Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 19 (23.12.1929)
- Date
- 1929-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBIATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der IVI Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt J Nadidrudt nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfalle».geitattet 'amdH liatse^ Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markte*ch Nr.19 Bremen, den 23. Dezember 1929 1.Jahrgang Zeiten -er Gefahr. Ein Wort zu Chanukah, den jüdischen Ellern gesagt. Im Traktat Sabbat heißt es. und cs ist von der späteren Gcsctzcsliteratur, vom Schulchan Arnch und von Maimonidcs, übernommen worden: »In Zeiten der Gcsahr soll man die Channkah-Lichtcr im pause anzünden und aus den Tisch des Hauses stellen." Tiefe Bestimmung ist aus der damaligen Zeit heraus zu verstehen. Soweit uns die T.uellen berichten, hal man zur lalm» dischen Zeit statt unserer Channkah-Lichtcr vor den Häusern große Fackeln augczündct.' Nun, die Zeit dieser Pcrordnung ist eine Zeit der großen kllämpsc. Richt selten hat der Pöbel jüdische Häuser geplündert. Nicht selten auch kam cs vor. daß diese Fackeln an den jüdischen Häusern. Fackeln jüdischer Siegesfeier, als Provokation ausgcfaßt wurden. Tazü kam eine besondere Rücksicht auf eine Sekte, die um diese Zeit ein Fest feierte, das des Lichtverbots. So ist es verständlich, wenn das Gesetz aus solche Zeilen Rücksicht nimmt und sagt: „In Zeiten der Gesahr sollst du die -Fackel» des ChanukahsensterS nicht der Straße aussetzcn und sollst sic in dein Haus stellen." Run, diese Zeiten der Gefahr sind ebenso vorbei, wie man heute ja sowieso die Chauukah-Lichter im Hause anzjindct. Was bleibt uns also von dieser halachischen Bestimmung? Was hat cs für uns Teutillieu von heule jetzt noch;» bedeuten, wenn das Gesetz von uns fordert: „stellt die Chanukah Lichter in euer Haus"' Man könnte meinen, aus der Forderung des Gesetzes könne man alle Zurückgezogenheit, alle Gedrücktheit mancher heutigen Juden rechtfertigen. „Gehen wir in unser Haus mit allem, was jüdisch ist: behalten wirs für uns! Rehre» wir cs nicht nach außen. Was gcht's die Welt an?" — So sprechen diese Ausleger unserer halachischen Gesinnung. Tas kan» Bescheidenheit und besondere Feinheit sein. In den meisten Fällen ist es aber nichts als Feigheit. Tas ist die Einstellung derer, die sich schämeig das Wort „Jude" auszusprcchcn.. und denen cs furchtbar peinlich ist. wenn mgu es ihnen überall anmcrkt, daß sie Inden sind. Es wäre höchst bequem für diese schwächliche und oft sogar lächerliche Haltung eines Teils unserer heutigen Juden, wenn sie sich aus das Gesetz stützen könnten, das ihnen sagt: „Stellt die Chanukah-LcuchleT in die Häuser", und die es so anslegen, als fordere das Gesetz de» scigen Rückzug alles Indischen von der Welt. Tenn auch das verkennen die Gcsctzesauslcgcr. Tas Gesetz spricht von Gefahr. Tic Frage des Antisemitismus ist »»geheuer wichtig. Aber man soll auch nicht übertreiben. Ter Antisemitismus ist heute in einem Stadium, das zwar unser Ansehen draußen schädigt nind deshalb muß mau aujklarcn und abivebre"«. Aber man solle sich doch nicht einrcdc», daß er allein eine Gefahr für das Judentum ist. Ja, cs gibt auch für uns heute noch andcrc Gefahren. Tic Gefahr, iu der das Judentum schwebt, ist die Gefahr der Auflösung. Man weiß nicht, daß wir aus einem Pulversassc sitzen. Tas Pulverfaß ist nicht von de» Antisenntc» gelegt. Beileibe nicht. Sondern von uns selbst. Worin besteht die Gefahr? Tas indische