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Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-09-01 · 11 (1.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
11 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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V . ■ Mknöklssotw-denkmal in drffau. ' v»n 4tr vuchlianSiung m. w. Kaufmann, rcipzig r I, ,r»r Verfügung gestcllt. benutz, Besitz und Eigentum, Pnlirt keine andere Macht, als die Macht durch Gründe zu gewinnen, zu überzeugen, und durch Ueberzeugnng glückselig zu mache». Tie wahre, göttliche Religion bedarf weder Arme »och Finger z» ihrem Gebrauche, sie ist lauter Geist und Herz. * Ter Mensch kann ohne Wählt»» nicht glücklich sein, nicht ohne „leidendes" aber ebensowenig ohne „tätiges" Wohltuu. Er kann nicht anders als durch gegenseitigen Beilland, durch Wechsel von Dienst und Gegendienst, durch tätige und leidende BX'rbindnng mit seinem Rebenmenschen vollkommen werden. * Alle Menschen suchen die Glückseligkeit. Alle Menschen wolle» wenigstemihr Wohl befördern. Wie kommt es aber, dag uns der Uebergang zur Glückseligkeit mehr behagt, als der wirkliche Besitz derselbe». Warum sind wir sröhlicher, wenn wir in kleinen Tinge» sorlkommen, als wenn wir i» großen stehen bleiben? ' * F» meiner nlopijche» Republik soll „nnr derjenige die Er lanbnis haben, in seinem Alter Tugend und Weisheit z» , lehren, welcher seiner Tugend der Theorie »nd seine männlichen Fahre der Ausübung derselben gewidmet hat. Wer seine Fei! und seine beste» Kräfte dem Ttaatc ansgeopfert hat, der trete n»j iiild rede voic Liebe des Nächste»! Wer im Tienjke des Mensche» geschlechls Gesahr lll>d Tod nicht geschellt hat, der rede von Re ligivn, Anfvpseruilg 'utiö Berachlung des Todes. Wer Berus in sich verspürt, wird auch unbesoldet anstrele», und wer diesen nicht in seinem Fnnern hat. wird immer ei» tonend Erz bleiben. * Tic Kriege, die größten Plagen des gesellschajtlicheu LehenS, entstehen vielmehr aus einem Mangel a» Geselligkeit, als a»S t>)e selligkeit selbst. To lange ei» jeder politischer Körper noch seine besonderen Fnteressen hat, so lange alles bei ihiie» »och »ach dem (besetze des Tlärkereu gehl, u>id die besetze des Pölkerrechts weder Ansehen noch Rachdriick haben: so lauge leben die Tlaaten gegeneinander noch im Tlande der Natur. * Tas Gesetz des Ttärkeren kan» im Reiche der Wahrheit keinen Rechtsfall entscheideil. Gehalt »»d Recht sind Begriffe von so verschiedener Nalnr, daß die Gewalt so wenig du :>iechl, rrls das Recht eine Geivall erzengeii kann. Ein üiechi aiis der einen ohne Lvliegenheil an der anderen Teile, müßte diirch die Gewalt eiit schieden werde», und dieses ist nngereimt. * Fedc Gesellschaft dnnkl mich, hat das Recht der Ausschließung, nur'keine kirchliche, denn es ist ihrem Endzwecke schilllrstraks zuwider. — Ach, meine Brüder! Fhr habt das i>r»>ke»de Fvch der Fntoleraii; bisher all;» hart gefühlt, und vielldchl eine Art von Geiingliiiing darin zu jiiiden geglaubt, weiin euch die Macht ein gerann» wurde, euren Untergebene» ei» gleich haries Fach ans zildrmkeii. Tie Rache sucht ihre» t>>ege»siä»d. und weiiii sie an deren nichts a»häbeii kann,, jo nagt sie ihr eigenes Fleisch. Biel leicht auch ließet ihr euch dürch das allgemeine Beispiel verführe». Alle Böller der Erde schieiie» bisher von dem Wahne beiori zu sein, daß sich Religion nur durch.eiserne Macht erhalte», Lehre» der Teligkeit, nur durch niiseliges Bersolge» ansbr.eite» nnö wahre Begriffe vo» iävil, der »ach unser aller Geständnis die Liebe ist, mir durch die Wirkung des Hasses iniitaileii lassen. Fh» ließet euch vielleicht verleiten, eben dasselbe zu glanben und die Macht z» versolgeil war das nid)' wirbligste Borredn, das einesBersolger euch eiuräumeii konnten. Tanket dem Gotte eurer Bäler, danket dem Gölte, der die Liebe und Barmherzigkeit selbst ist, daß jener Wahn sich nach »nd nach zu verlieren scheint. Tie N'rlionen dulde» und ertrage» sich einander und