Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 53 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 53 / 16. Jafarg. Berlin, 31. De*. 1937 Pr»i» 19 Pfennig H E Fi AU SG EBER: REICHS BUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. WÖCHENTLIC Bdblstti „DIB i * MIT DEN OFFIZIELLEN MITTEILUNGEN DER KRIEGSOPFER - ABTEILUNG KRAFT", Offizielle» Organ de» Schild, Sportband de» Rddisbundes jüdischer Frontsoldaten; IiiIIHiMiM Variagi nUfMa I KxUktloo»- «■ AnaM—irtiint färnf •i RM 0.4» to AM ghHxtMr AonUnHilw K. V. Bariia W IS. K«fMn<«adamn> 100. Fi W»< w» Ht»rti«lnw Pfa awlmt goplwid» MmaMpli wird kdaa —frtUHfh PnwtawUrtM Aanl<tr«l«il Dio 9 amultän« MÜHnnaf B*P*-Vk-U«. BtoaU * PalnwdMt, Badln W SO. 91 SS 71. PnOdodi Btdb 70142. T»l«4i«.«iwrhHfli Srrthilbtaoama. B«1 NlAtliaminj oho»Vwrchnldtn k«l»V«nnfeuim»nch. -Z«fte RM tue. *lt«n«nM4»bni« ad -Omrl», f«nllli»alf RM 9.19. Strafe 21. Fwmncferi 24 46 97. PiwMdMdii B«Un S»29. 1€3$ / von Kant. Dr. Leo Löwensfein, Vorsitzender da. t Retdisbundas jüdischer Frontsoldaten und das Sportbundas „Shltd" das Reichsbundes )üd. Frontsoldaten Das Jahr 1938 öffnet seine Tore,l durch die uiir eintreten mit unseren Hoffndngen und Wünschen. Für einen Augenblick beengt uns das Gefühl, daß der Weg, devor uns liegt, noch dunkel ist, und daß wjr nicht wissen. wohin er führt. Aber scho i yigenblick spüren wir in uns und die Kraft, aller Schw / it werden, die uns auf diesjem Gange begegnen könnten. Die wichtigste Kraft, die uns der ujid . Sportbund mit ihren Mitgliedern auf diesem Weg}: Wrmögen, ist das starke Or im nächsten den Willen erigkeiten Herr Frontiinsgesamt 50 000 zu verleihen Gefüge unsrer Organisation, das fetzten Endes auf der Klaineradschaft beruht. ] Frontkamerad- ^cliaft und Sportkameradschart: aus dieser Kameradschaft erklärt sich die starke Verbundenheit jedes Einzelnen mit dem Bunde. Aus dieser Kameradschaft fet auch die Autorität und Disziplin erwachsen, dije unsere Organisationen kennzeichnen und sie befähigen, ihre Kräfte einheitlich einzusetzen. Dämm ist auch mein erster Wunsch für 1938, daß diese wichtigste Kraftquelle des Bundes, die Kameradschaft, uns ungeschmälert erhalten bli-iben möge, was dieses Jahr uns auch bringen mag. Kameradschaft, Autorität undOrdnung sollen uniere Grundlage bleiben, auf der wir in unserem Sinne für unsere jüdische Gemeinschaft arbeiten wollen! Auch 1938 soll unser vornehmster Dienst sein die Pflege und Ehrung des Gedenkens der 12 000 gefallenen jüdischen Soldaten der alten deutschen Wehrmacht. Möge i h r Oeist uns und die Generationen, die nach uns kommen, erfüllen! An diese Aufgabe reiht sich sogleich die Sorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. Diese Aufgabe ist uns sowohl vom Staat als auch von unserer jüdischen Gemein! Chaft als ein wichtiges und uns ehrendes Amt anvertraut. Wir können stolz darauf sein, daß dieses Amt bisher tadellos geführt we rden ist. Das soll auch im Jahre 1938 ein Ehrentitel unseres Bundes sein. Eine große Anzahl von Mitgliedern des Front- und Sportbundes ist imjabgelaufenen Jahre und vorher ausgewanldert. Es ist rin erfreuliches Zeichen, daß diese Auswanderer, mögen sie noch so weit jiir der Feme mr Heim gefunden haben, unserer Organisation sich auch draußen inneiürh verbunden fühlen. Vielfach ist auch im lernen Lande der Kontakt unter den Ausgewai derten lebendig geblieben. Unser aller wua ch ist heute, daß für alle die, die hinausge rangen sind, das Jahr 1938 ein' Jahr des I 'rfolges sein 'nöge. Mögen auch weiterhin die Traditionen, die sie von hier mitgenommen haben, so stark bleiben wie bisher. Besonders möchte ich an die Kameraden da draußen die Mahnung richten, daß sie niemals vergessen, daß sie Juden sind, daß sie auch draußen ihr Judentum innerlich und äußerlici bekennen. Für die Auswanderung erstrebt unser Bünd eine möglichst starke Entwicklung der landwirtschaftlichen Siedlung in über-, seeischen Ländern. Oewiß, landwirtschaftliche Siedlung in Uebersee ist keine t infache Angelegenheit Sie erfordert große Vjrarbeit und hohen materiellen Einsatz. Vor kurzem ist ein guter Anfang dazu dadurch gemacht worden, daß die Jüdische Landarbeit Ombrt. auf eine