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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-01-15 · 1 (15.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
1 (15.1.1930)
Date
1930-01-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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kaddisch und Iahrzeit. Bon j. B. Lcvy, uranksurt a. M ,'tin Midrasch Tanchnma befindet sich folgende Erzählung: Rabbi Asiba ging einst ülvr einen Begräbnisplap: da begegnete er cincin rutzgeschwärzten Menschen, der eine Last Hol; ans de», Rücken trug und schnell dahinlies. R. Akiba hielt ihii fest »nd sragte ihn: „Blein Loh», warum arbeitest du so schwer? Wenn du ein Lklavc bist und dein Herr quält dich so sehr, so tvill ich dich anslöscn und sreilasscn: wenn du arm bist, will ich dir Helsen." Er aber flehte: „Las; mich, Herr, ich darf nicht stehen bleiben." „Bist du ein Mcnfch", fragte Akiba weiter, „oder ein Tämvn?" ,,dd) bin ein Bcrstorbcncr", war die Antwort, „und mutz läßlich Hol; fällen;» meiner eigenen Berbrennung." „Was wariX du in Deinem Leben?" „jch ivar Ltcitcreinnchincr. beaiinsliatc die. —Reiche»,-rfnälle Die Arme», schmählcchas Heilige.— ich achtete nicht einmal den Bersöhnungstag." „Und gibt cs kein Mittel", fragte Akiba voll Mitleid, „dich zu erlösen?" „Ach. halte mich nicht auf ich weiß nichts von Erlösung: nur das hörte ich mciuc Treiber sagen: Hättest du einen Lohn innerhalb der jüdischen Gemeinde, der beim Gebet die Huldigung sprechen würde „Lobet den Ewigen.' den Hochgclobtcn!" — dann würde dir die Ltrasc erlassen werden, .'ich habe aber keinen Lohn: als ich starb, erwartete zwar meine seran Muttcrsegcu: ich weiß aber nicht, ob sic einen »tnaben oder ein Mädchen geboren hat, und wenn es autf> ein Lohn wäre, >vcr sollte ihn tut Beten unterwiesen haben?" R. Akiba fragte ihn nach seinem Rainen »nd dem seiner seran und nach seiner' Heimat, und bald danach unternahm er die Reise dorthin, erkundigte sich über de» Armen und hörte nur Bcrwünjchnngcn über ihn und sein Weib, das den damals geborenen »tnaben nicht einmal habe beschneiden lassen. R. Akiba aber nahm sich'des »lindes an und bc^aiu.i. cs Thora zu lehren, schlictzlich übte er cs auch im Beten. Tann führte er es in die Lynagogc, wo cs öffentlich betete: Borachn es ad. ham' wauroch! Lobet dcnE'iviaen, denHochaelobten! d» derselbe» Rächt erschien dem frommen Akiba jener Mann im Train» und sprach: „Möge dein Geist die Lcligkeir des Gartens Eden genietzcn, da d» mich von der Pein des Gchinnvm erlöst hast." Ticsc schöne und lehrreiche Legende scheint die Grundlage -ii dem etwa mit die Zeit der grotzen judenverfolgungen u. z. in Tcutschland entstandene» Branche geführt zu haben, datz Waisen kinder am Lchlusse des Gottesdienstes das »taddisch^Gebct spreche». „Bindende Borschristen darüber kennt kcins der alteren Ritual ivcrkc. auch nicht der Lchulchan Aruch: doch was die Halacha frei gelassen, hat die Bictät geheiligt, das »taddijch der Trauernden ist eine der veibreitetsten niTD am treuesten beobachteten religiösen .'inslitiitivnen geworden." tElbogcn.s nragcn wir uns, wie das »taddisch z» dieser Bedenlung ge langt und wodnrch es denn eigentlich gerade z»m liebele der Trauernden geworden ist, so scheint es notwendig, kurz auf seinen Wortlaut und seine» Inhalt einzngchcn. Ter Lprachc und dem Ltil nach ist es zwciscllos in den Lchnlen entstanden nnd ge sprachen worden, in denen auch die aramäische Ucbersetznng der Bibel gang uitd gäbe war, weil eben dir Kenntnis des Hebräischen bei den grotzen '.Rassen immer mehr abgcnommcn hatte: denn die Lprache des »taddisch ist fast ganz aramäisch. Bon Hans ans - so führt EI bogen j» feinem matzgebendcii Werke „Ter jüdische ösottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung" ans — wurde die Enlogie ,a'he sch'mch rabboh in den Lchlntzrede» verwendet, die auf die aggadischcn Bvrträge folgten. Lie schlossen mit frohen Ausblicken in die messianische ^»kiinst, »nd an sic schlotz sich ein Gebet in der Art unseres»taddisch, das ja in seinen ersten Lätzen, entsprechend dem Ezechiel-Worte <tW, Wl: W'hisgaddilti iv'his kaddischti „jd> werde verherrlicht und geheiligt werden und mich kund tun vor den Angcit vieler Bölkcr, ans datz sie erkennen, datz ich der Herr bin", die Heiligung des göttlichen Ramcns und Den Ausblick in das kvmincndc Reich enthält. Lie bilden auch wohl den »tern des alten »taddisch, der mit dem Lahe ,..Vhe sch'mch rabboh ni'worach l'olam »l'olnree almajo, „Gepriesen sei Lein gotzcr Raine in aller Eivigkeil" schlietzt. .1» den palästinensischen Hochschulen entstanden, erhielt cs seine Ansgesialtnng und Wert schähnng als eine der „Länlen der Welt" in Babvlonicn. Lcincm Hauptinhalt nnd seiner Tendenz nach ist es ein Be kenntnis des ,X»drn, das die allgemeine Anerkennung der göttlichen Allmacht in aller Welt, Lriner Lchöpfung nach Leinein Wille», die Heiligung Leines göttlichen RamcnS das efiel »nd der E„d zivcck alles jüdischen Hussens und Lehneits ist und bleibt. Tieses eiiel, das Reich Gottes auf Erden, auch zum Wnnsch und zur Hoffnung der ganzen vcrsanimelten l^ottesgeineinde zu machen, fordert der Borbctendc seine andächtige ,'snhörerschaft wiederholt mit den Worten ans: W'imrn oinen. „Tarans sprechet Amen!", d. h! „Es werde wahr!" freilich, so fährt der Borbeter fori, reicht die Grütze Gottes weit über alles hinaus, was wir in »n Wir färben und reinigen alle Garderoben in allerbester Ausführung v KÜHLKE & BEHRENS Hcrdcntorslcinwen 35 Domsheide 20St>l Freie Abholun» und Zustellung seren Lobprcisnngc» und Hnnincn mit unserem sterblichen Munde singend, rnhincnd, schluchzend, tröstend nur schwach und unvoll koiitincn znm Ausdruck zu bringen vermochten, ,'u» Brwntztiein dieser nnserer Kleinheit aber wachst nniere Ueberzeugung von Gottes Allmacht und Leinem Allvermogeii, unsere Gebete zu er Horen nnd der Well den mieden zu schenken, das höchste i'btt der Menschheit und des Einzelmenjchen »tonnte der Wunsch, datz Gott in dieser von ihm geiwajsenen Welt allgemein anerkailnt werde, ivobl vielleicht als im Gegeniav zur Weil des jenseits, zttnt Anlom liabbo, antgeiatzt nnd damit zu der irrtutnlichen Ltentpelnng des »iaddtich zum „Leelengebet" geführt habeit, so ganz geivitz nicht das mntz besonders betont werden das darin vorkomntende „Rechntoliso etiva mit „Trostnn gen, Trostworte" zu »bersepen: denn dies bezieht sich ganz sicher ans den Trost, den ,'U und gewissermaßen dem Genfer seiner. lR: schicke. der rs'.mNbe auch leüies. verhäng»tsvolliten Lchickjals. des Berlnsics seines Bolkstniits, seines Landes, .iernjalems, des Tent pels troh alledem in seinen Gebeten nnd Hnidignnge» zitsprick» Tas geht klar ans dem Talmud B'rochans :'»r hervor: Rabbi ,ioie erzählte: Als ich einst auf :>ieiien war, trat ich in eine von den Rniitkn dernsalems, um zu beten. Ta kam Elijaliu. gesegneten Andenkens, und erivartete mich am Eingänge. Rackident ich mein Gebet beendet hatte, sprach er zu 'mir . . .: Mein Lohn, ivas hast du in dieser Ruine gehört? .ich erividerie: .ich hone eine ivie eine > Taube girrende „Halljtintine" sprechen: Wehe, datz ick> mein Hans ' zerstört, meinen Tempel verbrannt und meine »linder nnter die Bölker verbannt habe! Ta sprach Elisahn zu mir. Lo ivahr du lebst, jo klingt die Ltiinrne dreimal täglich: io auch zu der Ltniide, da ,'U me 1 in den Bet und Lehrhartsern rnip „Anten! ulepriesen sei Lein großer Raute!" Ta schüttelt der ».'eilige, gelobt sei Er, Lei» .Haupt unD spricht: -veil dem »lonig, den man in Leinem .Hause preist! Wehe dem Bater. der Leine »linder vertrieben, und °>vehe deich »lindern, die vom Tiswe ihres Barer .