Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 12 (15.9.1929)
- Date
- 1929-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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öffentliche Mahnung. Gemeindemitglieder, die das erste, zweite oder dritte Quartal der Gemeindesteuer für das Rechnungsjahr 1929 noch nicht bezahlt haben, werden hiermit aufgefordert, die fällig gewesenen Beträge bis zum 20. September 1929 auf Postscheckkonto 8083 Hamburg oder bei der Darmstädter und Nationalbank einzuzahlen, weil ab 22. September Zahlungsbefehle erlassen werden. Bremen, 15.September 1929. Der Vorstand. ougcnb", öinflcjtcllt von F. Hcrzberg, zur Berfugiing vor Tchnlleitung. \ . ttrlocrbetötiflc jüdische grauen, lliit bic miitdlujc jüdische Mädchenwelt vor Arbeitslosigkeit zn schützen, ist i» Breslau eine rituell geführte Hatisgehllsinnenschuic eingerichtet. Rührend des dreijährigen Bestehens sind fast l'UU Mädchen ansgebildet worden, die jänittich Ttellnngen gefnuden haben. Tie Nachfrage nach ge jchnltent jüdischen Personal ist ^o groß, daß sic nicht bejriedigt werde» kann. Ter Breslauer schule ist ein Internat mit sehr schönen lustigen Räumen angrglicdert. Ausknnjl erteilt das Indische Wohlsahrtsamt. r- Bremer Nationalsozialist vor Gericht. Bor dem Tchössen gericht kamen die Heldentaten des Nationalsozialisten N o t h - dürft zur Aburteilung, der — ausgerechnet am .Starfreitag', die jüdische Familie C. in ihrem eigene» Hause überfallen und den 13jährigen Tohn in rohester Wei>e mißhandelt hatte. Roth dürft fand nicht den Mut, leine Taten einzngcslchc». Ter Erste Ttaalsanwalt, der auf Beschluß des Generalstaatsanwalts, in Hamburg die öffentliche .ttlagc erhoben hatte, hielt eine cxcmpla rische Tlrafe für nötig, Als Vertreter des Nebenklägers sprach :>icchtsanwalr Tr. Roienak voit der brutalen Wut des Angeklagten, der ohne jedes Gefühl wehrlose Menschen hinterrücks nieder schlage, und wies darauf hin, daß Verhetzung keine Entschuldigung für den antisemitischen Wüterich sei. Tas Urteil, lautete aus drei Monate Gefängnis. Plötzlicher Tod. Am Tcptcmber verschied hier der amerikanische Bürger Tavid Arpad, der seit drei Monaten in Europa weilte, um seine in Luky (Tschechoslowakei) wohnenden Berwandlen zn besuchen. Als er im .Stonlor der Firma F. Mißlcr die Tchisfs karten für die am airderen Tage mit Tampfer „Bremen" vor gesehene Heimrcisc begleichen wollte, erlitt er einen Herzschlag, der seinen' sofortigen Tod herbeiführlc. Ter Leichnam wurde am 4. Teptember, am Morgen der Tampfcrabsahrt, eiiigeäjchert; die Urne mit den Aschcnrcitcn nahm die Witwe mit nach Nenyvrk. Ter Bcrsrorbcne war erst -1K Fahre alt. Bremer Hochschulwochc. Tie von führenden Gelehrten gchal tencn Bvrlcsuugen bcginncn am :!». Teptember im Hag - Taal. Professor Tr. Ritschl spricht am 30. Teptember, l. und -. Cftu, bet, über „Tic deutsche Wirtschaftslage und die Berteilung der Steuerlast. Tic wirtschaftlichen und geistigen Grundlagen einer europäischen Ttaatenvereinigung. Tie Xirise der europäischen Wirtschastsgeltung auf dem Weltmarkt". Am 3. und 4. Oktober spricht Prolcssor Tr. Hempel über „Tie altkananäische Ttadt im Lichte der »enestcn Texte und Fniide". Tiefe Worlräge finde» von 10 bis 11 Uhr vormittags statt. Einzclstundcnkartcir l Mark bei Fohs. Ttorm, am Wall 114. Institut für Jugcndkundc. Am 33. und Ll. Teplenibcr hält Professor Tr. Alfred Adler-Wien Borträge über das Thema „FndividnalpsycholvgicA von -'0—-'1 Uhr im :>iealgl)l>tna>iilnt. Marte 3 Mark für beide Pvrträge. Borverkans im Bvrtragsanit der Bremer Wissenschaftliche» Gesellschaft, Böltchcrsir. lä. Handwerker. Tie Liste der jüdischen Handwerker vermehrt "sich »in Herrn Fvseph Tchwarz, der sich Nolandslr. -■> (Eingang »leine Attnenstraße) als Tchnhniachernieister niedergelasseii hat. Gemeindcvcrcinc. Tie Bereiiisvorständc seien darauf hiiige wiese», daß „Tie Sparkasse in Bremen" eine Mpro;. Nachanswer lnng ans die bereits ansgezahlten Prozent vorniminl. Ftibiläui». Ans unserer Nachbargenicinde Anninnd Begcsact wird berichtet: A>n I. Teptember beging unser tücmeindeiniiglied Hermann Leon in Blnineiithal (Hannöver) sein üijähriges Ge schäjtsjnbilänin, wobei ihm reiche Ehrungen cntgegcngebracht ivür den. Tie Bertetcr der Behorch:» uut> Bereine überbrachten ihre Glückwünsche persönlich. Tem INepräsentanien »olleginni unserer Gemeinde gehört Herr Levh lbereits feil Fahre» niinnier brochen an. i HilfSbcaniter. Herr Heinrich Groß, zuletzt in Heringsdors tätig, wurde für den Tchächt uub Bvrbeterdienst anshilssweise in Beschästigllng geiivmmc». Tahara. Fm vorigen Gemcindeblatl ist mitgeteilt worden, daß die Leitung der Eheivra kadifcha bei einlretenden Todessälleii mit dem Bcrsagen der Milgliedjchaft rechnen muß. Leider hat . der Borstand des Fsraelilischen Frauenvereins mit denselben Tchwierigkeiten z» kämpsen: immer. sind es dieselbeii tvenigen Tarne», die deil Berstorbene» beit letzten Liebesdienst erweisen. Tollte ivirklich unter beu ca. ln» Frauen nictit mehr als ein Pro zent bereit mit» iilistande sein, bei der Tahara niit.znhelfen? To gut wie jiidische. Bercinc Besuchs und andere Ausschüsse bilden, können sie auch Tahara Ableilnngchi schaffen, die sich dem Bor iiand des Fsraelilischen Franenvereins bei einirelendem Tielbe fall sofort zur- Bersügung stellen. Wo ein Wille in, ist auch ein Weg. Lehrbibliothek. Fnm L»>>. i^ebintslage von Moses Mendels sohn vollendete sich ein ivesenilicher Teil .derjenigen linier nelr ninng. die positive und produkiive Ehrung Mend^ssohns im ho>l> gen Tinne bedeiiiel: die Tamnilnng, Tatslellnng und Fnganglich machnng seines Gkisteswerkes in einer jechzehnbändigen Men delssoh» Fubilanmsansgabe, veransiallet bnrdi die Akademie snr die Wissenschaft-des Fndenlnnis niid die ('»eiellfdiaft znr Forde rnng der Wissenschaft des Fndenlnms in e-n-meinschaii ini.l der» Akademie Berlag. Teilens der lüezueiiide ist eine- Tnbikriplio» auf die Fnbiläunisgnsgabe für die Lehrlnbliolhek nbernoinnlen worden. Fra» «cnator »irchhoff in Breme», die bekannte Borlampserin für Wahrheit und «»erechligkeit, hat es auf dem iii Prag tagenden, >'< dtongreß der Fniernat. Franenliga fnr Frieden und Freiheit dnräigefdlNT-Tni Hinblick ans die traurigen Ereignisse in Pala slina folgendes Telegramni an die Londoner Negierung ab;>t senden: „Tie ans A> Ländern.der-Welt in Prag verjaninielien Frauen der FniernaEonaleil Liga kür Frieden und Freiheit haben mit Eiilseven von den »änipsen in Palästina »enntnis genoin mejl. Tie ersuchen die britische.Negierung, alles daranznsetzen, »in einen friedlichen Ausgleich der «Gegensätze herbeizusiihren und iveileres ^Blnlvergießen zn vermeiden." Es tvnrde beschlossen, diese Tepeschc unter Peinigung einiger politischer Hiniveise, die »leichzeitig die Wege znr »lärnng der.komplizierlen Lage in PAa siina andenlen könnten, abznsenden. Lchrcr-Bersaiilnilung: Am Tonntag, Teplember, Halle» die jüdischen Lehrer, von Bremen und Umgegend eine »onsercnz in Bremen, iim zn Tiandesfragen nsiv. Tlellung zu nehmen. Antiscmitisinns in der Straßenbahn. Mehrere Falle anljsenlilischer Aeiißernnge» seitens einiger Tchaisner der Bremer Ttraszeubahn haben den E. B. veranlaßt, bei der Tireklivn vorstellig zn iverden. Taranfhin Hai die Bremer Ttraszenbahli folgende Beranntinachnng er lassen, die wir hiermit verossentlicbe». , Bekanntniachnng. Ter :,Eent?trIvezein deutscher Tiaalsbürger jüdischen <sZla>i bens" hat sich ebenso wie einzelne Fahrgäste dieses-Glanbens beschiverdefiihrend an die Tirellion gewandt. Es ist sestgestelll, daß sich Tchasfner in verschiedenen Fällen zn AeiißeningeiEaiili setnitischen Fnhalts habe» Hinreißen lassen. Tie Tiraßeubahn, als reines Berkehrsnnternehmen, befördert ohne Ansehen der Person, des Tlandes, 'Berufs, des cälanbens, ihrer politischen oder sonstige» Richtung alle Fahrgäste, ohne Unterschied, sachgemäß nnd mit der ihnen als .stunbfdiaft der Tlraßenbahngesellschafi geschnldelen Nncksicht, zn ihren Fahr zielen. Temgeinäß haben sich unsere Fahrer und Tchassner, so lange sie im Tienst sind, jeder Meiiii^ngsäußernng und rlblätigung auf politischem oder ähnlichem läebieie peinlichsi zn enthalten tvoinil ihnen das versajjnngsmäßige üiecln aller Tlaaisbürger ans freie Meinungsäußerung i»i übrigen selbstverständlich nicht bestritten ivird. . Aeußerntigen antiseinitische» Fnhalts sind, auch abgesehen von der durch den Tienst anserlegten Fnrnckhallung, grundsätzlich und allgemein zn verurteilen. Es koninil Hinz», daß .Stränknngeti iin serer israelitischen Fahrgäste unserem immer ivieder betonten tärnndfatz-widersprechen, daß Höflichkeit unter den Tienslpslichten des Tchaffners au allererster Tteile sieht iZitier I der „Tienst antveisnng für das Fahrpersonal" vom l. Teptc»(brr l'.E>', und A»I. I. Merkblatt, betv. Höflichkeit gegen die Fahrgäsiei. Breme», den r'l. Angnsi l»L» TieTirektio». Tie „Bcreiiiignng traditionell-gesktzestreucr Nabbiner Tentschlando" gibt die nachsolgenden Nesoiniivuen ihrer letzten Tagung an die gesamte jüdische Oesseniliclileit znr iienninis: Tie Bereinigung blnkl mit tiefer Torge ans die Tatsaclie, daß füll selbst in religiöse» Fantilien eine geivollie le,ebneten Bescbrän knng bemerkbar inachl. Tie wein mit 'Nacltdrnä daraus hin, daß t^ebiirienregelnngen im allgemeinen einen sclnveren. Fssnr beden len. Lina bei ernster.«äefalir fitv die täesnndhöii können solche 'Maßnahmen vor »nseiein täeivissen gerecltifertigt iverden. L,ie mals aber kann ein einzelner in dieser. Frage nach persönliche» Erwägungen eine Entscheidung treffen, umbau muß den objek live» halachisäien'-ücat seines Nabbiners einliolcit. Tie Bereinigung legt allen Elietii die Beianlivorinng snr unsere religiöse nnd naiionale Fnknnsl ansx Hertz, die nur'durch .tlinderreichlnm gesichert ivird. Tie enipsiehli allen Fionimen daher die Nückkchr znr E i n s a >l> h e i l d e r L e b e n s t » h r u .» g, durch die sich erst der'ganze Tegen des- Fantilienleben-' answirken kann und die überhaupt «ärnndiage aller Neligion ist. Tie Gemeinden wie die einzelnen haben biev hohe moralische Pflicht, die Fr» hehe z» fördern »nd kinderreiche Familien in ihrem Erislenzkamps zn scliittzeä nnd z» begünstigen Tie Bereinigung rnit alle .streife unseres Bolkes znr Förde ning aller -Maßnahmen im Fnierefie der Heiligliallnng de Tabbal auf. Ohne den Tabbal als absoluten üinhelag und >»-- Tag'seelischer und geistiger Weihe ist das Fndeninni dem Utile, gang Versalien. t