Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 11 (1.9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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\ CU* ***£ U ^w- %f*fW*£$W*f<H«* WW ^S0*Ul5^kv*^ ‘9lotlU*v*f*t* & $W&Mfr Moses Mendelssohn und Kant. lK I'i.! i'uiv i' e v i b „ I i di i' 'B e ii iji IIIIII >i. Per beiPeii 'IMiilu HU'heit,. Pie >» Mi’iüjVJbnii itattfanij, heiiditet Per heute nahe',» »en,diene, ieiiiei",eit vor 7" bi* '»aInen ielir bekannte Zdniit liehe, .'Inaiiit V e» 1 P in seinem auiohio,ir,indische» 'Bndie „Ein .'Kenidienleben" svlgenPe*: .'.Kose* .'.KrnPel*sohn betanP tiil> im '.'liiipiit 1777 ans Per Ziudireiie „ml, ‘.'.Kemel, wo er iieiduiitlid, ',» tun hatte, nnP he nnvte oie 'Beledenheit, ein paar Plollegien Plant*;n besndien, Ein kleiner verivaditener ,'wiPe mit ipihem ÜKm nnP starken, Höcker trat, ohne mb viel nin Pie '.'ImrefeiiPen ',» kiuninern, Podi mit anaiilidien Zdiritten in Pen Hörsaal. nnP blieb in Per ‘.'iahe Per diiimimvMiir stehen. Wie aeivöhnlidi beaannen Spott nnP Hohn. Pie .,l*(mlP in Zdnuf’.en, iMmi'ieii imP greifen tiheiaimv.’ii. .'Iber ui allgemeinem Crstanneii blieb Per A-iemPe, eine in Pieien beilideu Hallenaai:; »naetvöhnlidie bridieinnn,,. wie sestgebaunt, tmt einer eilige» tKiihe. imP haue intr sogar, iim seinem thMlleit, Peil Broieiio, ui e>warte», Peiitlidi A»*Pr»rf;» verleihen, eine* pastehenPen Stuhle* beimduigt 'Man näherte iid> ihm nnP fragte nadi seinem 'IKgehr E, anttvonete kur; nnP artig, er ivolle P bleibe», um Plan:* 'Betanntid'asi;n madieii. Peiso» brr idieinen konnte e»P,idi Pen varm beidm>id'ti>,e». 3"er Bortraa lenkte Pie allgemeine Ansiiierkiamkeit ans ganz anPere Timte, »»P man ivar io hinaen'ien, io versenkt in Pa* Meer von neuem veben, Pas; man Pe* eivaePinngenen .'»„Pen langst uidit mehr iteP.td'te, a!* Piefei nadi beeiiPiittem Plolleg sidi Piudi Pie 'Menge Pranate. »in ',» Pein PlathePe, u> gelangen: sein Ungestüm stad, von reinem iriiher an Pen Tag gelegten '‘>leidnn»t stark ab 3ie ZtiiPieieiiPeti bemetlte» Pieie* 3K tragen kaum, al* iviePernm liohniidie* '‘leladner erPröhnie, Pa* iogleidi einer stummen Be, iviinPernng Bla» madite, Pa Plant, nadiPem er Pen fremde» einige Aiigenblide bePentiam beirackitet nnP Pieser einige B'orte >iei,ii,t haue, mit Hei'did'keit Pie HanP Priidte nnP Pan» in seine e>,ine idiloß, B-'ie ein ‘Pannene, ging e* Pnrdr Pie »Keime: „Mose* :">enPel--iohn' (y* i>t Per snPisdie Bhilosor'h an* 'Berlin". nnP ehrerbietia bilPeten Pie 3diiiler eine isasie, al* Pie beiPe» Welt meiie» HanP in HanP Pe» Hörsaal verlies',e». lieber Pe» iP i n a> ii ck. Pen MeiiPel-'-iohii ans Plant madite, iduieb lebte rer einiae 3age iv-ner an seinen 3dinier, Pen alnhevPen Plantianer »Karen* Her; in 'Berlin: e* ivg, Pie* ein bei i^limte, '.'litt, erster jii Pi'dier Broieiiai in Bienßeii >önP beilaiisia bemerk! '»alle Per Henriette Her;: „Ciiien soldien Mann von so saniter '»emiit*art, guter Laune, hellem Plot's, in Plö»ig*beia;» lebenPigein nnP inniglidiein lim gma;» haben, loiirPe Pieie»»»'. Nahrung sein, Peven idi hier aan;lidi eiithebn'ii mnn imP Pi^‘ idi mit;’,>iiu,hme Per ,u,lne 'rfiiite,;lijtf vermisse ,»li habe e* iiiPeiieii »idit so eiiiuieiriiteii aen'ns',:, naß idi von Pieie, eiti;i!veii '»eleaenheir, einen so raren »K'nii!;» »eiiieite», redn hatte ^>ebra»d, niad'eii heilen,;nm peil an* 'Beioigni*, ihm etioa in leinen hieiiaen 'detdiosten hi» Peilid';» meiPeii. b, hat mit gestern Pie blue eimieieii,;>veje» meine,' 'Borleinnae» beiunvohnen :i In f>»imm <ln »>>i, »>ie man iaaen könnte, inPem Per 3iirf> ans einen so aniehnlidien '»ast »idit einaeridnet tvar," '.'Imh hier leiubtet tviePe, Pie BeßheiPenheit Plant* imP seine 'elbitloie t'lnerkennni», i,emPe.» 