Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 3 (15.2.1930)
- Date
- 1930-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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„Lehr geehrter Herr Ministerpräsident! Ich wartete, bi« die Ilut der (Gratulationen,welche Ihnen anläßlich des Abschlusses des Weltkrieges zuströmtc, vorüber ist. Ich nieldr mich erst Keule, ui» Lie zu dem großen Liege und auch;n Ihrem (stcburtstag zu begliiikiviinschrn. Ich habe die Pcrgangenbeil nicht vergciscn und mein «stcdächtnis ist treu geblieben. Ich null Linien I'Ior jagen, das; die ganze Welt Lic den „Pater des Lieges" nennt, Empfangen Lic, Herr Ministerpräsident, de» Ausdruik meines wärmsten (Trustes. Alfred Trcvsus, Major, .(toniinandant der Artillerieabteilung in Orleans" Citroen bei ClSmrneeau. Ter L e k r e t ä r: Herr Präsident, was für großartiges neues Auto haben Lic? Was haben Lic mit Ihrem alten Ciiro< nwagen geinachr? li I o in cnce a » : Ich sage cs Ihnen sofort.' Ich fuhr zum Antokonüg Eilrv'-n. Ich übergab ihm einen alten Wagen und sagte, daß ich ihn gegen einen neuen Umtauschen möchte. Citroen iah mich an und antwortete: „(steht in Ordnung, Herr Präsident, aber dincni Mann, wie Lie. der Frankreich gerettet hat, kann ich auch nicht einen Lvu annrhiucn." Ich schaue ihn verständnislos an, denn es gibt nur wenige Iranzoscn, die mit mir in einem solchen Ton zu sprechen pflegen. Tann sagte ich ihm: „Hören Lic, Citroen, der Einsall ist nicht schlecht. Ich nehme das (stcschcnk an, hingegen nehmen Lie diese zehntausend Iranc und widmen Lie iie in meinem Namen Ihren Arbeitern." TcrLckrctär: Und.hierauf erhielten Lie diesen herrlichen neue» Wzigen. Ich höre übrigens, daß Citroen Ihren alt-m Wagen nicht verkaufen will. E I «'• m encc a 11 : Auch ich habe davon gehört. Angeblich will er den Wagen einem Museum schenken. Ein seltsamer Mensch, dieser Euromi. Inde. Aber er ist ein sehr guter Jude. Tenn Lic müssen wissen, lieber Ircnnd. cs gibt auch sehr gute Juden. der Leidensweg -er russischen Ju-en. Ten dem Pestand des Lowjet Neginrrs hat sich die Lage der Inden in der Lowjet Union dauernd verschlechtert. Tiejc tragische Eniivuklniig ist eine Iolge der gegen jede private Handels und isteiverbeiatigkeii gerichteten Politik des Lowjet Reiches. Tie H»i den der Inden iverden aber noch dadurch verschalst, daß die indische Lektion der .rtommiiüislischen Partei, die berüchtizte Iewiekzia, in fanatischer Liebedienerei gegenüber den herrschenden Niesten, iiäi nieder Tenunziernng von nichikoNimnniststchcn Inden »berbieiei. Aus J*ictrm «strnnde iverden jüdische Lozialdcmokratcn, Zionisten, Anhänger des hebre.ijchrn Lprachuiuerrichts, die hcbrä ische Lpraäie »»d die jüdische stieligio» viel stärker versvlgi. als die nichijndischen, iilchlkommnnislischen (strnppen und Einrichln» gen. Leiten gelange» aulheniijche Injormaiionen über den Hei densweg der verfolgten Nichikomniiiuiste» ins Ausland. Wir sind ,n der Vage, im Nachsiebendeii einige Lchildernngeu wieder;»gebrn. loetäie T.nälen Ziogisien aiiszusiehen haben, nachde.n sie iveaenä angeblich lonlerrevoluiionarer (stesinnnng diese besieht in der _Vii-lH';nm Hebräischen nnd im Pekenntnis zum Ausbau Palästinas verurteilt und in iiinvirilichc (stegenden verbannt ivorden waren. Tas gleiche Lchictial erleide» indische Lozialdcmo kraten und religiöse Jude». Nachstehend die Lchildernin des Hebens ,»i istesangnis snr politische (stefangrne. in der Perbin iinng -und ans dem Wege ans den lstefängnissen in die Per bananng In den Politisolatorcn ltstcsängnissc für politschc (stcsangen:!. J Tei Wjerchnienralsker PPliiijolgior ist seit viele» Jahren ivegen des binialen Umganges mit den politischen (ste' ingenen bekannt Taj; die (stesangenen geschlagen werden, ist nicht neu. Im stA'ai v. Is. geschah iolgendes: Tie Administration des Polii iiolaiors befahl de» (stefaugnisive rier». die Zellen der iveiblich'e.i istejangeneu zu überwachen nnd diejenigen, die durch das Jenner lunausschasten loollien. strengsiens;»- beslraien Eines Tage--^ nnimien die istefangnisw.:rier in die Iranen Zellen und schlugen de'raitig ans sie ein. daß einige von den I-ranen bltttnberiiröi'-i!!> Pode» sanken, linier den isteschlagenen war auch unsere (ste noina st.'s Tieser ginndlos barbariiche Ueheriall au' ivetirloie I-raaen uej nainrlich große Enirniinna im Poliüi'ola:or hervor L in: liche (stesangenen proteiiienen inii einem ,'stmnd-reu Hinn-r iireik. dem «ich auch die >e:a'a lim „Tropkstien" a>. (.-schlossen haben Auch >» einer stieibe änderet Polnstolawren bat ach dis Per halten der (stPU '„Tscheka" Perwalnini! z» den politischen (ste tangene» veischleäneri Tie Akminiiiraiion versucht die «stekan genen;n provo;iere», ne ans der stinbe;n bringen, nm nachberz Peiiiainn.ie» vor.iehmen;n können Tie (steianrnis varter be leidigen d:e (stesangenen nnd besonders die indischen Lchiv'v'vorie wie ..ekellwiie;',ionijien", „verstnäne Jude»-' und dergl. sind'eine Kath. Privat-Sdiwesternheim Besselstrafje 31 ♦ Telephon Hansa 1317 empfiehlt fleh den jüdischen Familien für Kranken-, Wochenu. Kinderpflege. gewöhnliche Erscheinung. Jeder politische (stcsangene muß daher (steduld und Nerven zniaminrnra-scn, um jich nicht strafbar zu machen ...... Lo vergehen Tage, Monate, Jahre in körperlicher und fcc lischrr Erniedrigung. In der Perbannung Turtkul t(lasakstan). Am -'I. März v. Is. beseelen Agenten der (stPU. die Wvh nniig eines verbannte» Zivilisten, wo sich^ einige verbannte Ziv nisten zum Purim Abend zuiainmcngcsuiiden hatten. Alle An wesenden wurden nach dem «stPU. (stefängnis gebracht. Tic Zionisten forderten, daß man sie in der Abteilung für politische (stesangene untcrbringen solle, die Agenten der (stPU. stießen jie jedoch -» den .(triminal Pcrbrechcrn hinein. Tic Agenten wollten auch eine verhaftete Zionistin der Leibesvisitation untcrzichen, was jedoch, dank dem energische» Widerstand der (stcnossen, verhindert werden konnte. )lnf dem Wege Untcrsuchnngsrichtcr wurden die Perhasteteu unmenichlich geschlagen. Tie Anklageschrift enthielt ganz aus der Luft gegriffene Pc ichiildigtt.igen, so z. P. wurdc de» Perhaftete» vorgeworfcn, z: 'loden zu jein, jo daß die Perhaftnng erst vier Nitometer außer halb der Ltadt vorgknommcii werden konnte, wihrcnd sie tat sachlich im Hause eines verbannten Zivilisten verhaftet worden waren. Tic (stesangenen weigerten sich daher, die Anklageschrift z» unrerzcichiicii. v Tic Perhaiteten ivurdcu sechs Tage lang in dem (stPU (stefängnis ohne Hcbcnsmittcl und ohne Wasser gehalten. Lic mußten sich kümmerlich von den von außen eingeschmuggelten Nahrungsmitteln ernähren. Unter den (stesangenen befand sich auch ein krankes Mädchen, das medizinischer Hilfe dringend benötigte, was ihm aber von der Administration entschieden verweigert wurde; die Zuziehung des Arztes wurdc. obwohl der Zustand der .