breitere Basis gestellt, und daß si e zum Zentrum aller auf jüdische landwirtschaftliche Siedlung in Uebersee zielenden Krälte gemacht worden ist. Wir werden vom Front und Sportbund aus diese Entwicklung jedenfalls in stärkstem Maße dadurch fördern, daß wir innerhalb unserer Organisation, die ja iit erster Linie das für jüdische landwirtschal tliche Siedlung in Betracht kommende Menschenmaterial umfaßt, alles tun, um die Mitglieder genauestem über diese Dinge aufzuklären und auf dem Laufenden zu halten. Es ist selbstverständlich, daß wir keine phantastischen Hoffnungen erwecken wollen. Ich bin im Gegenteil der Ansicht, daß eine möglichst weitgehende Unterrichtung gerade lazu führt, daß der Einzelne für diese Dinge nicht nur das genügende Interesse, sondern auch die Möglichkeit eigener Kritik gewinnt. Ich hoff£, daß das Jahr 1938 uns auf diesem W<ge zu jüdischer Kolonisation in Uebersee ein tüchtiges Stück weiterbringen möge. Auch hierfür solfeit die lebendigen Kräfte unseres Bur des nachhaltig eingesetzt werden. Eine wichtige Stütze für uns w ir in den letzten Jahren; und wird auch in Zu eunft -sein, die kameradschaftliche Unterstützuig durch diö jüdischen Frontsoldaten in anderen Ländern, insbesondere die des Britischen Im-, periums und der Vereinigten Staaten von , Amerika. Ihnen, die eine erhebliche Zahl ausgewanderter Kameraden mit Erfol j betreut naben, gehört ganz besonders unser Dank. Wir wissen, was diese Betreuungsarbeit an Opferwillen von unseren ausländischen jüdischen Kameraden voraussetzt. So möge das Jahr 1938 unserer jüdischen Gemeinschaft zu den alten neue Kräfte geben, um die schweren Aufgaben zi erfüllen, die ihr gestellt sind. Möge unsere Gemeinschaft vor allem verstehen, die in ihr vorhandenen Kräfte in gleicher Richtung wirksam werden zu lassen, sodaß sie dahin gelangt, nicht nur äußerlich, sondtm auch innerlich eine kraftvolle, einheitliche Richtung zu gewinnen. Ide»logische Oegensätze und auch sonstige Interessen werden sidj ausschalten lassen. Es mjiß möglich sein, über diese hinweg einen einheitlichen Zusammenschluß unserer jiu_ dischen Gemeinschaft zu erreichen, der die volle Entfaltung aller Kräfte gewährleistet. Gelingt dies, so ist mir nicht bange, daß auch 1938 unsere jüdische Gemeinschaft in Ehre bestehen wird. Daß dem so sei, ist heute mein vomehmlichster Wunsch. „In diesen Tagen - zu jener Zeit.. Vom Dezember 1917 zum Dezember 1937 Von Kam. Dr. Jacob Picard, Leutnant d. R. a. L). Unter Kam. Dr, Picard, der bekannte jüdische Schriftsteller, der auch afs jüdischer Dichter des Kriegserlebnisses einen anerkannten Namen hat, stellte uns zum Jahreswechsel die folgende Betrachtung zur Verfügung. Wir freuen uns, daß am letzten Tage dieses schweren Jahres 1937 hier der Dichter zu seinen Kameraden spricht D. Red. ... Zwanzig Jabre erst, und alles noch nah wie damals, ja näher wieder, trotz des Schweren, das sich weiter dazwischen geschoben hat, — nein, gerade deswegen.* Lagen wir nicht in der Neujahrsnacht 1917/18 im Stollen am Chemin des Dames bei hoffnungsvollen Gesprächenüber die für das Frühjahr erwartete Offensive, an deren Erfolg wir nicht zweifelten, weil wir wußten, daß Truppenzug um Truppenzug von der entlasteten Ostfront nach Westen rollte, wie es vor Monaten mit uns selbst geschehen war, und daß gerüstet wurde, wie nie zuvor in diesem Winter! Dann hörten wiir in jener Märznacht das gigantische Rollen unserer vielen tausend Geschütze über uns hin, wie wir es nie zuvor erlebt hatten und waren voller Zuversicht Und stürmten noch einmal wie all die Jahre zuvor, um das Schicksal zu zwingen und ganz uns zuzuwenden. Und spürten im Lauf der. Monate trotz physischem und psychischem Einsatz und allem großen Willen und verzweifelten Mut, daß wirres nicht mehr schaffen würden, weil die Uebermacht an Menschen und vor allem au Material, das uns fehlte, von Woche zu Woche größer wurde. Und kämpften doch bis zu Ende, dem argen Ende, bis wir schließlich sehen mußten, daß die Brüder und die Kameraden vergebens gefallen waren. Still"... Zwanzig Jahre sind es her, seit jenes Jahr begonnen hat, dessen Zahl im Ablauf dem jetzigen entspricht. Aber noch ist das nicht zu Ende,