'BerPienite* >,l>in;enP hervor, 'Be imtPere* Veb tollte Per Ploniaaberaer »öelnveiie Per 17>:i etidiie neuen Zdniri »KonPel*solin*: lern»,lern", oPer „lieber reliaiöse »Kad'I nnP .InPentnm" ...let, halte Pieie* Bitdi." io iduieb Plant am I' t'lnanit 17»! an Pen Bertaiier, „l'iir Pie BerkiinPianna einer aroiten,. obid'on lanatani bevoiitehenPen nnP vorriidenPen Beioim Zie bähen .Ihre :Keli^»>it mit einem soldien >»raPe von '»eiviiienhaiiialeii;n vereinen ,»'>v»s;t. Pie »tan ihr >»,r »Idit inaenani hatte nnP Peraleid-en., üd' keine anPere riihmen kann, Zie haben tnaleidi Pie '.KotivenPi>,kei! einer.niibeidirankte» '» e w i i i e n * i, e i h e i t io »nnnPlidi nnP hell voraeiraaen, Pas, ■ e»Mnb ttndr d'ie PiTfcbe iinse,erteil* wirP Para» Penke» »riisien, tvio iie alle*. »>a* Pa* «»eiviiien belaiiiaen nnP be>,Inden kann, von Pe, ibiiiien abionPere, iva* am lebten Ip'nPe Pie »Kensrhen in '.'liiielm,», Xtner tveienilidien :lieliaioi>*vnnlie verei»i>,en »mit. Zeit» alle Pa* i»eu'iiie,r behiithienPeii »ieli>,ion*sabe kommen »n> von Per 3aii>»be, iveiin ^lan.Pere» Boasirbeit;»r BePii»,»na Pe, Zeliateil niadn," llnP inPem e, seiner 'BeivnnPeriii», s»r Pen ionnenkl.nen, »»'metnveisianPlidien Ztil »Kose* »KenPele-tohn* '.'l»*Pr»ck verleiht, schließt rr mit Pen ‘Kurten: „Cr* i st mir ei» M e i, P e I * s o h n " . Plant empfahl MenPelc-soh» Lchiilcr, die von .liönigsberg nackt Berlin stingen: wen» jnnqe. Lenke andrerseit* mit Empfeh hu»»'» von M, versehen bei Plant vorsprachen so waren sie stet* einer ansterorPentlick) frenndlichen;'l»snahi„e sicher, wie dies an* Pen eigene» Briese» de* Bersasser* der „Plrilik der reinen Berlin,ist" hervoraeht, Tabei stellte sich Mendelssohn diesem Paar, Ptwerk Plant* Piirckian* kritiscki aeaennber: er war ickio»;rn all, »in diese»?,Peenaa»a noch in sich ans;»nehmen, nnd sußte^anf den t'liisdia»»»ae» Per bisher herrsckiende» Leibnib-Wolss'sche» Philosophie, Ta* trübte indes, die syrennPschast keineswegs. Ter 3oP MenPelssolin* ' erschütterte ,Immanuel Plant ans* er iesste, und er, der‘'den össentliche» Anssnhrungen von geistlicher Musik oder von Pion;erte» sonst fast nie beiwohnte, erschien diesmal niederr»'be»gt bei Per Tranerfeier, mit welcher die Inden Plönigsberg* Pen Tod des großen und verdiente» Berliner Denkers pietätvoll ehrte», ‘!tMr haben übrigens noch andere interessante Mitteilungen über Pas Berhalte» Pkants anläßlich des Todes Mose* MenPelssoh»*, Ter „Magis des Nordens, Hamann, ei» TveinP de* Bersasser* des^,.PhäPon", welches Werk Pkant schlechterdings als eine „„»widerlegbare Lchrist" bezeichnete, kann nicht iinihi»,;eb» Tage nach de», Tode Moses Aiendelssohns, am 1ö. >»,nuar 17s»i, an de» Philosophen Friedrich Jacob, zu schreiben, daß Plant bei Per Nachricht von dem Ableben seines Berliner Irenndes, von dessen „Triginalgenie" er bi*;»r Zdnvärnierei ein genominet, gewesen sei, erklärt habe, er wolle etwas in die Berliner Monatsschrift, wenn es dort anfgenoininen