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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-06-01 · 10 (1.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
10 (1.6.1930)
Date
1930-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Der letzte Akt -er Vrepfus-Affäre Tcm Berliner Rechisanwalt Tr. Bruno Weil ist es gelungen, aus den ilnir zur Versngnng gesiellicn deutschen Gcheiniaktcn den Beweis zu erbringen, daß der in der Vorkriegszeit wegen Hochverrats verurteilte, ühiut aber rehabilitierte kranzöji>che Blajor Trey f u s voll ji a n d i g unschuldig war. Ter de ruhmiestc sranzoiisäie slrasrechlsvcrlcidiger, Henry Torrss, Kal »uninchr Löon T a u d e t, den Führer der „Action Francaise", die, ihre Milieu; aus der Ajjärr Treysus hcrleitct, zu einer vsseuilichen Tispnlalion hcransgesordcrt. (lebe keine jüdische Rasse, cs gebe auch keine semitische Rasse. Tas Kal allerdings schon vor dreißig wahren der Graf Coudcnhvve >talergi, der Vater des Panenropa Führers, viel besser gesagt. Lein erst kürzlich wieder hcrausgcgcbcncs Buch „Tas Wesen des Antisemitismus" isl leider zu wenig bekannt, sonst würden vielleicht selbst die Fricks den Günthers gegenüber mißtrauischer sei». 0» dem Buche wimmelt es nur so von Kaffern, Gelben, Hainilcu aller Schattierungen und aller Zonen. Alle haben ein Gesicht, das Gesicht, mit dem sic die Natur gesegnet oder verflucht hat, ein edles, ein gemeines, ein schönes, ein häßliche», ein bedeutendes. ein unbedculeudes. Tas nnbedeutendile Gesicht des ganzen Buches prangt jedoch nicht im Haupttcil, sondern in den gesammelten Waschzetteln des Pogromvcrlagcs. Es ziert den Vcrkajjer der „Rasseukunde des jüdi>chc» Volkes". Es ist ganz ohne „Rasse", es ist sarblos, verschwommen, fahl und von einer wächsernem Undurchdringlichkeit. Nichts, aber auch gar nichts stimmt, nichts sitzt sest, nichts ist kritisch, nicht» isl bewiesen, alles ist beiläufig, vernebelt, ge- »lnlniaßl, verdächtigend, schielend, andcntcrisch. Tie Bilder, als Hilssmittcl zum Beweise herangezogen, dementieren alles/ Rehmen wir beispilsiveisc einen bcionders gut geratenen Germanen wie unseren Wilhelm Busch nach dem Bilde Bocklins. Er sieht Abd cl Kader, dem schönsten Semiten, den ich im Buche entdecken konnte, weil ähnlicher, als dem Tvktor Günther. Tie Aehnlichkcit Marls de» Großen, nach einer sehr schlechten Zeichnung aus einem Siegel, mit Atari Mar; mag flüchtig sein. Aber der zweifellos portratähnljche Mail der Große im Mvsaikgcmälde des Triclininms int' Lateran, sowie aus einer anläßlich der Kaiserkrönung geprägten Plombe, und ganz besonders der Carolus Magnus der Bonccsiatncttc aus dem Tomschatz von Metz, die :m Mnji-c Earnavalct in Paris steht, sicht Lonchcur ähnlich, den der Rasjensorscher Günther wörtlich folgendermaßen charakterisiert/ „Tsiisch (alpin) — westlich (mediterran) — vorderasiatisch'?" Tic deutsche Tlympiasiegerin im Fechten, Helene Meyer, eine Frau, mit einem guten, starken und kühne» Gesicht, ist dem Verfasser besonders unbequem. Erstens isl sie so blond wie nur irgend eine „nordische" Tamc, zweitens i>t sic Qlympiasicgcrin, Kal der deutschen Ratio» in Amsterdam einen verhältnismäßig {jiitcii Platz erobert und ist von de» rassisch irrcgcführtcn Völkischeualler Grade bejubelt worden. Bei Kcrr, Harden, Bernhard, Preuß, Liebcrinann und Hilfcrding hat sich der Verfasser „jüdisch" wirkende Photos zu bcsyrgcn vermocht. Bei der Clympiajicgcrin, einer der »icisiphoiographiertc» Frauen Tcutschlands, gelang ihm das nicht, weil cs keine gab. Was macht Günther? Er nennt die „Tochter eines Inden und einer Nicdersächsin" - „vorwiegend nordisch", kann eS sich aber nicht verkneife», seinem Aerger über diese Tatsache in einer Fußnote Lust z» machen/ „Jiidische", am ehesten orientalische Züge, auf anderen Bildern um Nasenspitze und Mund erkennbar." 