Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 16 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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in einem flott geschriebenen Aufsatz den derzeitigen Verwalter des Teminars, daß die Romantik dem alten Lehrgebäude an der Dallstraße erhalten bleibe' Vir möchten nickt, so schreibt Tr>Prinz, daß das Temtnar ein „Institut" wird. Vir haben oft genug die lerckle, kleine Telmsttckt gespurt, die ein wenig nach dem Muster der preußischen Akademien geht. Ordnung, Ordpung, Ordnung, aas ist alle-:' sehr schön und lobenswert. Ader mitten in der :Tr&« ■ iinr.ft soll das Semiiur nickt vcrprenßen, nicht ver—ordnet werden. Ans der Teininartreppe gab es eine alte Nhr. die vielleicht aiick einmal geschlagen Hai, ganz hell und heiser, denk ich mir. Ta kam eine ,'V.it, da nahm man die Uhr heraus »nd das Wc« hiinie blieb Vahrhasiig mit :>iechi. Man hätte es nicht missen möge», auch weit» keine richtiggehende Uhr >darin war. Man war dabei ganz glücklich. wie jener Glückliche ans dem Zprichwort. Tas Teniinar schielt ein wenig nach Berlin, nach der Hochschule. '.'Iber—man muß es sagen, die Hochschule hat guten t'>ntirt, anck nach Breslau;» schielen. Nach seiner Behaglichkeit, seiner Lust, ja nach seinem Teminargarte», seiner Atmosphäre.. Banen cie nun, meine Herren.' Renoviere» He. Aber lassen Tie nns^ das alles unangetastet. Lassen. Sie das Seininar nidftV nt ein Schema eingehen, ein Tritcma, snr das unserTemtnar zu schade ist. Jeder, der etwas Gefühl snr Atmosphäre hat, wird um dieser A t m o s p h ä r e willen nach Breslau gehen. Tenn für unsere Bildung, snr unsere Arbeit int Amt ist diese Atmosphäre, diese unvergeßliche Luit wesentlicher gewesen, als eine halbe Bibliothek." Zur Kalenüerreform. Ban M a n i r e d B e r I i n e r, Hannover. ,'ut Ar l- Iiat Herr vilientlml Wiesbaden die Le er des "'»m.indtdlatitS i» tr.iilnler Veise über die verschiedenen Bottrit'läge uir Aetorm des bü"get lieben slaleuders unterrichtet. Tie vo > i»m als '.weite und dritte Gruppe bezeichneteu Bor» i.lilage ivürdea uveiiellvs annehmbar sein, wenn nicht nach Lilienitial durch beide Bvrschläge die >"esa»r behände, das; der iiidiüche Sabbat ecßört würde. ' Ti-s würde dadurch dro bon. das; nach dem leinen Tag des Wahres, der ein Tabbät sein würde, utnariiü ein ,/veißee" Tag im Schaltjahr sogar uvei ..weine" Tage entoeiriiallei werden und daun erst die eine Vo.be des neuen Sabres beginnen soll, deren siebenter Tag ein Ta''ba> wäre, ,-hviiche» dem letzteil Tabbat des alten »nd dein erneu Tabbat des tieitet Jabre? liegen dann also rtri» iech^, sondern siebet oder acht Tage, und wer als Jude den Tcltabbos richtig halten wolle, müßte ihn int netten Satire iriwn am Freitag, evtl Tvmter-siag. Halle», und im foIgendV.i Falire tvürde der Tritabbos au> Tvnuer-stag^iälleu nßv. '.Attß tttut die Einiriiiebung des „iveißeu" Tages wirklich dieie folget iür die F»srn>ieit haben? Tvtb.nl ich unterrichtet bin? toll der „weiße" Tag der ße des Jahres nach Voelteu 1 Tagen > kein ^Arbeitstag, sondern ein Feßtag tei» ,;iio.i lieit dem letz e t Tabbat des abgetanseneu und dem erben Tabbat des neuen Falues würden also nach den Bo.schlägen. der »ieiornier nicht eltva lieben, sondern wie in allen anderen Wochen nur sechs Arbeitstage lieget!. Vie lautet denn nn>t das Tabbat Gebot der Bibel? stecht da etwa enthielt, daß ieder »nette Tag Tabbat teilt [oll? Bein Tas o^oo: beüetit ans uv et Teilen; sechs Tage iollß du arbeiten, und am siebente