- vertrieben wurden. i.utikiuimi ia>g>., jührertagung des Reichsaussckuffes der jüdischen Jugendverbände. dn der d?it vom bis :ll. Tezember >!>-".> fand in dem vorn Reichsansschutz der jüdischen jngendverbände niiterhaltencii dacobsonhcim in Leese» am -Har; eine vott den im Reichsansschutz vereinigten jitgendbünden beschickte svuhreriagnng stall. Tic diesjährige Tagung konnte iciltveise an die Ergebnisse der vor einem .iahre am selben Cit slatigehabien sozialen Woche anknüp. fcn. Ter Geist der jitgendbewcgnng, vorbildl:che Toleranz gegen über abweichenden Mcinuitgen, fchnfen eine Llimmung, in der es gelang, auch über j-ragen »ntstritlcner Art in svreundschaft und Rnhe;n sprechen. Tr. Moritz Lchweizer Essen und Edith Eohn Berlin behau deltcrr ein Gebiet, über das bisher weder zuverlässiges statistisches Material noch überhaupt sustematische Borarbenen vorliegen: wiciveit näutlich heule bereits jüdische jitgeitd organisatorisch er fatzl ist und welche Möglichkeiten und Lchtvierigleiten snr eine zu künftige Arbeit in dieser Richtung bestehen. Während - Edith Eohn mehr die pshchologische Leite dieses Broblems belenclitete, befaßte sich Tr. Lchweizer vor allem mit de» soziologischen syra gen, wobei er den Bvrschlag der Bildung jitdischer „»llnbs" machte. Tie Milienbestimmiheii der jüdischen ,'zitgendbewegnng schließt besonders die prolctarijierie» Lchichten von der Ersassnng ans. Hirtzn kornnten der Mangel an Freizeit nnd die »lonren iricrtutg ans Berussinleressen, die einer Ersassunq entgegensteyen. Edith Eohn versuchte, ausgehend von Den besonderen Lchwie rigkcitcn der Iramilic. auszuzcigcn, datz die Augendbünde eigerrtlich nur diejenigen jungen Menschen langend der höheren Lchttleni erfassen, deren seelische Litnation und deren Ltellnng im Eltern Hans dieser Erfassung entgegenkominen. Tie Erfassung der scknve rer zugänglichen, in kontplizierleren t'lesamtsitiiationen befindlickten jugendlichen könnte durch vermehrte pädagogische nnd pshcholo gische Erkenntnisse der nnhrer ermöglicht tverden. Tie besonders aktiven Elemente können nur durch eine der Wirklichkeit zage wandte .Haltung angezogen werden. Tie gejellschajilichen »ragen, insbesondere seragen des Lchulkantpies-und des Lozialisntns stehen dabei im Bordergruud. Als zweites Thepta der Tagung stand die sr-rage der Ber. lvirklichiing der jitgendsordernngen in der sozialen Arbeit zur Tebattc, das von Tr.' -Hanna Eisfelder nnd Lieg -Hirsch behandelt wurde, Tr. j-riedrich Brodnitz nnd Tr. Ernst Bloch behandelten das „soziale Element int Aufbauwerk für Balasiina nnd Rußland".- Ter 'jusammcnhäng ztvischen diesen Themen und den übrigen Brobleutkreiseit ist darin zu sehen, datz die prägen einer Reform der sozialett Arbeit im deutschen jndentnm ttnlosbar mit der Gesamtlage des jitdischen Bolkes in der ganzen Welt verknitpft ist. Tr. Brodnih gab in aussithrlichcr Tarstellung unter -Heranziehung und übersichtlicher t'lliedernng der gesantlcn Literatur einen tleberblick >>ber das Antbauwerk in Bolen und Rußland. Tie Tiskuitio» iiber den Bildnngsnand der jüdischen jiigend, über den Tr. Eli Munk und .Hermann nlerion referierten, stellt nur den Beginn einer Unterhaltnng iiber dieses Thema dar. Tr. Munk bemnble sich, den Ltandpnnkt des gesehestteuen ,'juden tnms in feiner Geschlossenheit darznsiellen >tnd betonte besonders die Wichtigkeit der jüdischen Lchule. Hermann oierson, der im nlegensav zu seinem Borredner von einem subjektiven religiösen Erlebnis ansgiitg, bejahte vom liberaleu Ltandpnnkt ans eben-

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