(iranken sehr ernst war. von der (stefängnisbchörde nicht gestatte». Leibst als der (stefängnisarzt einmal einenNrimi »al Perbrcchcr in der Zelle besuchte, erlaubte man ihm nicht, die kranke Zionislin zu untersuchen. Tic vcrhasictcn Zionisten prolcstirrtc» scharf dagegen, jie schlugen an die Türen und Ienstcr, schrien, lärmten und forderten den Besuch des Ltaatsanwaltcs. Tic Wärter bekamen jedoch den Befehl, die Perhasteteu von dem (stPU. (stefängnis nach dem Ltadt tstesängnis zu überführen. Nur die kranke Zionistin sollte allein rnrückblriben. Ticsc Maßnahme der (stPU. rief große Empörung unter de» Perhasteteu hervor, und sic erklärten, ihre Zelle nicht freiwillig verlassen zu wollen, solange der Ltaatsanwalt sie nicht besucht habe. Taraus befahl der Nommandcur der (stPU., (stcwalt anzuwendc». Unter hcktigcm Ninqcn wurden die (stcfan gcnr» alsdann durch die Ltraßcn in das Ltadt (stefängnis qc schleppt. Tiefe barbarische Behandlung der politische» (strfangcncii rief große Entrüstung bei den übrigen politischen (stcfangcnrn im Lite >-rvor, und zwei Pcrtrctrr der verbannten Lozi.ildcmvkratcn . i -gen in die (stPU. und erhoben Protest. - Lie wurden jedoch sofort gleichfalls auf rohe Weile verhaftet. Ein Wärter schoß sogar in das Zelle» Jenner der verhafteten Lozialdemokraten. Aus ihre > (.(Nage erwiderte der Heiter der (stPU., Zmejenko: „Wozu haben die Wärter (stcwrhre. wenn nicht zum Läiieße»?" , Zivci Monate lang blieben die Zionisten in Haft, und erst aui «strund einer Perordnung der Moskauer (stPU. wurden sic freigclassen. Aus dkm Politisolator heraus — wieder hinein in die Perbannung. Biele Zionisien, die zivci bis drei Jahre in dem Pplstcr Politisolaior gesessen hauen, sind auch svätcrhin nicht zu 'ihrer vollkoniincncn Irciheit gelangt. Ein Teil von ihnen bekam die .Minus" Perbannung, d. h. es ist ihnen die Niederlassung in der Ukrainr, Weißrußland, sowie in den sechs größten Ltädlen «Mos kan. Heningrad. .(iiew. Tdest'a Charkow und Noitowl nicht ae stittcr Tie Minus Porbanntc» dürfen den von ihnen zur 4>ic d.'rla'iun-g „erwählten" Blab im Hanke von drei Jahren niwr -'erlaiien und siebew völlig unter Aufsicht der (stPU. Ter größte Teil der „befreiten" Zionisten wurdc in ganz entlegene (stebiete v-.> gronen russischen Neiches verbannt Lo wurde Chawer (strru bibrl i-Miialied des Mcrkas Hechalnr. der noch zur Zeit, als der Hechaln: in Lowjet Nußland legalisiert - war. verhaftet wnrdti, der 'v'brend der dreijährigen Halt im Politisolatoi mit seiner (stesnndbeit sehr lierunierkstn, in ein kleines Tor? in der «st'iend '>on Tnrnchansk verbannt, -lehn Monate des Iabres ist diese .«stegend von der Außenwelt säst abzeschnitten. Tic Halbmilde Be Völkern'« z n'hri sich nur von Iiichen und getrocknete» -!''ildirüch len Nur in den zwei bis drei Lommermonaten werden Brot und andere Nabrnngsniittel von außerhalb zugeknhrt. Wer sich i"i Loinmer nicht genügend eingedeckt Kat, muß den ginren -'Hinter hindurch am Hunqerlnche nazen. Ei» äluiliches Lchickial Irak auch die Zionisten, die nach Narim, Tnrkeslan »sw. verbinnt n'.ird.-n Strefemann, Luöenüorff unü Palästina. In dem Trgän der amerikanischen Zionisten „stlew Palcstine" verösfenilicht der bekannte Journalist Pierre van Paasen. dessen Tätigkeit i» Palästina in der Zeit nach den Unruhen große Ans inerksainkeit ans sich gezogen hat, eine Neihc von Erinn'cruitgcn an seine Besprechungen -mit europäischen Ltaatsmänncr» in den