Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 49 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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k/U ’honUoUokH sind ddHleinunfr,.. Gemeinde und Frontbkind Organ meipde zu Ummer Chjefredlakteurs s e1 ‘; das jü iischen da'in das e m i n d e Den Bedeuumso Frontitionen ttelbar e n he tung her anis urim Da; Berliner jüdische Oemeindejlatt, des /orstandes der Jüdischen Oe Berlii i, bringt in seiner letzten (Nr. 18) aus der Feder seines einen Leitaufsatz „Erkenntni Orga i der größten und führenden Oemiinde in Deutschland behandelt Verhältnis zwischen jüdischer 0 und jüdischen Organisatioi Ausführungen kommt grundsätzli: tung zu; sie finden unsere Beacli mehr als ja der Reichsbund jüdisc! solda en eine der jüdischen Oroßorg; ist, sodaß auch er sich darin angesprochen fühlt. Um so .erfreulicher ist die Festst :llun|; einer weitgehenden prinzipiellen Ueberein > t i m - munjg der im Berliner Gemeinde!ilatt liedergelegten Auffassungen mit den unt eren. Diese Uebereinstimmung datiert im übrigen nicht erst von heute und gestern, und es be< arf t ei uns keiner neuen „Erkenntnisse“ und Einsichten, um in der jüdischen Gemeinde die gesthichtlich gewordene und legitimierte, überparteiliche und zusammenfassende, umro itisete und unabhängige Form jüdischen Gei neins :haftslebens zu sehen und zu — bejahen. Dies: Auffassung ist vielmehr zutiefst im inr ersten Wesenskem unseres Bundes Verwurrelt; :r will ja’ eine bestimmte Gruppe von Juden, die ehemaligen Frontsoldaten, zusammenfass:n und vertreten, die; in diesem unserem Hunde nicht die Wahrung irgendwelcher ständischer Gruppen- oder jüdisch-politischer Sond :rinteressen suchen, sondern die ihr einmalig großes Oemeinsohaftsertebnis — an der Front — in unserem Bunde zusammen 'ührt. Als Söhne des Judentums gingen wir einst durch jenes Gemeirischaftserlebnis. Für i nser. udentum wollen jwir die bleibenden Vert« und Erkenntnisse, i die das Frontschicks.il uns mitgab, nutzbar; machep. Es ist kein« Ideologie, es ist mehr: es ist eine Idee, di: Idee der jüdischen Gemeinschaft, als deren Träger sich unser Bund fühlt. Ideologische F agen wie die nach1 dem Verhältnis des Religiösen jzum Nationalen beim Judentum u. a., r lögen dem Einzelnen oder anderen jüdischen Gruppen überlassen bleiben; für die Haltung, unseres Bundes maßgebend ist die Ford :rung die jüdische Gemeinschaft aus der Schic csalsgemeinschaft, die sie in jedem Falle ist; zu einer wirklichen, einer aktiven Schicks a 1 skameradschaft emporzureißei. Hierfür in seinem ganzen Leben und Wirket innerhalb des Judentums einzutreten, als bewußter Träger der jüdischen Gemeinscha tsidei; j ein Vorbild zu sein, ist für jeden einzelnen unserer Bundeskameraden, innere Verpflichtung; die ihre hohe Weihe aus dem nie ver löschenden Gedanken an das Vorbild unserer Gefallenen herleitet. Der, Rahmen und das W rkungsfeld eines solchen1 Einsatzes jedoch, dei gegebene Rahmen umfassenden jüdischen Gemeinschafts- Lebens überhaupt, ist d i e G e m e n d ej. Es liegt auf der Hand, daß dies« Idee und die aus ihr gegebene Haltung unse es Bundes jene fruchtbare Uebereinstimmung zwischen den Auffassungen des Berliner Gern« indeblattes und unseren eigenen zeitigen muf, von der wir eingangs! sprachen.Und begrüß :nswert ist es, wenn von Zeit zu Zeit, wie jetzt anläßlich jenes Leitartikels, Gelegenheit gegeben ist das Bestehen dieser Uebereinstimmung erneut fesfzustellen. Was dort als wesentliches Merkmal für die Gemeinde in Anspruch genotrmen wird: die besondere Stellung als unabhängige Körperschaft, der unpolitische Cha'akfer, die völlige Hinwendung zur sachlicher jüdischen .Arbeit, die , Bereitschaft, Arbeit ui d Ve: antwortung mit den Organisationen jemeirsam zu leisten, die Anerkennung des umfassenden Charakters