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Der Schild · 1937-12-31 · 53 (31.12.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
53 (31.12.1937)
Date
1937-12-31
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Die Jiu-Jitsu-Reichsmeisterschaften wurden am 4. April durchgeführt. Jiu-Jitsu (Judo), ist schon immer ein_e Sportart gewesen, die leider - nur wenige Könner begeistern konnte. Esist sicherlich eine der schwersten Sportarten, die es.überhaupt gibt So war das stark« Meldeergebnis ' aus Frankfurt a. M., Brest: u und Berlin ein erfreuliches' Zeichen dafür, daß auch dieser Sport, deil ja innerhalb unser*’S Bundes eine inhaltsreiche Tradition der elf deutschen Meisterschaftejn hat, nicht Steher geblieben ist. Führend innerhalb unseres Sportbundes war selbstverständlich wie immer Fußball und Handball. Der Außenstehende, I der mehr oder ^weniger gleichgültig über .die kurzen, oft mir wenige Worte enthaltenen Spielberichte unserer Vereine hinwegliest, macht sich sicherl eh keine Vorstellung von dem Umfang dieses sportlichen Einsatzes- Von den größieu. Vercintn mit vielen Dutzenden!von Mann- ,schafte!i in allen Altersklassen, bis hinunter zu der kleinsten, die buchstäblich jedes Mitglied in die Mannschaft cin/ureihen gezwungen sind, verlangten diese beiden Sportarten zur Durchführung von Wettkämpfen Opfer von jedem Einzelnen, an denen sich ein erheblicher Teil der Erwachsenen-Oertcration ein Beispiel nehmen könnte- Allein dine einzige kleine westdeutsche Sportgruppe, die wir als Beispiel herausgriffen, mußte für ihre Fußball-Runde in 14 Reisen 244b km fahren! Die Zahl unserer Bußball- und Handball-Einheiten geht in die Hunderte. Sie ist zahlenmäßig gar nicht feststellbar, denn oft genug verschwindet eine Mannschaft aus Mangel, an Mitgliedern und ist plötzlich wieder . da, weil sie es verstanden hat, sich -durch teue Mitglieder zu ergänzen. Viele Tausende ■fand- und Fußball-Spiele wurden in diesem ahr ausgetragen. Der Landessportverband Westdeutschland berichtet z. B. allein von 250 jRurfclen-Fußballspielen, die er durchführen mußte, um nur seinen Besten zu ermittehi. Die Krönung dieser Sportarbeit waren wie sjefe unser«; Reichsmeisterschalten. Die :H. a n d b a l l - Männer ermitteslien ihren Meister 'am 11. Juli, wobei sich dun schon traditionsgemäß die JSü. 33 Berlin w ieper einmal den Titel sichern konnte, der aber im nächs.e.i Jahr schwer zu verteidigen sein wird- Unsere Meistermannschaft ha: Gegner bekommen, die sicherlich' alle Anstrengungen mache« werden, den Sitgfszug der'JSG. Handballer izu unterbreche«. Unsere Handball-Damen sorgten schon für eint solche Unterbrechung. Hier gewannen am 22. August unsere Frankfurter Mädels nach zweimaliger Verlängerung den Titel in einem Kampf,'>♦ schwer und doch so schob, daß er allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben. wird. Hier dürfen wir sagen: Wir hatten in diesem. Jahr nicht eine, sondern zwei Meisterinnen. Auch im Fußball schaffte es unser voriger ' Reichsmeister „Schild“ Stuttgart zum zweiten Male, am 29. August, erfreulich überlegen in allen seinen Meisterschaftskämpfen. Die Fußball-Landesmeister und erst recht natürlich der Reichsmeister hatte es wohl am schwersten von all$n Sportarten, bevor sie sich zu ihrem. Titel durchkämpfen konnten. Ein besonderes Ereignis, wie stets, waren wieder unsere diesjährigen leichtathletischen Reichsmeisterschaften am 2£ August in Berlin Obwohl unsere Leichtathleten in dieser Saison in erster Linie die Leidtragenden der verminderten Wettkampfmöglichkeiten waren, und ■ trotzdem unsere Reichsmeisterschaften völlig verregneter, konnten wir mit dem Erreichten i sicherlich zufrieden sein. Nach sorgfältiger Siebungkonnten lieh doch 143 Teilnehmer für die Reichsmeisterschaften qualifizieren. Sie vertraten 24 Vereine