lassen auch gegen e»d> Liebe.und Berfchonung blicke»,'die unter dem Beistände desjenigen,^der die Herzen der Menschheil lenkt, bis'znr wahren Bruder liebe anwadisen kann. L, meiile Bruder, folgt dem Beispiele der Liebe, sowie ihr bisher dem Beispiele des Hasses gefolgt seid! Ahmet der Tugend der Nationen uad>, deren Untugend ihr bisher »achahmeii zu müsse» geglaubt. Wollet ihr gehegt, geduldet, und von ander,, versdioi» sein, so hege, und duldet und verschoni emb untereinander! Liebet, jo werdet ihr geliebt werden. Möchten diese wenigen Proben dazu beilragen, nicht »ur »der Mendelssohn, sonder» vo» seinen Ge.ijleeeizeligliisjen zu lesen. \ ' Milgeteilt von L Horwitz, Rassel wo hat Noses Menüelsfohn in öerlin gewohnt l An dem Hause Tpaudauer Tlraße i?*.< l frühe re Nr ,!.!> be findet sich eine Gedenktafel mit der Aussdirisl: „Hier lebte il,id wirke Unsterbliches Moses Mendelssohn, geb. Tessau I7B.I gesl Berlin l7»>. Teiueni Andenken die Tladi Berlin l'.lll". Fit einer Fn sehr ist an die „Bvjsijche F,eilrk»g" wird »»» behauptet, daß sich die Tasel an einem Hause befinde, in dem Moses Mendelssohn nie gewohnt hat. Fm Treppenslur des Hanfes Tpaudauer Tlraße tsrnhere Nr. il>> besindei sich nun ebenfalls eine Gedenktafel: „Fn diesem Hause lebte nnd wirkte Unsterbliches-Moses Mendelssohii, geb. Tessau >7-'». gesl. Berlin 17>i',". Fn der Fusch »ist wird dieses Hans tan de», sich.außen a»>b eine Gedenktafel für Lesjing befindet kf als die richtige Woh» stalle des Philosophen bezeichnet. Also der Tlreil gehl um die Hauser »'«".»»»d >«!"> und gewinnt aktuelles Fiileresje, da am Trpiember, dem L»i>. Ge burislag Mendelssohns. Gedächtnisseiern begangen werde» solle». Tie Ttaatsbibliolhek ivirü mit der Berliner Fudischen Genreinde unter dem Titel: „Moses Mendelssohn nnd sein Kreis" eine Auslellung veranstalte». Fn der Fuschrist heißt es nun: Nicolai schreibt vom Fähre 17.7S: „Fg> wohne in .»»serei» Hause, in dem Ramler, M»li»s »»d Lessing gewohnt habe»: ganz in meiner Nahe wohnt Moses." Tieses „ganz >» mriucr Nähe" bezog sich aber nicht auf Tpandaner Tlraße Tie andere Ede, Tpaudauer Tlraße, Ecke Bischvsslraße, die'Bischofstraßc Nr. I I numerierte, gehörte seil dem Fahre I7.'>n de», Teideirwarensabri lallten Bernhard Ffaac und war noch im neniizehnten Fahr hundert im Besitz der Bernhardsdie» Familie. Moses Mendelssoh» ivar von!7.">I an Hauslehrer bei Bernhards lind dann dort 'Buch Halter und hat jidrer im Hause feines Broiherr» gewohnt, schon deswegen, weil ec damals noch z,l den Unverheirateten gehörte Er heiratete l7U:',, verließ mm das Haus Bernhards und zog nacl, Tpandaner Tlraße )>^. 'Nicolai berichtet: „Mojes wvhni jetzt in nnjercm Hanfe, das ihm gehört." Tas stimmt allerdings auch nidil ganz: denn nach de», Ausweis der Gr»»db»>hallen im Geheime» Tlaaisarchiv gehörte Tpaudauer Tlraße iw vo» 17t;.') bis 17S7 Fcail Rösel Mener, geb. Ephraim. Taruber, daß Mendelssoh» hier nur zur Miete gewohnt halte, klärt »odi ein »»eiieres Tchcisi sliick auf. Anno l7M! machte Mendelssoh» eirfe Eingabe, um vo» dczr Eiuciuarlierung befreit zu werden. Er berichtet, das; er das Büro und die Rasse des Bernhardscheii täeschäsles nacl, Tpau daiier Tlraße verlegt halte und auch »c»h Rännie für seine Tindie» benötige. Er halte die Wohnung für zehn Fahre gemietet Tas wäre bis I7i',>', gewesen. Es ist a»zii»eh»ie», daß er den Ron lrakt aus weitere zehn Fahre verlängert hat, denn über eine» Wohnungswechsel wird nirgends etwas berichtet. Nach Ablan' dieser zweiten zehn Fahre , l7-i',> starb Mendelssoh», Ein Fahr nach seinem Tod? lauste seine Witwe sür 7>«m«> Taler dieses Hau--. Es kommt also fui dir Wvhiislalle Mciidel-.-sohns nur da- Bernhardsdrc Hans, Bijchvsilraße l l, Ede Tpaudauer Tlraße, »nd vor allem das Hans Tpaudauer Tlraße il-, das „Lesjiiighau,-", in Frage, für das Halis, a» dem sich jetzt die Tasel der T!ad> Ber lin besiudet, liegt nidzt die geringfle Bestätigung -vor.

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