der Gemeinden als Sammelbecken aller jüdischen Krifte und I de alle, die Eigenschaft, Träger «es öf entliehen jüdischen Lebens zu sein, insbesondere die Vereinigung aller jüdischen Kräfte zum Nutzen der Allgemeinheit unter Ausschaltung jeder weltanschaulich betonten Besonderheit —: alles dies deckt sich weitgehend mit den Wünschen, die unser Bund als Träger des jüdischen Gemeinschaftsgedankens an die Gemeinde als Form und Rahmen jüdischen Gemeinschaftslebens zu. richten hätte. Erfüllung dieser Postulate bedeutet die Gewähr sowohl für fruchtbare Arbeit innerhalb, wie Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Wir jüdischen Frontsoldaten wollen im Gemeindeleben, sei es in Gemeindeämtern oder als Repräsentanten, sei es in der Winterhilfe oder wo immer in der Gemeindearbeit, sei es als einfache Gemeindebürger, als „unbekannte Soldaten“ des Judentums in all unserem Tun und Lassen unseren vollen Einsatz dahin leisten, daß die jüdische Gemeinde nach innen und. außen ein Bild bietet, auf das jeder Jude angesichts der Schwere und Verantwortung der Zeit innerlich stolz sein darf. Und ebenso erwarten wir, daß die jüdische Gemeinde als Gemeinschaft aller Juden mit Stolz auf ihre Frontsolsoldaten blickt. In diesen Spalten haben wir einmal gesagt, der Gründung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten habe der Gedanke und Wille zugrunde gelegen, uns als Frontsoldaten zu unserem Judentum bewußt und offen zu bekennen; heute bedürfe die Zugehörigkeit zum Judentum keines besonderen Bekenntnisses mehr — heute müsse« es heißen: wir bekennen uns als Juden zu Unserem Frontsoldatentum! Daß* die Gegebenheit’ eines jüdischen Frontsoldatentums — rund , anderthalb Millionen jüdische Männer standen ja ira Weltkrieg unter den Waffen — für das Judentum in der ungeheuren Krise, die es derzeit in der Welt durchmacht, eine wichtige moralische Reserve bedeutet, haben nun wohl auch diejenigen jüdischen Kreise, erfaßt, die für alles Soldatische und so auch für unseren' Bund früher allenfalls ein Achselzucken hatten. Wir stehen heute an einer „historischen Wende“; wir befinden uns, realpölitisch gesehen, „in den Stunden der Oeburtswehen eines neuen Judenstaates“. Nur hieran sei erinnert, wenn wir eben von den „moralischen Reserven“ sprachen, nur auf die ungeahnten heraufziehenden Aufgaben, auf den ungeheuren Wandel der Situation sei hingedeutet. In der leichen Nummer des „Berliner Gemeindelattes“, von der wir bei unseren Ausführungen ausgingen, finden wir an anderer Stelle die Sätze: 1 „... In diesen Monaten ist in unserer geschichtlichen Entwicklung ein neues Element zu allen früheren hinzugekommen: das des Judenstaates. Man mag über dieses geschichtliche Faktum denken, wie man will, innerhalb oder außerhalb der zionistischen Organisation stehen, eines bleibt gewiß: Dieses neue Element eröffnet einen neuen Aspekt ln der Betrachtung früherer Geschichtsepochen“ ... Jenes Element eröffnet aber auch — „innerhalb oder außerhalb der zionistischen Organisation“ — einen neuen Aspekt auf die kommende Geschichtsepoche. Kein Sehender kann sich ihm versagen. Ganz gewiß kein Jude, der sich zu seinem Frontsoldatentum bekennt. Jene Geburtswehen einer jüdischen Zeitenwende, die sich unter tiefen Schmerzen in uns und um uns vollzieht, wir empfinden sie als einen erneuten Appell an unsere erprobte Fähigkeit und Bereitschaft zu jüdischer Bewährung, Bewährung für das Judentum im umfassendsten Sinne, wie cs in der jüdischen Gemeinde praktische Wirklichkeit wird. Jude sein, das bedeute universales Denken; auf das Große und Ganze blicken — dies jst ein Wort, eine Mahnung aus der Rede Dr. Leo Baecks bei der Gedenkfeier für Felix M. Warburg am letzten Sonnabend Abend, veranstaltet gemeinsam von der Reichsvertretung, dem Berliner Gemeindevorstand, der Jewish Agency