'Rach diesen Rasseiheorien konnte man in Versuchung geraten, daran zu zweiseln, ob e» einen wirklichen Unterschied zwischen einem englischen Lord ans uraltem Rormanncnadcl und einem Svnialineger gibt. Ich weiß, daß ein solcher Unterschied besteht, aber ich weiß nicht, ob Günther es weiß, tvcil er gar nichts weiß, weil er ein Abschreiber, ein verkappter Pogrom., und ein Hakenkreuz!?! ohne Qualitäten ist, den jeder völkische Student mit seinem ehrlichen „Juden raus!" beschämt. Wenn er eine Lehrkanzel erhält, so bedeutet das einen in das Antlitz der, deutschen Wissenschaft geschleuderten Kinnhaken. Aus der Weltbühne, von S t e fa n Fingal. jüdische Nachrichten. die deutsche Liga für Menschenrechte protestiert gegen die Schaffung eines Lehrstuhls für Antisemitismus und die Berufung Günthers. Berlin. (ITA.) Tie „Tcutsche Liga für Menschenrechte" ruft die Rcichsrcgicrnng und alle Geistigen Tcutschlands zum entschiedensten Einspruch aus gegen die von dem derzeitigen thü ringischcn Bildungsministcr verfügte Berufung des Tr. Hans Günther auf einen neu gcschassenen Lehrstuhl für Rasseukunde an der Universität Jena. Tie Liga weist daraus hin, daß die ernste anthropologische Wissenschaft die Schriften von Dr. Hans Giinther als ein Sannnclsurium tendenziöser Klitterung be trachte, daß die Berufung eines solche» Lchriststellers an eine der angesehensten deutschen Universitäten offensichtlich parteipolitische Zwecke verfolge, und daß die Tätigkeit eines jolchen Universitätslehrers bei der Ausbildung der Jugend in empörendem Widerspruch zu dem Artikel 118 der Reichsversassuna stehe. "Es wird deshalb gefordert, daß die Reichsregierung cinschreite. vor^der^Einberufung des^ionisten-Kongresses? London. (FTA.) Ter Rat der englischen Zionistischen Föderation hielt soeben eine Sitzung ab, in der die Frage aus der Tagesordnung stand, ob die baldige Elnbcrnsung des Zionisten» Kongresses zu fordern sei. Mit 11 gegen 6 stimmen wurde beschlvlje», die Zionistische Wellexekutive zu ersuche», für einen »ächiiinöglichen Zeitpunkt einen ordentlichen Kongreß der Zionisliichen Weltorganisation rinznbernscn und die ordentlichen Te legicrtenwahlcn ansznschrcibcn. Tic Minderheit, die gegen diese Entschließung stimmlc, war ebenfalls _für die Einbcrnlnng des .Kongresses, aber eines außerordentlichen Kongresses ohne vorangehende Telegicrtcnwahle». (Zn einem außerordentlichen Kongreß treten einfach die Tclegicrten des letzten Zionistcnkongresscs zujammen, ohne daß Renivahlc» von Telegierien durch die schetel zahlcr vorangehen.) Wie in London verlautet, steht die Zionistische Wellexekutive der Frage der baldigen Einberusung des Zionistenkongrcsjcs günstig gegenüber; sic erwägt jetzt die Frage und die Formalitäten der E i n b e r u s u » g. Direktor Hugo Gstberg gestorben. Berlin. (F.T.A., Rach längerer »rankheil verstarb in Berlin i»> Alter von 18 Fahren Tirettor H n g o T si b er g, einer der Führer des liberalen Fudentums in Teutfchland. Ter Verstorbene nalnn ini jüdischen Leben Teutschlands eine große Position ein. Aus der liberalen Bewegung hervorgegangen, gründete er vor dem Kriege in Berlin den jüdisch liberalen Fn gendverein mit. Fn be» letzten Fahren gehörte er dem Ar beitsausschuß der Bereinigung für das liberale Fudentnm, sonne dem Borsland des liberalen Vereins für die Angelegen heilen der Füdiiche» Gemeinde zu Berlin an. Auch war er Mitglied der Repräjentanteuversammlung der Füdischen Gemeinde und der Reform-Gemeinde, ebenso des Engeren Rates des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinde». Er war Mitglied des Hauptvornandes des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Er war Präsident der Spi noza Loge des ll.T.B B. Fn den letzten Monaten trat er durch die Gründung des Attions Ausschusses deutscher Fuden, der die bekannten Ansruse gegen Zionismus und FrwisK Agency erlassen hatte, hervor. Präsent ffinöcnburg sendet Julius Nofenwald Geschenk und Dankschreiben. N c u y o r k. (ITA.) Ter Präsident der deutschen Republik Fcldmarschall von Hindenbura hat dem bekannten jüdischen Philanthropen, Herrn Julius Rosenwald in Chicago, eine wertvolle Pasc gesandt nebst einem Schreiben, in welchem Herrn Julius Rosenwald der Tank Tcutschlands für seine zahlreichen großmütigen Spenden zugunsten deutscher kultureller Jnstitulioncn und des Fonds für deutsche Kricgerwitwen und Kriegerwaisen ausgesprochen wird. -J AUGUST HAARSTICK GOLD-UND SILBERSCHMIED WERKSTÄTTE FÜR SCHMUCK UND GERÄTE IN EDELMETALL UND BRONZE BREMEN . AUF DEN HÄFEN 37 GEGRÜNDET 1874 . 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