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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-06-01 · 10 (1.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
10 (1.6.1930)
Date
1930-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Paula (PUcndotff (int i)(CD»rcagcndc'$fll)Cctin öec iii-. Zrauenbcwcgung wurSc amJIS.J. TOlabccalt. die russisch-jüdischen Flüchtlinge, die sich in den Grenzgebieten dieser Länder ansainmelten, vorzugehcn im Begriffe waren, hat Nansen die jüdischen Gesellschaften in der Abwehr dieser geplanten Maßnahmen unterstützt. Als im Herbst 1923 die polttische Regierung die Flüchtlinge ausweiscn wollte, berics er eine Sou Versitzung des Beratenden Komitees ein, dessen Eingreifen eine Zurücknahme der Drohung zum Ergebnis hatte. Als die rumänische Regierung eine Ausweisung der jüdi>chen Flüchtlinge aus Bessarabien unter harten Bedingungen »»ordnete, sandte er i» seiner Eigenschaft als Oberkommissar einen energischen Protest nach Bukarest und bewirkte die sofortige Zurücknahme des Ausweisungserlasses. Er intervenierte auch erfolgreich zugunsten der mit Entrechtung bedrohten ausländischen jüdischen Ätudcntcn an den österreichischen Hochschulen. Carl Golümarks 100« Geburtstag. Bor hundert Jahren hat der berühmte Komponist Earl Gold mark, der Schöpfer der erfolgreichen Opern „Tie Königin von Saba", „Merlin, der Symphonie „Ländliche Hochzeit" und an derer berühmter Opern und Symphonie Werke, als Sohn von Rabbi Simche Rubin Goldmark, Kantor in Keszlhely (Ungarn) das Licht der Welt erblickt. Carl. Goldmark, der siebzehn Ge schwifter hatte, ist in großer Armut ausgewachsen, aber sein Pater, der die musikalischen Talente des Knaben früh erkannt hat, bot alles auf, um ihn in. her Musik ausbilden zu lassen. Aus dem Dorfe Nemetkereszthur, wo die Familie später wohnte, mußte Carl täglich einen zwei Stunden langen Weg nach Oedcnburg um Musikunterricht zurücklcgc». Als er später nach Wien kam, chickte ihm die Mutter allwöchentlich einen Laib Brot, Kartof- ,eln und Mehlspeisen, damit mußte sich der 'Jüngling ernähren. Goldmark hat seine Mutter abgöttisch geliebt. Als im Jahre 1876 „Die Königin von Saba" an der Wiener Hvfoper zum ersten Male ausgesührt wurde, brachte er die achtzigjährige Fraip ins Theater. Goldmark hat nicht viel musikalische Werke ge schassen, er hatte Respekt vor bet Kunst, der er diente, hatte auch Achtung vor der Oeffeutlichkeit, der er keine rasch hingeworfenen Werke darbieten mochte. Zehn Jahre laug arbeitete er an der „Königin von Saba", fünfzehn Jahre au der Oper „Merlin". In den siebzig Jahren seines Schaffens brachte er 63 Kompositionen heraus. 1915, im 85. Lebensjahre, verstarb er. Eine pogromkanzel. Der thüringische Innenminister Frick Plant die Errichtung einer Lehrkanzel für Rassenforschung. Ter Minister ist völkischer Antisemit, über der Kanzel wird unsichtbar das Hakenkreuz schweben, die Wissenschaft, die dort gelehrt werden mag, wird von vornherein dem Odium der Charlatanerie verfallen fei», und um keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, nach welchen Rassen geforscht werden soll, beruft Herr Frick eine unheitere Berühmtheit auf den neuen Pogromkatheder Jenas, Toklor.Hans F. K Günther, eine Persönlichkeit i mit eminent abschriftlicher Begabung und einer geradezu seltenen Reinheit des Charakters. Dieser Doktor Hans F. Ä. Günther hat, wie aus den gesammelten Waschzetteln seines Münchener Hep Hcp Berlage? hei vorgeht, zehn Bücher geschrieben,' in denen, nach den Inga!:, angaben zu schließen, überall dasselbe sieht. Günther zitiert >:ch Maria Hrska, iMcJi<bAin ivien.mtt Verona! vergiftete. selbst und andere Afterwissenschaftler ans jeder Seite seines elften Werkes „Rassenkunde des jüdische» Bolkcs". Hier scheint mein vorzulicgen als eines der vielen armscligen Perduinuiungsbucher ähnlicher Tendenz, hier wird zum ersten Male der Trick iii.it dein wissenschaftlichen Pollbart mit einigermaßen vollendeter Routine durchgeführt, und da der bildungshungriae Mensch ans naiven Bezirken, ach so gern und ach so leicht, auf ein akademifches Prä. dikat hercinsällt, und iveil die Diskreditierung der Hochschulen durch völkische Minister als Hochburgen für Aberglauben und als Hvchznchtanslalten für dunkle Instinkte noch nicht vollendet ist, — also nur darum wird das Buch Günthers zu einer Gesahr Ter Umschlag zeigt Henriette Herz und. Pkazimilian Harden. Warum die Her; und nicht die Rahcl Parnhagen, eine geborene Levin? Hat die Parnhagen nicht genug jüdisch ausgesehen'? Doch, das hat sie, aber bei ihr verkehrten Prinzen und Generale von unzweifelhaftem gerinanischem Geblüt. Warum Harden, dessen schlechtestes Photo getvählt wurde, und nicht der, von den polili scheu Freunden Günthers erfolgreicher gekillte Waller Rathenau'? Weil der blonde, Hochgewachsene Jude Walter Rathenau jcneui Karl dem Großen, wie ihn Albrecht Dürer idealisiert gemalt hat, physivgnomisch und physiologisch näher stand als der kleine Ickttvarze, säbelbeinige Germane Hugo Slinnes. Aber der Hep Hep Perlag spekuliert doch ein klein wenig mit der kaufkräftigen jüdischen Kundschaft. Also beginnt das Buch, offenbar aus Pro paganda Abgründen Philvseniitisch. Günther schreibt jüdische Ge lehrte und christliche Orientalisten um und ab, und er uuidunstel sich mit einer Atmosphäre sachlicher Biederkeit. Aber am Schluß — „Juden raus!" Tie »ach bestimnitr» Prinzipien ansgrsnchteii, >vie semitisch und 'negroid nachretonchicrt anmntende» Photos sind interessant für zweierlei: für die Tendenz des Berfassers der Rassenknudc des füdiichen Polkes und für das Falsche an seiner Lehre. Zum Un terschied von seinen pogromweistn Borläusern sagt Günther, es ■ iv \ co gröftte Auswali H. Podolsky Faulenstraße 31 .=0 A.;/f - '' -W. aVI MB; Damen - Hüten größte Auswahl Spezialhaus für Damenhüte.

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