und dem Hilfsverein (unter starker Beteiligung unserer Kameraden) in der Ehrentafel ffldlfcher rammen Jersmold L Westfalen. Am 6. Dez. wird Frau Witwe Abraham Steinfeld, Julie geborene Gumprieh, 80 Jahre alt. Von ihren beiden Söhnen ist der Aelteste 1915 gefallen, der Jüngere gehört als Kriegsbeschädigter de( Örtsgr. Bielefeld an. Bosen (Kr. Birkenfeld), Nahe. Am 3. Dez» vollendet Herr Gustav Sender sein 70. Lebensjahr. Er selbst hat 1887/90 aktiv im i.R. 30 in Saarlouis gedient und sah im Weltkrieg vier $öhne an der Front, die sämtlich mit dem EK. II. ausgezeichnet wurden. Kassel. Am 13. Dezember d. J. vollendet die Frau Wwe. Sofie Gordon, früher in Posen, ihr 80. Lebensjahr. Alle ihre fünf Söhne und ihr Schwiegersohn standen-während des Weltkrieges an der Front. Der jüngste Sohn starb kurz nach der Rückkehr aus mehrjähriger englischer Gefangenschaft an den Folgen eines Leidens, daß er sich im Felde zugezogen hatte. Der älteste Sohn war Stabsarzt beim Inf.-Regt. 164. Der Schwiegersohn wurde verwundet und geriet bei den Rückzugskämpfen in der Champagne in französische Gefangenschaft. Er sowie der älteste Sohn sind Inhaber des E. K. II. Kl. Berlin. Frau Bertha Wolfers geb. Harff vollendet am 4. Dezember ihr 80. Lebensjahr. Vier Söhne unjd zwei Schwiegersöhne standen während des Krieges an der Front. Der jüngste der Söhne blieb auf dem Felde der Ehre. Alle 3 Söhne Robert, Benno und Fritz Wolfers sind Kameraden unseres Bundes. Kam. Robert W. gehört seit Jahren dem Vorstände der Ortsgr. Charlottenburg an. Alle 3 Söhne sowie die Schwiegersöhne sind mit dem E.K. II. wäe auch mit dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet. Der verstorbene Internist Dr. Leopold Alkan waraußerdem Inhaber des E.K. I- und stand als Stabsarzt an der Front. _ Möge den Jubilaren ein angenehmer Lebensabend beschieden sein. IIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIiniillllilll|lllllllllllllll!lllllllllllllllll!llllllllllllll!lllllllllllllllllllllll 'jNeuen Synagoge, Oranienburger Str. Ihre beisondere, Weihe] empfing sie, nach der warmherzigen Begrüßung durch Heinrich Stahl, von der musikalisch wundervollen und mit hoher Kunst I dargebotenen Aufführung der neuen Freitagabend-Liturgie, die ihr Komponist-Jacob Weinberg dem verewigten Felix M. Warburg gewidmet hat. Wie eine einzige große Familie schärte sich da$ übervolle Ootteshaus um die Trauernden: Mjix M. Warburg und die Seinen. Das „Große und Ganze“ wurde wirklich hier transparent.... Ja, gerade wenn jede Einzelexistenz fragwürdig .erscheint, sollte das enge Zusammenrücken in 3er Gemeinschaft Wirklichkeit werden! In schweren Stunden nicht .auseinanderzufallen, Sondern Trennungen niederzulegen und aneinander, d. h. im Großen und Ganzen Halt zu finden, ist Gebot der Würde und der Selbstbehauptung. Diese Erkenntnis des Frontkämpfers von einst ist die Forderung des Judentums; von heute. Sie ist, da wir ans Große und Ganze denken, nicht örtlich gebunden. Gewiß gilt sie zunächst für .die Gemeinde, in der der Einzelne wohnt und lebt, in der er wurzelt; allein sie blickt weiter auch jauf die Gemeinde, in die der Einzelne ausgewandert ist oder auswandem wird und in der er den neuen jüdischen Wurzelboden, die neue Heimat in der Fremde finden soll! Unsere Forderung an den Einzelnen umfaßt also das Größere Ganze: Israel in allen seinen Gemeinden! Die Gemeinde starken, heißt sich selber starken; heißt, die ganze große Gemeinschaft stark machen, deren Kraftfelder die Gemeinden sind; heißt, den Gemeinschaftsgedanken im Judentum vorwärts tragen, dem wir als Frontsoldaten uns verhaftet fühlen. Nur eine starke Gemeinde kann dem Einzelnen etwas bedeuten; nur eine starke Gemeinschaft kann den außerordentlichen, neuartigen Aufgaben gewachsen sein, die mit einer geschichtlichen Wende heraufziehen. hawo. 5