t iollß du Tabbat halten. Also > tritt tritt erbt bin ieiyr siebente T eun, sondern Der iiel'eute T a g ii a rit ierits V e r t t a g e n soll Tabbat sein- Nach dteter Anisatinng würde das Ta',wiiclte»tchieben des weißen Tages, eines e ß i a g e s,. das Tabbat-tt'ebot der Bibel nicht oerielteit; den» der erbe Tabba! des neue» Wahres würde dem biblisri'e» o-esetz gemäß der siebente Tag nach sechs Vers lagen niritt etwa der achte Tag nach sieben Verklagen sein. Tie Fudeulie t tö title sich also m.timit der geplanten Reioriit woltl abfmden. tndeat s e den weißen Tag anrit teligtös als .Teiitag protlamierte: es braucht ja nicht der nrenge Tritabbos ui sein, tondent ein F-e'ttag. tvie alle unsere auf eilte» Vo.chentag ial ebde Festtage, also z B. ohne das ürenge Berboi des Umgangs mit ,Teuer, das au zwei auteinander totgenden Tagen lanm' zn ersüllen sein würde, we-sbalb ja anrit der jüdische galender io eingerichtet iß, daß Jomltpvttr niemals aui Freitag oder Tonntag iättt. Ter ibi.b no Tag des bürgerlichen Jahres alS religiöser soniag idi würde ilm Tim.Iias Trimnoh »ernte», könnte ein Feßlag werden, den einmal"auden und Chrißea gemeinsritaitlirlt feierten: ei» Fdeal ni'laitd, der bislang noch nictit erreiriu Yverdon lonnle. ein große: idealer t'io.oittn ans der im übrigen ^nnriuerne» »aleitdert.e'orm ' die Juüen in (desterreich unü die ^eimwekren. Tie innerpolitisclteit Vorgänge der letzten Voche», die in der Ansland-spresse vielfach diskutiert werden, berührten auch das Schicksal der ößerreiritischelt Tn den. stein Einsichtiger täuscht fiel) hier darüber, daß der Angrisf der „Heimwehreit" auf die Sozialdentokraiie seine tiefste Nahrung aus dem Antisemitismus zieht. „Austromarxismus" sagt man und meint die jüdischen Führer, vor allem Otto Bauer, Breitner, Austerlitz und Julius Tcutsch, während Karl Renner, der Kanzler des Vertrages von st. Germain, ja selbst der „rote" Bürgermeister von Wien, Karl seitz, lange nicht so sehr Gegenstand der wütenden Hahausbrüche sind. Es wird das tauge Sündenregister der ästerretchischen Sozialdemokratie ansgezählt, von der Steuerpolitik Breitners bis zu der wüsten Hetze auf den früheren Polizeipräsidenten und jetzigen Bundeskanzler Schober, der zwei Jahre hindurch als „Arbeiterniorder" und .Muthuiid" apostrophiert wurde. Tie Wiener Sozialdemokratie, deren taktische und intellektuelle Führung fast völlig in jüdischen Händen liegt, hat die Heimwchr mit billigem Hahn abzutun geglaubt. Diese aber machte sich mit Erfolg dte elementare Ablehnung van Theorien zunutze, die darum als volksfremd und volksfeindlich bezeichnet werden, weil sie von Juden stammen und von Juden getragen werden. Alle Verdienste der Sozialdemokratie um Oesterreich und besonders um Wien, gelten nicht, da Juden im Vordergrund stehen und sich immer ivieder in den Vordergrund drängen. Die österreichische Provinz, die in der Habsburgerzrit ein geschichtsloses Dasein geführt hat, durch die Qualen der Nachkriegszeit hindurchaegangen ist und eben jetzt mitten in einer schweren landwirtschaftlichen Ablatzkrise steht, macht für alle ihre Leiden den Marxismus, das heißt für iie: tzic Inden, verantwortlich. Dieser Haß verzerrt alle Taten der Sozialdemokratie ins Ungeheure und übersieht wissentlich alle Fehler, die andererseits von den Bürgerlichen begangen worden sind. Noch sind sich die Heimwehrführer nicht einig, ob die Bewegung offiziell und programmatisch antisemitisch sei oder nicht; noch behauptet man, nur auf die „sozialdemokratischen" Juden