Wiiien stirbt! Man sehe lieh einmal heute die großen jüdischen Bildungsstätten an: die Lehrerseminare, die Rabbiucrbilduiigsaustaltcn: wenige nur studieren jüdische Wisseuschasteu. Es wird ein grausiges Jahrzehnt für uns kommen. Tas Judentum ist keine Sache des Gefühls allein. Es ist mit allen Faser» gebunden au das jüdische Wirken! Hört das auf. können unsere Rinder nicht mehr hebräisch beten — religiöses Gefühl mag bestehen bleiben, aber das Judentum in seiner spezifischen Art ist dahin. ' , Mau sagt: Ihr habt ja Schulen! Lehrt doch die .itiiuVi! Aber, schickt man uns denn die Rstider - oder ist nicht sehr vielen von uns der Klavierunterricht lvejentlicher als der Unterricht in jüdischen Tingen? Und wenn ivn. frlion die Ainde» in der rllni.e haben, wenn ein Heer der iinbligsle» Lelner den .Bindern i»dii>be.- Wisjen beibriugi ivas nutzt es. iven» das zu Hanfe »um »'euer gepflegt wird? Und jetzt versiehe» unr bereits den Sa» de> Ha laclra: In Jenen der Gefahr stellt den Cvanulab Veullirr >u die Hauser! Gefahr >ii um uns. Sielli darjndif.be r'nln iviedei in die Hanfe»' Mall» die Hanfe» wieder judii.b! Sll>aii:' den Lehrern die Moglillileii, die .»ürder ludiilli;» erziehe» aiif der t^rnndlage des jndifllien Hanies. iiiid halle' iin 'Priorigneiii de, i^eialn, in de» das Indeninrn irbwebi. alle-:- von eure'.» Hanse fern, >r>as es eiilindifll». Und dabei fei ein ganz onene--. aber, wie ill> meine, dringend nviivendiaes Won aeiagi: vli.it iuli bei den Juden Teinscblands die -Nie eingeburgeii. da.- Wi»:e> fest des Chrifieninms Zii ieiern W>n alle ivinen. dag d:e>es Fe» feine afiheiifchen Reize har. alle rviiien. daß judiillie vite>n. die den rannenbaum jlliiuullen, il»ei> MniiViii »»> Fr'„de »i.irlie» ivollen. Tas wiifen >vi> Aber ivie jamuterlirli iiiiif; es 11 nt eine Erziehung befiehl fei», wenn CNern. »>» deiii siind eine Freude zu machen, es notig haben. d»i> freuiden Bauin ai>ziizuu.den' Mau Hai in jruheren zZene» iiarilaiure» von ' Juden gezeirbuei, die linier dem aanneubani» fiveu iiiid die iieuiden Lieder »»gen. Run. es i|i biiler, am Clianulah davor, fprerlien zu inuffe», rind es ist keine jehr erhebende Ari, die Mallab. e> zu ehren: abe» >vi> iwAty* | -mgrvim Hin vn ninn tyn{t£tttmfonttn | ‘MofHÜHty Vl>HMUnH, MM Hin -WUH I Hie H$\>ü$nU 'Hie- LvsiefstSM I Jihmm- MMiefln» Hin firsiS ^vitnn, I Hn{n i fiUit'H', CjfvHtflUt'm, aMWwUiHffWi J Ar l A leben in einer;‘,dt de» iGefahr, und da ifi die eind.uiige nrid klare Aussprache arri Platz: Ialiiiau'eude lnndnilli feiern io,, .Zndcn Channkah. Es b'.ndei iirrs nur »rrierer PergangcnbrN Haben dir Inden, die noch immer die Lailierlillikeil. die.ganze->ta>ilaliu dir fer jüdische ii Weihnachtsfeier »ui» ielien. haben dieie. »rdistlie,' Elter» iiiclil nnnigiiens Srlirii» vor ihre» toiei'- tziirlii »r>d vor der lebendigen neuen jüdischen nlriicral■ t>11y' Gefahr >ji draiiszen! Gesarrr, d'-e man ni'rlii einsa.lr-neliinrn soll, «Gefahr, die man spuren, wird, ivenu dasirrid nirl» nuhi ibird .Naddiill' sage» tonnen, inril es »:.ln heb'.-ii'rlr grleini liai Tas foll man Heine bedenlen. »e.edei'tl r - a,n F-e»e de, Jugend, an Chanukah! llard wenn »ran die ganze «>'„oße dieie, i'U'iiln gesehen hat dann »ehmt die Cli inulali r'eullilel nnd iulh ,re iii die Hauser! Tie Mallahaer haben er>i unreines Heiligluni tui; Lirlilr>' glanz geweil», iveiheri wir »»feie Hanier rnil de», N'llanz unserer jüdischen Lictner dann iviid de» i'riilnn des ,'riida Matlabi »eil erflehen und die Weihe des judiillie» Harne- Tr s>> :>i