und -gaben ungefähr 300 Meldungen ab, für die 29 Entscheidungen notwendig wurden. Da die Auswertung unserer leichtathletischen Saison soeben erst in unreren Beiträgen in der „Kraft“ erfolgte, brau- " chen wir hier nur auf die' trotz der Schwierigkeiten erzielten guten Ergebnisse hinzuweisen, an denen wieder unsere Jugend einen großen Anteil hat Erstmals war ja auch ein Jtigend-Verbandskampf der Landessportverbände in unsere Meisterschaften einbezogen worden. Makkabi traf nicht an Unsere Bemühungen, einen Verbandskampf gegen den Deutschen Makkabikreis zu verwirklichen, blieben leider wieder erfolglos. Auch in diesem Jahre lehnte der Deutsche Makkabikreis einen Verbantlskartipf ab. Wir wissen, daß die in der jüdischen Presse auf Grund von „Bestenlisten“ getroffenen Vergleiche nur theoretischen Wert haben und es wäre uns lieber gewesen, unsere Kräfte gegen die Leichtathleten des Deutschen Makkabikreises auf dem Sportplatz zu erproben, aber leider war scheinbar das Verbandprestige wieder einmal stärker als die Praxis. An einen ganz besonderen Mitgliederkreis wandten sich unsere Reichs-Kegelmeisierschaften, die am 14. November in Berlin entschieden wurden. Hier ist cs uns gelungen, auch den Kreis der Aeltercn weitgehend an unserer Sportarbeit zu interessieren. 530 Meldungen von 300 Teilnehmern aus allen- Teilen des Reiches beweisen am b«ten die intensive Arbeit unserer Sportkegler-Vereinigung. Auch ohne Reichsmeisterschaften sind die Sparten- Tischtennis und Schach, Hockey und Fechten gut vorwärts gekommen. Insbesondere das. Tischtennis blieb ein gutes Hilfsmittel unserer kleinen Vereine, bei Wegfall jeder anderen Sportmöglichkeit den sportlichen Betrieb aufrecht zu erhalten. Westdeutschland führte Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften durch, desgl. Schlesien. Unser Schachbetrieb wurde neu organisiert und hat nicht nur zur weiteren Belebung der Arbeit innerhalb unserer Vereine geführt, sondern uns auch eine ganze Reihe neuer Mitglieder und Freunde gebracht. Den. Fechtern fehlen leider Wettkampfmöglichkeiten. Unseren Ruderern, denen leider keine Möglichkeit zu Regatten gegeben werden konnte, leisteten in unermüdlicher Kleinarbeit ebenfalls Gutes. Weniger zufrieden sind wir eigentlich nur mit del Sparten Boxen und Tennis. Im Boxen sinh die ehemaligen Spitzenkönner fast restlos auifeefallen. In. den „ständigen Kleinringen“ seltn wir zwar ein erfolgreiches Mittel, unserer Jugend» Kampferfahrung beizubringen, abtr noch hat uns diese Arbeit nicht den Erfolg gemacht, der eigentlich zu erwarten gewesen wäne. Bei unseren T e n n i s - Spielern ist ein ausgesprochener Mangel an Club-Kämpfen zu' verieichnen, trotzdem sich doch gerade die Teiiiis-Spieler aus Kreisen zusammensetzen, div die pofwendigen Mittel für Städte-Wettkampfe aufnringen könnten. Das große Turnier des TCT Grunewald, an dem auch der deutsche MaMkabikreis teilnahm, war Höhepunkt der Saison. Die Reichsmeisterschaften konnten leidqr nicht ausgetragen werden. Im Boxen dagtfcen |jtr es an fehlenden guten Kämpfern in fist allen Klassen. Belebung der Vereinsfäfigkeif Teilweise wurden hier neue Wege begangen, wie z. B. die Durchführung von Abtleilungsmeisterschaften de> „Schid“ Frankfurt a, M. u. a. m. Auch die [T räger unseres Leistungsabzeic h e ■ s haben sich vermehrt. Hier könnte allercings gerade in kleinen Vereinen mit mangelnden Wettkampfmöglichkeiten noch erheblich mehr getan werden. Fortbildungskurse in den verschiedensten Sportarten w urden Zahlreich durchgeführt, neue Sportstätten wurden in Zusammenarbeit mit den in Frlge kommenden Organisationen in ziemlich großem Ausmaße geschaffen und ausgebaul. Und doch reichen bei weitem die Hallen und Plätze nicht aus; wie sie auch zum größten Teil den Namen „Sportstätten“ kaum ] verdienen. Hierdurch ergaben