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Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-12-23 · 19 (23.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
19 (23.12.1929)
Date
1929-12-23
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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[ Zranz Rosenzweig Der Geschichtsschreiber der jüdischen Gemeind« Kassels hat brelicr mit peinigender Wucht empsundeii. das; diese Gemeinde zwar alt, zwar stark, zwar eigenartig, vielleichi gar beispielhaft im Gesamibild der deutschen Iudengenieinden war. datz ihr aber, um an und sür' sich bedeutungsvoll zu erscheinen, die grobe fruchtbare jüdische Persönlichkeit fehlte. Heute, über dem frische» Grabe eines Toten. darf'es gesagt werden: Einen Grahen hat diese Gemeinde hervorgebrachi, ein R chtungweisender ist aus ihrem Schob erwachsen, ein einziger hat sie über über ihre Beschränkungen und Engen hinansgrhobcn und ihr, wie Mendelssohn einst Dessau, einen Kranz aufgesetzt, aus dessen Würde sie nun achten inuß:- Franz Rosenzweig. Aus dieser Stadt, ihrer ästhetischen Atmosphäre, ihrer milden Landschaft, ihrem historischen Häusrrmcer ist ^rr emporgcstiege»: diese Stadl hat dem Reifenden die ersten Berührungen mit dem Vermächtnis der Vergangenheit, mit dem Reichtum der Gegenwart, mit dem oerlockenden Schatz der Zukunft geboten; — rtn Haus der Elter» dir sagenhafte Gestalt des alten Holzschneiders und stillen Gelehrten AdamRosenzweig, in seinem geliebte» Friedrichsfitzinnasiuni die klassischen Sprachen, ei» Deutsch und seine Geschichte, im festlichen Saal des Museum Fridericianum sein erstes Publikum, die Hörer Kassels, die . Humanität-. Grob in der Hingabe und arob in der Zurückhaltung ist Franz Rose», zweig, von den Gkheininissen des Genies umwittert, unendlich anziehend, unendlich abwehienb. durch unsere Reiben gegangen königliche Gaden austeilend und »och beherrsche, d, wen» er dem gern gewährten Vorrechte zu herrschen. entsagre. Siubium und Krieg havrnihnaus Kasse, tortgelührl, haben sür ihn viele Bindungen an Heimisches. aü Besitz der Kunst und der Musik gelockerr, Rur wie ei» fremder wundcrlamcr Wandere, erschien er an den Feiertagen nah im Tempel, aullallend schon durch die Andacht seiner Teilnahme. mehr noch duich die Unerschrockenheit seines Wagnisses, in iniincr höhere Sphären der Wrliweishrii sich zu erhebe» und drnnoch i» immer tic.erc Schää>>e ddr Fröinmigketl sich zu versenken. X Flach weite» Schwingungen seines Weges, aus der Begegnung mit dem Krieg im Osten und aus dem Balkan, Begegnungen mit Idealismüs und Realismus, Ptgegnunge» auch mit Christeinmn und Mohainmedanismus, nach dem Zusannnrntresse» mit Ccm verehrten Lehrer Herma»» Eoh.n und drin bewunderten Rabbiner Rehemjah Robel habe» sich die Röiigimgeir zur sichware» Fixierung seiner Daseinsart, seines Forniwilirns und seiner Lehrgisinnung zusainnniigeiundrii. mn de» Einschlub seiner Ansiedlunq in Franksuri in ihm auszulosen, ivo er Haus, Familie und Lehrstütie gründete Drni schöpferisch jugendlichen Geist war die höchste Wirkuugsniögtichkeit erschlossen, Zugang >n alle Gänge der jüdischen Gemeinschail gebahnt, Heiser aus nahezu alle» Laar>» jüdischer wie auberjirdiich r Geistigkeit bereit da brach das u»> begreiiliche Geschick mit heillosem Liech luid über den Bliiliendrn Nerei» und alles schien im Augenblick verloren Aber erst jetzt rntwickelte der reizbare, stolze und seiner se biisichere Mensch dir ganze Fülle seiner smieren Kra'l . so als ob er nicht tzrank wäre aul Heilung hossend, so lange sie wögliä, s.bikii, leitete Franz Rosenzweig durch Fahre hindurch allein mit der bezwingenden Klarneil und Macht lei- »es Beistandes, seines Wiiieus und. seines Herzens, m t der trannilia irn - ichcrbert seiner