würde, über die Berdienste Mendelssohns um die jüdische und christliche Philosophie einrücken lasse», Zo blieb der „Nllzerntaliner", wie inan Kant genannt hat, dem Ireunde auch über das Csrab hinaus ergebe», bis der Allzerntalmer Tod dieses Band endgültig löste, Tr, Oscar 2 i n e e r n s, Charlottenburg, ftus Moses Mendelssohns Schriften. Judentum und Toleranz. — Mensch und sittliches Ideal. pIch habe das (Wirf, so manchen vortrefflichen Mann, der nicht meine? Hllanbdns ist, zu in Irennde zu haben. Wir lieben »ns aufrichtig, ob wir gleich vermuten und voranssehen, daß wir in (Nanbenssachen ganz verschiedener Meinungen sind. Ich genieße die Wollust ihres Umganges, der mich bessert nnd ergötzt. Niemals hat mir mein Herz heimlich zitgerufen: Scl)ade für die schöne Zeele! Wer da glaubet, daß außerhalb seiner Kirche keine Teeligkeik zu finde» sei, dem müsse» dergleichen Seufzer gar oft in der Brust aussteigen. ‘ * Wen» unter meinen Zeitgenossen ein Confucius oder Solo» lebte, so könnte ich. »ach den Krundsätze» meiner Religio» de» großen Mann liebe» und bewundern, ohne ans de» lächerlichen (pledanken zu kommen, einen Confucius oder Solo» bekehren zu wollen. Bekehre»? Wozu? Ta er »ickiB zu der (Gemeinde Jakob gehöret, so verbinde» ihn meine Religionsgesetze nicht, und über die Lehre» wollten wir uns bald einverstehen, ob ich glaubte, daß er selig iperden könnte? O! mich dünkt, wer in diesem Leben die Mensche» zur Tugend anführet, kann in jene», nicht verdammt werden; nnd ich habe kein ehrlviirdiges Kollegium zu sürchten, das mich dieser Meinung halber wie die Sorbonne de» rechtschaffenen Marmontel, in -lnsprnch nehmen könne. * p Ich kann gar wohl bei meine» Mitbürger» Nationalvorinteile nnd irrige Religionsineinungen zu erkennen glauben, »nd dennoch verbunden sei» zu schweigen, wenn diese Irrtüiner weder die natsirliche Religion noch das natürliche (besetz »ninittelbar zu Hlrnude richten nnd vielmehr zufälliger Weise mit der Beförderung des (Pinten verknüpft sind. Es ist wahr, die Sittlichkeit unserer PHandlungen verdient diesen Namen kaum, wenn sie ans Irrtum gegründet ist, »nd die Beförderung des Witte» muß alle zeit von der Wahrheit, weg» sie erkannt wird, weit besser »ud sicherer erhalten werden können, als von dem Vorurteil, ‘,'lllein so lange sie nicht erkannt wird, so lange sie »irf,t national gewor den ist, Um ans den großen Hansen so mächtig wirken zn können, als das eingewurzelte Vorurteil, muß dieses einem jeden Freunde der Tugend beinahe heilig sein. s „Kirchliche Rechte, kirchliche (Plewalt »ich Macht," Ich muß gestehe», daß ich mir von diesen RedensarTen keinen deutlichen Begriff machen kann, und mein Adelung*! will mich keines Besse re» belehre»,. Ick, weiß von keinem Rechte auf Personen nnd Tinge», daS mit Lehrmeinungen znsammenhcrnge und aus den selben beruhe: das die Rlenschen erlangen, wenn sie in Absicht aus einige Wahrheiten geivissen Sätzen beistimmen und verliere», wenn sie nicht eiustimme» könne» oder wollen. Am wenigsten weiß ich von Recht »nd (Plewalt über Meinungen, die die Religio» erteilen und der Kirche .zukommeu sollen. Tie wahre Religio» maßt jicki keine Wewalt über Mcinungen und Urteile an, gibt und nimmt keine» Anspruch ans irdische Witter, kein Recht ans *1 Berühmter Sprachforscher, Web. 17:13, starb als Oberbibliothekar in Tresden am 10. 0, 1806.