des höheren Lehramts in ihren Staatsprüfungen so wohl als Hauptwie als Nebenfach wählen können. V Dieser Erlaß bedeutet nicht nur einen höchst crsrcnlichcn srorlschritt und eine moralische Stärkung in der Stellung der jüdischen Religionsgemeinschaft im allgememen, und nicht nur einen schönen Erfolg der seit fahren auf diesem Gebiete cingeseylen Be »inhuugen der maßgebenden reise, sondern er bedeutet eine roll kommenc und prinzipielle Acndcrnng in der Stellung dieses Uu tcrrichls. somit ergibt sich auch für jeden Richtfachmann, soweit er an der jüdische» Erziehung unserer fugend lebendig interessiert ist, die Notwendigkeit, die neu' geschaffene Liruatio» n»d deren vermutliche Auswirkungen etwas genauer dnrchzudenkcn. —Bonr jüdischen „Rcligio»s"-Unterrichl zu spreche», heißt — leider noch immer— Verlegenheit. Tie ttründe dafür kennt ma». aber man denkt dabei zunächst meist nur an die äußeren, sozusagen technischen Mängel, die diesem Unterricht leider häufig anhaste». den meisten Wemciitöc» wird er von den Rabbinern erteilt, deren Haupttätigkcit, und oft auch Hcrnpiinreresseii, auf anderen Teilen ihres vielseitigen Berufs liegen. Und auch wenn in den bsroßgemcinden „akademisch gebildete Religionslchrdr" Hauptamt lich de» Unterricht erteilen, so haben doch auch sic, cbenfo wie die Rabbiner bisher keinen oder nur losen Zusammenhang mit dem Lehrkörper der betreffenden schule, und die schüler empfinden sofort dicfc andersartige Stellung des Rcligionslchrcrs als eine geringere gegenüber den anderen Lehrer», und zwar auch dann, wenn die rein nnterrichtlichc Leistung dieses Urteil nicht rechtfertigt. Dieser „technische" Mangel wird »UN in Zukunft aufhörc». Der jndiselfe Rcligionslehrer wird zugleich Deutsch oder Englisch oder Mathematik unterrichten, wird Mitglied des Lehrkörpers sein und nicht durch seine sonstige rabbiniich«' oder anderweitige, außerhalb der schule gelegene Tätigkeit dem schüler als ein von außen kommendes Anhängsel an die schule erscheine». Aber das Problematische des jüdischen Religionsunterrichtes lag nicht nur an dieser technischen Schwierigkeit, schließlich gab und gibt cs ja genügend Rabbiner, die änch, wenn sie die Technik des Unterrichts nicht als Studienreferendare hatten erlernen kön »cn, do<l> ausgezeichnete Lehrer sind, sondern das wahre Pro blcm liegt in der ganzen .Konzeption dieses Unterrichts überhaupt. Der „Religionsunterricht" als folchcr ist ei» inpisches Produkt der Emanzipations- und Asiiinilatioiiszcil. Als man im Anfang des 19. Jahrhunderts die These der füdischeu Religioüsgcmeinichafl erfunden hatte, und, lwsonders unterstüht durch die von Napoleon in süddentschland und den Rheinstaate» eingeführte jüdische >ton sistorialverfassung, sich immer stärker das Bestreben zeigte, eine jü diche »irchc in getreuer Rachahmnng der christliche» Kirchen z» schaffen, als die synagogeü möglichst den >i,r>l>en ähnlich, der Rabbiner möglichst dem Pfarrer ähnlich gewicht wurden .einer der bekanntesten reformalorische» Rabbiner erwog damals ernstlich, ob nicht auch der Rabbiner seinen Doktor Titel mit I>. statt mit He. schreibe» müsse!», damals gehörte zu dieser jüdisch kirchlichen Ent Wicklung ei» Religions und Xonsirinatioiisiinierrichl, z» dem ipan sich, da es so etwas bis dahin im Ziidenlnui nicht gegeben hatte, sogar eigens einen jüdischen statcchismus anfertigte. Es entstand eiii vollkommener Dnalismus: im Leben, also erst recht auch auf der schule, war man Deutscher, Zndc war man mir in