und ihre „Uebcrhcblichkeit" zu zielen, hat man doch sogar im Heimatbund eine Art Formation für Nichtkombattanten gegründet, die sich hcrbciläßt, Inden auszunchmen und in deren Versammlungen auch Juden für den Eintritt werben. Aber die wahre Gesinnung zeigte sich bereits-im heurigen Frühjahr in einer Kontroverse ztvtsciien der radikalen steirischen Richtung und der gemäßigteren tirolischen, die in die Erklärung auslies, daß man von'-Juden Geld nehme und sic daher in Ruhe lassen müsse. Der Ursprung der finanziellen Mittel der Heimwehr ist begreiflicherweise in Dunkel gehüllt. Doch wird man kaum fehlgehen, wenn man die deutsche Schwerindustrie und vor allem Hugenberg als Hauptgeldgcber bezeichnet. Tie schweren wirtschaftlichen Verwüstungen, die der latente Bürgerkrieg verursachen mußte, hat das Ministerium Schober ans Ruder gerufen. Die Heimwehr hat Schober aus ganz anderen Beweggründen gefordert, denn ihr war er „der Mann mit der starken Hand". Es ist zweifelhaft, ob Schober, den die Juden als ehrlichen und unparteiischen Mann in recht kritischen Situationen der Nachkriegszeit kennengelernt haben, seine Auftraggeber, die Heimwchrleute. wird befriedigen können. Noch zweifelhafter aber ist es, ob die sozialdemokratische Führung einen geeigneten Rückznq wird nehmen können. Nicht wenige Arbeiter dürsten von den ntchtmarxistischen Gewerkschaften eingefangen werden, so daß ein numerischer Rückgang kaum vermeidbar erscheint. Dieses Moment aber wird von den Masten den jüdischen Führern angckreidet werden und die antisemitischen Instinkte, denen die „Arbeiterzeitung" des Juden Austerlitz schon längst gelegentlich Rechnung getragen hat, werden zweifellos durchbrechen, ohne allerdings diese Führer stürzen zu können. Je länger aber die Sozialdemokratie die einmal errungenen Positionen zu behaupten versuchen wird, um so heftiger wird die Heimwehr den schwächsten Punkt dieser Position, nämlich den bei Deutschen auf die Dauer nie versagenden Iudenpunkt angreifen. Schobers Kabinett hat ja gleich zu Ansang den ursprünglich in Vorschlag gebrachten, längst gelausten Professor Josef Redlich, einen selbst in England hoch angesehenen Kenner der englischen Verwaltung und des Parlamentarismus auf Wunsch der Großdeutschen fallen lassen mästen. Tie Inden Qcstcrrcichs gehen stürmischen Zeiten entgegen. Ihre wirtschaftliche Situation ist durch diesen latenten Kriegszustand zu allererst bedroht, während ihre politische Stellung dadurch aufs äußerste belastet wird. daß. sie auch selbst zum großen Teil jüdische, von denen je zwei männliche und weibliche Reichsausaktiv oder auch nur' als Wähler im sozialdemokratischen Lager stehen. ‘ ^üöifthe Nachrichten. Zionistischer velegiertentag am ry. unü Z0. dezember. Tagung -es Lanüesvorstanöes öer Z. v. f. d. Berlin. (ITA.) Tie Tagung des für den 10. November ' „ach Berlin eiitbentfeiten Landesvorstandes der Zionistischen Bereinigung für Teulschland war außerordentlich stark besucht. Tie meinen Ortsgruppen hatten Vertreter entsandt, denen der Landesvvrsland das Recht gab, an der Aussprache teilzunehmen. Es stellte sich heraus daß ans Erwägungen der praktischen Arbeit fast die gesamte Linke, die große Mehrheit der Allgemeinen Zionisten und die Vertreter fast aller Ortsgruppen Bedenken gegen die Einberttfung eines Telegiertentages hatten. In der Bormittagssitzung hislten die Vertreter der oppositionellen Gruppen programmatische Reden. Im Verlauf der Nachmittagssihung erwiderten aus diese die Herren Kurt BInmenseld und Robert