sich wieden weitere Betätigungsmöglicnkeiten für eine ganze Reihe unserer Vereine. Opfer für den Sport — Bausteine der Zukunft i Hierbei -sei auch kurz da» Finanz-Problem gestreift. Es müßte eigentlich für jeden Einsichtigen klar liegen, daß die jüdischen- Sportvereine mit ihren hauptsächlich aus Jugend und Minderbemittelten bestehenden Mitgliedern kaum in der Lage sind, die laufenden Vereinsunkosten zu decken. Keinesfalls aber haben! sie die Mittel, um größere oder oftmalige Sportreisen zu finanzieren, geschweige denn 'ihre Trainingsstätten auf- und auszubauen« Hier hilfreich einzuspringen war immer Aufgabe des Sportbundes, der erfreulicherweise stets seine Finanzen gut in Ordnung gehalten hart. Vor - allem aber war vor wie nach der^ Reichsbund jüdischer Frontsol-* d a t e n , der einst unseren Sportbund gegründet hat, moralisch wie materiell der starke Rückhalt des Sportbundes und seiner örtlichen Gruppen. Die materiellen Opfer, die der Frontbund für die Ertüchtigung jüdischer Jugend zu bringen als seine Pflicht empfindet, seien hier nur kurz und mrt Dank erwähnt. Aus dem Frontbund stammen zumeist die Männer, die sich dem Sportbund voll Idealismus und führend zur Verfügung stellen und ihm sein Gepräge geben: stolz bekanntes, bewußtes Judentum, Manneszucht, Kameradschaftlichkeit, Haltung. Draußen in der Welt hat manchem" ausgewanderten Sportler die Verbindung des Frontbundes zu den jüdischen Frontkämpferbünden des englischen Reiches und der USA. schon nützliche Dienste geleistet. Auch verschiedene Erwachseneu- Organisationen bemühten sich um die finanzielle Stärkung des jüdischen Sports. In diesem Jahr ist mit einem Sport-Etat auch die Reichs Vertretung hilfreich eingesprungen. Allerdings sind über die Höhe dieser Mittel oft Angaben verbreitet worden, die leider nicht zutreffen. Der für das Jahr 1937 zur Verfügung gestellte Betrag wurde nach wenigen Monaten wieder herabgesetzt und es hat den Anschein, wie wenn im 'kommenden Jahr der Sport-Etat >der Reichsvertretung zuinindestens nicht erhöht werden würde, was uns unbedingt notwendig erscheint. Da ja auch die Rejchsvertretung auf das Verständnis und die Unterstützung der Gemeinden und deren Vertreter in den Gremien der Reichsvertretmng angewiesen ist, wäre es im Interesse unserer sporttreibenden jüdischen Jugend notwendig, in höherem Maße als bisher den jüdischen Organisationen vor Augen zu führen, daß die Förderung der Gesundheit unserer Jugendl Unkosten auf sozialem Gebiet erspart! Innerhab vieler Gemeinden ist hierin noch manch« sehr im Argen, Die (Arbeit des Reichsausschusses jüdischer Sportverbände hat weiterhin zu» Konsolidierung des jüdischen Sports und zur Zusammenarbeit der beiden Sportverbände Seigetragen. Mit den bayerischen Sportvereinen wurden klare Verhältnisse geschaffen, die Zusammenarbeit der beiderseitigen Verbands-Vjereine hat sich erfreulicherweise verstärkt, bestehende Differenzen, deren Zahl sich stark hnrabminderte, konnten beseitigt werden. Die ne* eingesetzten Schiedsgerichte, auf die Iwir z. B. in der letzten Nummer eingingen, Iwerden hoffentlich durch strenge- Strafen für (Ordnung sorgen. Zweifellos wird uns auch das kommende Jahr yo* große und schwere Aufgaben stellen. Soweit cs an uns liegt, werden wir die uns gestellte« Aufgaben erfüllen und auftauchende Hindernkse zu überwinden versuchen. Wir bauen hierbei auf die Stärke unserer Organisation t*td haben Vertrauen in die Einsatzbereitschaft und Mitarbeit aller unserer Mitglieder. Wir wollen auch in Zukunft unser an Wert als jüdische Sportler beweisen, nicht durch das Wort, sondern durch die Tat! Dies sei unser! Wunsch für das Sportjahr 1938. „Neue« Ehrenpreis für d'e n A-vMen Leistung^ abzeichea“ siehe Seite 8 unter „Offizielle Mit teilunger1'

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