der Synagoge, also sollte auch der Unterricht nur zur Teilnahme an Synagogen Bcranstaltungen befähigen, keineswegs aber füdischc Menschen schaffen. Gegenstand eines solche» Unterrichts brauchten daher wirklich nur die „religiösen" Ti'ziplinei:. i^laubeni-lebie. Pflichtenlehre, t9ouesdie»sl u. dgl. zn sein, t^enbichie »nt liebrai'.i,. Sprache, falls sie überhaupt gelehr: wurden, waren nur 'on>e>: angebracht, als sie zum besseren Beriiändnis der rel-.gioien Be lätigung diente». Zm Lause der Z.eil schniol.', 'reilnli dre'e lffini: laiorische Theorie in der Präzis immer niebr zniannne», uns ülwn in der legten 'feil vor dem Kriege wir aus dein Reliaiousun:.: richt, wenigstens in der .Hvnd aller einigeimrße» von ilirei jndi scheu Beraniivorinng dnrchdinngenen Lelnei, das geivoiden. n>a - svran; Rosenzweig in seiner säirisi „Zeit ins" als die ..ielbii.w?:ge jüdische Sphäre" gegenüber der übrigen Bildungsioeli l>eze»l>nei und als das Ziel zum jüdischen Unterricht geioiden Ii.it. Jii.lii mehr die Erlernung eines irgendwie laiecheiis.b ioiiniilieiien L ln inhalts des Zudenlunrs oder einer Anzahl Innoii.be> und lalen darischer Daten der jüdischen «beschichte und des jüdischen ...niichen lcbens" sind die ivahre Ausgabe dieser zwei Bäochensiiiiiden. i» denen der Benreier des .Tridenninis «eine T.lniler zur Beriu-rnaa hat, sondern seine wirkliche Ausgabe muß sein, in die'en zn>e: 2::m: den den schüler», die oft genug von Hrnie nichts, n»h in .nie, Synagoge höchst selten irgend e'was von indischen Twaen boie» lind sehe», »nd die in der Täinle nicln selten no,l> be:ia l>9ich.n judenfeindliche» Einflüsse» ausge'eyl sind, ein kleinejndis.be-' Milieu zn schassen, wo de» junge» Menschen »ich: nur Leliineii beigebracht, sondern vor allein il» Andejein und die si.1i daiauin unserer Zeit für sie ergebenden Probleme und Beipslichuiagen lebendig gemachi werden. Daß das in zioei Tinnden nur bo.liii mangelhaft gehl, in ielbfiveriiaydlich. Tan somit die Eiiirrch'iina des Religionsunterrichts imnici »nr ein ganz nngenngendes surio Theaterplatz E I n gutqeleltotos Spezialgeschäft bringt de vielseitige Vorteile gal für die eigene jüdische schule sein irnie, wie ne sinln. und jeyt von allen ihrei Beiantwoiiuna voll bewußt.n gcforderi und verwirklicht iviid, ist uubeiireitbai. Tan :o dies surrogal fiti lange Z.eii hinaus »ns fui viele ,',ad.a ' , gendsies Eitoidernis ist, und Saß alles gei.ru iverdeu n>nu. nnr e.'e surrvgai wenigstensio gehalivoll ivie inoaliib. zn in.nl:. :',;it e.bn verständliches Postulat. Man »ins; de»' Zniiiatoreu dei i» sein eiioahmen v.l'iz einem vorläufigen Abschluß gelominenen Bewegung zm 'Baveii. rung des Religionsiinierrichts liefen Tan! nnnen, haß ae n: a> Beteiligung des schiveriien technischen Mangels jei>! einen kv-'g'-. öffnet b.ibe», ans dein in dei Tai si.- ''ajifni-gsniogli.lil Unterrichts eine wesentlich größere ivereen kann a.ls irnli-: Aber eine andere Miitit lau» gegenüber breien 'Bennn.n . gen nichl nnieidrii.1: iveide». An sie Bäuize! des Ueb.ls iine in nicht vorgrdrungen. Tie iind, in itmni Böoril im iven.aiieii--, r •<!> ganz und gar geirage» von dein al:e» ans der Aiiiuiüaiia:!-z,-:: stammenden Begrn'i ees bloßen Religiansunterrich!-.- »nd .>> rein theologisch erfaßten .zndettiums. i9lanbens »nd Pi'liinen lehre, biblii.bes Hebräisch, iia.hbiblii.lies »eligw'les 2a.;:f:t.1 ,u „wichtigste Taisachei, der jüdische» «Nschichie", das alles .ü .vi l.

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