Menichenkenntms und Borstellinigsgabe eine grobe rneii ch chtige Schule. eine bet,ää»Iiche Sänir höchst eigenwilliger Lehrer, eine irnnrer anwachsende Zahl von Schülrrn und Freunden Er l.lne das Gesetz vor — und das Gesetz sliitzie alle Tage seines Lebens. Und als schlietzlich das Lebrbaus seine Hallen schlosz, nachdem es die Hohe seiner Borbi.dlichkcii erreiä» haue, da halle Roienznieig inziiuscheu ansteigend von Aibeil zu Arbeit, von h stolischer Durste ung zu pluloivol» Icher Begiiindung. von kriiistheni Be sicht zu rrrchlietzriide. Bkiehrung das pädagvg iche Problem aus dem Antzeren ins Fnnere gekehrt er begann, bewundert viel und viel gesäiolten als ein vollendeter'Beherischer deul'cher Sprache die Reuüv,riet,u»l d,r Bibel aus dem Geiste der jüdilche» Eristenz Aus dieser mühevollen'.'Irr»i> in e> svrigegangrn Er Hai als Geichichlspbiiöivph.Bädagog Uttd Jude ein Werk von historischen .ttiriszen anlgestihit: er Hai die Bibeiverdeutsäuuig ,is tiel ni die zweite Häl te vorgelriebrn, uni sie nun Maltin Buber allein zu überlassen ... Rrhincii wir es als ein Ltznibol, dieses gewaltige Fragnier»! Er ist nicht lerng geworden in» seiner Arbeit, nicht abgeschloisen in leiner Erkenntnis. nicht starr in seinem Glauben, »idit tut in seinem Leben. Er. der durch Fahre Sierbende, hat sich in stetig eiweiiertes, iländig vesrei.eres Leben hineingelebr. er ist um fo leitet und entspannter in seine! Zuversicht geworden, ic offener und lriedvoller er aller Botschail gegenüber»,nid. Er ist. irüh von uns gegangen und er wird erst jetzt an'angeu. uns zu sehlen. Aber wir werden ihn inunrr vor uns herziehen lehr» nach jenem Psalmeiispruch, den er so lieble, reitend', d e r W a h r h e i l z u E h r e n! Rudolf Hallo Kassel. ' L i c h t e r 1* e s t. \ Aus „Sidi/.ig Ultimen utvv! CcilMUc iUs }cl)ui)u m)» I i an/. KoM'n/woig . ' \ Jeweils durch Dein Licht, llerre licht, schaun wir l ieht. Hoffnung — dem Volk, des Weltpfad weitst Nachtdurch, wie lang ihr Schein mir gleilu Und Sünd’es in die Ferne lieillt? O dull auf ihm, wie Glut auf l ieht, throne l ieht! Ums Ideelle llanpt hind Weih-Ornal, Zerrissen Kleid — duVch l’riestorstant Kr.se tj es, lall des Urlichts Saat )l.ichl. Neu l)li,ihn, wie heim „Ks werde l ieht" uijd es ward Dein Zeichen höh* den wanken Knien, l all ihnen vor den Kugel ziehn, Und o, clali bald der l ag erschien*. |l.icht! Wo Fromme Heil, Schmach die umllichl, die xerschmähn -(-:-;- Ach der, ein'knetht, nach Schalten keucht, Umgiell ihm Deines Heils Gcleuiht, Und ruf ihm zu: .-.Wo Dunkel krocht. jl i<hi." Wie lang noch hockst du? komm sei licht! Aulgirg „Huld Huld" — o ruls! Dlhäume lall l.rstehc ii zwei ge reiht, aul dass Im l'empel ström’des ( )cles Nass. \ l.ichter zu zünden I )cm, der licht. Ihm /um I Jehl! Dem Sahhat des w iiilerlidicn Lichterfestj-i dies l.ic-tl gew iiliurt. Aus dem iVoplielciiali'diuitl (Sadi I4.-4.T, diese' I agrs niiuiiil rs dir Itildcrdes hcschtnutpc» und wieder in leine hleidri'geliull Irn Priesters, den I luidruf und dir lieidru ()rlhauiuc. Aus der Urei Ir der Sctirifl ni in in I rs die S\iiilxdik des I idit-. da>> (iolies und des .Xlrnsclirn. der Frschüplimg und der I udeulosiiug ist. \uder l irlr des \ olkshew uHlseins ninuni es die \ er'duncl/ung dieser wclluinlassriidrii I ichlsc nihiilik. uni der na lii malen Itclreiuug und Itrinigung. dir das l est leien. Denn die Lichter. deren .speise fast aiisgrgaiigen sriiiru und denen sie dann in einem wunder hären I rutulcin doch ausreiehte. diese l.ichter. um die das Itrauch tum des Festes kreist, dürfen in diesen adil lagen mit Ile,hl dein \nlk das (.iotteslicht des Psulins (sf».toj hedelilen, in dein es das eigene Lehens- und Schicksalslichl schauen darf.

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